St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Der Raum gewinnt weiter Glauben

02.12.2015 / Redaktion

Liebe Menschen der Gemeinden unseres werdenden Raumes Mitte (bzgl. des Namens können wir uns im Laufe der Zeit noch kreativ betätigen), dazu gehören Sie aus St. Hedwig, aus Herz Jesu/Prenzlauer Berg, aus St. Marien (Liebfrauen), und schließlich Sie aus St. Bonifatius!

Im Sommer ist das Votum für den Zusammenschluss Ihrer Gemeinden zu einer großen Pfarrei der Zukunft bei der sog. Stabstelle eingereicht worden und es sieht ganz so aus, als wenn demnächst auch das „o.k.“ des Bistums dazu käme!
Denn vor ein paar Wochen erreichte uns Hauptamtliche im pastoralen Dienst eine Einladung zu Qualifizierungstagen für die Entwicklungsphase des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“ (das ist der 2. Schritt nach der Findungsphase). Diese fanden nun Anfang Oktober statt und ich möchte Ihnen gerne ein paar meiner Eindrücke erzählen und Sie in dieser Weise an dem Prozess beteiligen. Es geht ja darum, sich gemeinsam auf den Weg zu machen, gemeinsam in unserer Kirche lebendig zu sein und durch unser aller Getauft­sein das große Geschenk der Liebe Gottes mitten in der Welt sichtbar werden zu lassen. Wir Hauptamtliche sind da die Multiplikatoren. Nur mit Ihrer aller Zutun kann der Auftrag Jesu seine Erfüllung finden.

Unsere Tagung in der Katholischen Akademie begann mit einem gemeinsamen Mittagessen. Das hatte natürlich zunächst einen praktischen Hintergrund, da einer der neuen „Räume“ im Norden von Mecklenburg-Vorpommern entsteht und die Mitarbeiter/-innen eine längere Anreisezeit hatten und eine Kräftigung brauchten. Symbolisch ist es für mich aber ein schönes Bild, sich zunächst gemeinsam zu Tisch zu setzen, miteinander zu essen und zu trinken und auf diese Weise auch Nähe zueinander zu schaffen. Im Anschluss konnten wir uns gestärkt den Inhalten widmen.

In einem nächsten Schritt fand sich die Gruppe, die sich aus sechs zu bildenden „Räumen“ zusammensetze, im Tagungsraum ein. Angeleitet wurden wir von einem Vorbereitungsteam, bestehend aus Leitendenden des Dezernates Personal und Seelsorge, sowie von der Stabstelle des Prozesses „Wo Glauben Raum gewinnt“. So häufig sind wir ja fixiert darauf, nur einfach schnell zu erfahren, wie etwas funktioniert; mit einem „Rezept“ in der Tasche möchten wir nach Hause gehen. Unser Zusammenwachsen hier zu der neuen Gestalt der großen Räume soll aber ein geistlicher Weg sein. Und so stand vor aller Rede das Wort Gottes selbst im Mittelpunkt. Auf einem Ständer lag die Hl. Schrift und daneben brannte eine Kerze. In der Weise des Bibel Teilens hörten wir die Textstelle des Tages, ließen sie auf uns wirken und teilten unsere Eindrücke, die wir auch mit unserem alltäglichen Leben in der Gemeinde verknüpften.
Dieses Geschehen, was auch am Ende des Tages sowie am folgenden noch einmal eine Rolle spielte, war für mich sehr besonders: In aller Offenheit sprachen wir über unseren Glauben und es entstand „etwas“ zwischen uns, was uns alle vertrauensvoll miteinander verband. Es war spürbar: Nur aus der Kraft und der Freude des Evangeliums (Papst Franziskus) kann es uns gelingen, das Neue entstehen zu lassen. Die Kerze schenkte uns ihr Licht auch über alle Gebetszeiten hinaus...

Natürlich war es daraufhin auch wichtig zu erfahren, wie sich das Erzbistum die Entwicklungsphase vorstellt. Ich will das hier in groben Zügen skizzieren: Nachdem uns demnächst ein zustimmendes Dekret für unseren pastoralen Raum erreicht, wird es zu Beginn des kommenden Jahres eine gemeinsame liturgische Eröffnungsfeier geben. Wir wollen unseren Weg hin zu einer neuen Gestalt unserer Gemeinden unter Gottes Segen stellen.

Zunächst ist ein Leiter (Priester aus dem Raum) für unseren Raum bestimmt, der die Fäden im Rahmen des Prozesses zusammenhalten wird, sowie auch ein Moderator/eine Moderatorin (von außen), der/die dem sich zu entwickelnden Raum zur Seite steht. Darüber hinaus ist uns Verwaltungsentlastung auf personeller und finanzieller Ebene zugesprochen. Spannend wird die Einrichtung eines Pastoralausschusses (PA), welcher das maßgebliche Gremium neben der Steuerungsgruppe (eine Art Vorstand) in der Entwicklungsphase darstellt; in ihm kommen Vertreter/-innen aus den PGRs und KVs, sowie aus allen Einrichtungen kirchlichen Lebens (Caritas, Schulen, Ökumene etc.) zusammen. Auch gehören natürlich die pastoralen Mitarbeiter/innen, die in den Gemeinden tätig sind, dazu. Im PA findet in den kommenden drei Jahren der Austausch zwischen den Gemeinden und den Orten kirchlichen Lebens statt. Für jedes Jahr der Entwicklungsphase gibt es einen Schwerpunkt: Der Focus des ersten Jahres liegt darauf, Gemeinschaft zu bilden. Für das zweite Jahr gilt es, sich die Frage zu stellen „Wie wollen wir Kirche sein“. Am Ende soll die formulierte Idee eines Pastoralkonzeptes stehen. Das dritte Jahr ist geprägt von der Umsetzung bis hin zur Errichtung der neuen Pfarrei.

Am zweiten Tag unserer Zusammenkunft ging es um das Sensibelwerden für Charismen und das Klar-bekommen von Rollen. Dabei merkte ich für mich noch einmal die Unterscheidung der Bedeutung von Charisma und Talent. Es geht nicht nur darum zu entdecken, was ich oder andere gut können, sondern mehr darum, wohin uns Gott mit unseren Talenten in seiner Kirche stellen will. Darin zeigt sich dann das Charisma.
Bezüglich der Rollen hat Pfarrer Cornelius den Auftrag dazu bekommen, die Leitung unseres pastoralen Raumes zu übernehmen. Wir anderen Mitarbeiter/-innen waren für einen Moment dazu aufgerufen, uns über unsere Erwartungen an die Leitung Gedanken zu machen. Neben allen an die Leitung gerichteten Herausforderungen wie „Hirtesein“ und „Überblickbewahren“ etc. wurde die Erwartung an uns selber am deutlichsten: einander zu jeder Zeit den Rücken zu stärken. Anders geht es nicht.

Die Qualifikationsveranstaltung hat im Rückblick sehr viele Impulse gegeben. Besonders eindrucksvoll war für mich die Begegnung mit dem anleitenden Team: jede/r tauchte ganz in seiner Rolle auf und brachte seinen/ihren Anteil professionell ein; niemand stellte sich über den Anderen; man warf sich einander die Bälle zu und sprang dort ein, wo es den eigenen Part betraf. Ich denke, hier sollte sich die für die Zukunft erhoffte Umgangsweise wiederspiegeln. In der gelebten Nähe zueinander und im einander Ernstnehmen wird Begegnung auf Augenhöhe möglich und kann sich auf Dauer eine anziehende Kirche verwirklichen.

Zum Schluss noch: Uns wurden in diesen Tagen Eckpfeiler für den Prozess mit auf den Weg gegeben. Wie sich die Dinge darin bewegen, bleibt dem Leben unter diesem weiten Himmel überlassen. Es gilt, sich nicht an alt hergebrachten Strukturen festzuklammern, sondern mutig auf das Heute zu schauen und ggf. neu zu entscheiden, wie wir jetzt als Kirche nah bei den Menschen sein und das Gesicht Jesu Christi im Anderen sehen und für Gerechtigkeit eintreten können.

Paula von Loë (GR im werdenden Raum Mitte)