St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Demut oder der Weg Weihnachten real werden zu lassen!

29.11.2016 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
die Zeitschrift „Der Spiegel“ titelte vor vielen Jahren mit der Überschrift: „Die schamlose Gesellschaft“ (11.01.1993) und beschrieb mit drastischen Worten die Folgen einer EGO-Gesellschaft, die das Blatt damals analysierte. Im Focus stand damals die wachsende Brutalität in der Gesellschaft und vor allem unter Jugendlichen. Heute, so scheint es, ist dieses Problem nicht mehr nur eines unserer Gesellschaft, sonder ein globales. Die Kriege haben zugenommen, eine neue Welle von flüchtenden Menschen zieht umher, auf der Suche nach einem sicheren Ort und bis heute ist kein Ansatz zum Frieden in Sicht.
Auch bei uns im Land wächst die Unsicherheit. So feiern wir Weihnachten 2016. Ehre sei Gott in der Höhe und FRIEDEN auf Erden.
Mir stellt sich die Frage, wie dieser Friede Wirklichkeit werden kann? Die Verantwortlichen und Mächtigen dieser Welt debattieren von einer Konferenz zur anderen. Vielleicht kann da das Geschehen von Weihnachten einen Weg aufzeigen. Gott macht sich klein, und wird ein Kind. Etwas Unglaubliches! Gott kann sich klein machen.
Ich glaube, dass viele Streitigkeiten und letztendlich auch Kriege genau darin ihre Ursache haben, dass wir uns nicht klein machen können oder wollen. Es ist die Frage nach der Demut, die ich zum Nachdenken geben möchte. Zunächst basiert der menschliche Dienst an der Welt in der Erfahrung der Unvollkommenheit. Wer mit wachen Augen durchs Leben geht, der stößt auf diese Unvollkommenheit. Sie ruft einen jeden zur Verantwortung und zum Handeln. In der Vergangenheit des christlichen Abendlandes motivierte zu dieser Verantwortung aber auch die Vollkommenheit Gottes und der Ruf nach der Gestaltung des Reiches Gottes. Das „Größer-Sein“ Gottes gab Kraft, dem „Besser-Werden“ der Welt zu dienen, ihre Unvollkommenheit der Vollkommenheit aus Gottes Kraft heraus entgegen zuführen. Diese Nüchternheit gegenüber der Welt-Unvollkommenheit wird in der christlichen Spiritualität „Demut“ genannt. Ein Blick auf Weltpolitik und Weltgeschichte zeigt, dass demutslose Versuche, eine vollkommene Gesellschaft zu erreichen, schnell ins Gegenteil umschlagen und in Tyrannei und Unterdrückung enden. (Vgl. Josef Sudbrack, Gottes Geist ist konkret; Echter 1999, S. 134.)
Die weihnachtliche Haltung der Demut: Gott macht sich klein und wird ein Mensch, wird zum Weg der aktiven Weltgestaltung. Sie anerkennt nämlich die eigenen Grenzen und die der Welt. Bei vielen Heiligen zeigt sich genau diese Haltung und ihre Motivation, aus ihr zu handeln – siehe Hl. Mutter Theresa. Als Christ darf man vertrauend glauben: Die Unvollkommenheit dieser Welt ist eingeborgen in die schöpferische Liebe, die Gott zur Welt und zu ihren Geschöpfen hat (ebd.). Genau das führt uns das Weihnachtsgeheimnis vor Augen. Dieses Glaubenswissen ist ein froh machendes Geschenk des Christen, aus dem heraus er sich für den Dienst an einer besseren Welt einsetzt, wie oft es auch vom Misserfolg gezeichnet sein mag (ebd.).
Liebe Gemeinde! Lassen wir uns also nicht entmutigen, uns für Versöhnung und so für Frieden einzusetzen. Beten wir treu weiter und lassen uns vom weihnachtlichen Geschehen ermutigen, uns auch selbst einmal zurückzunehmen und dem Schwächeren den Vortritt zu lassen. Dann wird Weihnachten auch bei uns etwas realer.

Ein frohes gesegnetes
Weihnachtsfest!
Ihr Pfarrer Cornelius