St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Weihnachten und der Apfel

02.12.2015 / Redaktion

Einer alten Erzählung zufolge, bekam das neugeborene Jesuskind nicht nur Besuch von den Hirten und später von den Weisen aus dem Morgenland. Kurz nach der Geburt betrat eine alte, von vielen Lebensjahren gebeugte Frau den Stall zu Bethlehem. Sie neigte sich über die Krippe und fingerte dabei etwas Kleines und Schrumpeliges aus ihrem Umhang hervor. Maria und Josef schauten verwundert auf einen roten Apfel, den das Mütterchen zu Jesus in die Krippe legte. Und in diesem Augenblick lächelte das Kind. Die Alte nickte leicht, seufzte und verließ ohne ein Wort zu verlieren, den Stall.

Liebe Gemeinde, in dieser kleinen Erzählung steckt viel Theologie. Sie bringt den ganzen Spannungsbogen der Menschheitsgeschichte, vom Anfang des Menschen, geschaffen von Gott, über den Sündenfall, der zerbrochenen Beziehung zu Gott, bis zur Initiative Gottes, diese Beziehung wieder herzustellen, auf den Punkt. Denn Weihnachten ist die Antwort Gottes auf die Untreue des Menschen. Was sagt uns der schrumpelige Apfel, den die Alte in die Krippe legt?
Die Antwort darauf gibt das erste Buch der Bibel, das Buch Genesis, in dem die Paradieserzählung geschildert wird:
Von der Schlange in Versuchung geführt, kosten Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis (Gen 3,1-24). Dies ist der Sündenfall am Anfang der Menschheit, die Ursache allen Übels. Denn der Mensch wird aus dem Paradies vertrieben, weil er Gott gegenüber ungehorsam war. Von nun an ist er sterblich und dem Tod ausgeliefert. Es ist nur schwer vorstellbar, dass diese Geschichte voller Leid und Tod, etwas mit Weihnachten zu tun haben soll. Die alte, gebeugte Frau gibt die Antwort, denn bei ihr handelt es sich um Eva aus der Paradieserzählung, die Jesus den Apfel vom Baum der Erkenntnis in die Krippe legt.
Soll heißen: Mit der Geburt Jesu rückt Gott die Menschheitsgeschichte wieder gerade. Er sendet seinen Sohn, der Gott und Mensch zugleich ist, um die Menschheit zu erlösen. Aber wovon erlösen? Das lateinische Wort für Apfel heißt „malum“, das wiederum wörtlich übersetzt „Unheil“ oder „Übel“ bedeutet. Eva legt also symbolisch alles Übel der Welt in die Krippe. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern im Vertrauen darauf, dass mit Jesus alles „heil“ wird. Durch Kreuz und Auferstehung erlöst uns der Heiland vom größten Übel, nämlich dem Tod. Weihnachten richtig verstanden heißt, dem Heiland im Stall zu Bethlehem begegnen um selbst heil zu werden. Wer möchte das nicht? Denn in vielen Lebensgeschichten gibt es „Unheil“, Brüche und offene Fragen. An Weihnachten begegnet uns Gott „auf Augenhöhe“. Nichts Menschliches ist Gott mehr fremd. Aus Liebe kommt Gott seinem Geschöpf ganz nah. Nun ist es an uns, Gott nahe zu kommen. Meist werden wir von so vielem abgelenkt. Vieles ist noch zu erledigen und zu organisieren. Aber vielleicht finden wir in der Advents- und Weihnachtszeit auch einmal Zeit über dieses tiefe Geheimnis nachzudenken. Sich Gott nähern bedeutet darüber nachdenken und mit ihm in Kontakt zu treten. Die Zeit um Advent und Weihnachten bietet die Gelegenheit zum Nachdenken und zum Gebet. Denn wie können wir uns Gott am besten nähern, wenn nicht durchs Gebet? Haben Sie Mut zu dieser Antwort, denn Gott hat den Kontakt zu uns schon begonnen.

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein ebenso gesegnetes neues Jahr!

Ihr Pfarrer Cornelius