St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Ministranten an der Kommunionbank

Flower Power in Boni

31.03.2014 / Redaktion

Als ich so ungefähr um 19.35 Uhr in unserem Pfarrsaal ankam, erblickte ich eine schöne Mischung aus kleinen unscheinbaren jungen Blümchen und Hippies im gesetzten Alter. Einige mir bekannte Leute erkannte ich erst nach dem dritten Hinschauen das erste Mal. Kleider machen halt doch Leute. Und zu Karneval ist bekanntlich fast alles erlaubt. Aus sicherer Quelle ist mir zu Ohren gekommen, dass sich insgesamt vier Generationen nebeneinander vergnüglich amüsiert haben. Kurzum, ein bunt gemischtes Volk tummelte sich in den wieder einmal passend geschmückten „Heiligen Hallen“ von Sankt Bonifatius. Viele waren dem Ruf unseres Oberhippies, der, wie mir zu Ohren gekommen ist, sein Kostüm schon beim Aufbau „warm getragen hat“, gefolgt.
Doch eine Frage zog sich förmlich durch das ausgelassene Fest: „Haben sie schon gehört, Frau xxx war beim Friseur?“ (Sie werden es mir verzeihen, dass ich die Namen aus datenschutzrechtlichen anonymisiert habe). Ich bin gewiss nicht die Einzige, die der Meinung ist, dass, wenn man in dem Alter noch so lebenslustig und fit ist, man verdammt viel richtig gemacht hat. Ich habe mich gefreut, sie so ausgelassen und vor allen Dingen gelassen in unserer Mitte feiern zu sehen. Auch das macht für mich so eine Kirchengemeinde aus. Für alle, die dieses Fest verpasst haben: Frau xxx hatte sich extra vom Friseur eine abbildgetreue Punkfrisur machen lassen.
Es wurde geschunkelt, mit den Hüften gewackelt und getwistet. Dem DJ sei Dank, dass die Tanzfläche nur für einige wenige „Verschnaufpausen“ leer blieb und der eine oder andere ganz spezielle Musikwunsch in Erfüllung ging.
Und das Büffet bog sich wieder einmal derart, dass man gar nicht wusste, wo man mit dem Schlemmen anfangen sollte. Von einem handfesten Nudelsalat über vegane Beiträge bis zur dekorativen Hippietorte war für jeden Gaumen etwas dabei. Ein paar pfiffige Köpfe hatten sogar daran gedacht, zu später Stunde Kaffee anzubieten. Damit wurde dann auch ein sicheres „Nachhausekommen“ immer wahrscheinlicher.
Zurück zu unserem Oberhippie... Er führte voller Begeisterung durch das abendliche Programm, bei dem man in unterhaltsamer Art und Weise seine Energiereserven wieder aufladen konnte, und sorgte vorbildlich mit viel Enthusiasmus für eine ausgelassene Stimmung. Wie er auf der Tanzfläche kniend rhythmisch auf den Fußboden trommelte, wird auch mir nicht so schnell aus dem Kopf gehen. Das nenne ich mal vollen Körpereinsatz. Hut ab!
Bei dieser großartigen Stimmung und dem einen oder anderen fetzigen Musikstück aus den frühen 1960er knirschte die eine oder andere Kniescheibe. Und so beschloss man zu später Stunde, dass die rechte Kniescheibe vom Pfarrer wehtun würde und die andere wäre halt katholisch. Das ist jetzt nicht böse gemeint.
Nicht unerwähnt möchte ich das rund 20-köpfige Aufräumkommando, das sich am Sonntagvormittag, nach dem Gottesdienst und einem Konzert des Jugendchores unserer Gemeinde, im Pfarrsaal eingefunden hatte, lassen. Meinem Gefühl nach wusste ein jeder was zu tun war. Alle packten voller Eifer an und so bewahrheitete sich der Spruch meiner Oma, dass viele Hände schnell ein Ende finden würden. Es hat Spaß gemacht. Nach einer knappen Stunde erinnerte nur noch wenig an dieses rauschende Fest und man ging zum gemütlichen, geselligen Teil des Sonntagnachmittages über. Es wurden die Reste verzehrt und ein Resümee gezogen.

Steffi Scheinemann