St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Schwere Unwetter in Kreuzberg!

© Walter Wetzler

16.06.2017 / Redaktion

Meteorologen machen Hoch(fest) „Pfingsten“ für Regen, Sturm und (Geistes-)Blitze verantwortlich

Ein Blick in die (biblische) Wettervorhersage (Apg 2,1-14) hatte es bereits Tage vorher erahnen lassen: Das Hoch(fest) „Pfingsten“ würde mal wieder mit heftigen Wetterkapriolen samt Sturmesbrausen und (Geistes-)Blitzen einhergehen. Zu allem Überfluss gesellte sich ab dem späten Pfingstsonntag-Vormittag auch noch ein starker Regen dazu, und das gleich eimerweise. Land unter. Wo eigentlich geschäftiges Treiben herrscht, um die letzten Vorbereitungen für den Straßenumzug des „Karnevals der Kulturen“ zu treffen, war Totentanz angesagt. Selbst die SECURITY Leute, die der Veranstalter angestellt hatte, um für Recht und Ordnung zu sorgen, beschränkten ihre Tätigkeit erst mal darauf, sich selber in Sicherheit, das heißt ins Trockene zu bringen und hockten unschlüssig im Vorraum der St.-Bonifatius-Kirche.

Doch während die Meteorologen noch ratlos die ungemütliche Großwetterlage diskutierten, krempelte der Heilige Geist die Ärmel hoch und wurde umgehend aktiv. Denn (Stimmungs-)Tiefs sind seine Sache nicht. Und so rückt er solchen Windflauten schon seit über 2000 Jahren unbeirrt zu Leibe.

Sowohl damals in Jerusalem, als Parther, Meder, Elamiter, … Menschen aus allen Winkeln der Welt zusammenkamen, um miteinander den Pfingsttag zu feiern, als auch in Berlin-Kreuzberg, wo ungezählte Nationen ausgelassen feiern, tanzend durch die Straßen ziehen und sich verstehen – ob mit oder ohne vieler Worte: wahrlich ein „Karneval der Kulturen“ – hier wie dort.

Und da wir mit der St.-Bonifatius-Kirche eh schon „mittendrin“ sind, und der Straßenumzug direkt vor unserer Haustür entlang führt, lautet das Gebot der Stunde: Kirchentüren sperrangelweit auf. Roter Teppich raus. Abwarten, was passiert.

Doch das war zunächst einmal wetterbedingt nicht viel. Um nicht zu sagen: ziemlich tote Hose! Stimmung im Keller.

Aber dann lässt der Regen nach, von Ferne hört man Samba-Rhythmen und Techno-Beats immer näher kommen und

„plötzlich kommt vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daher fährt, und erfüllt das ganze Haus, in dem sie waren“ (Apg 2, 2).

In diesem Falle die St. Bonifatius-Kirche. Denn wer sie betritt und dabei zwangsläufig vom Windstrom zweier Windmaschinen durchgepustet wird, während der Blick auf das entsprechende Bibelzitat fällt, das in großen goldenen Lettern an die Säulen geklebt ist, bekommt eine Ahnung von dem STURM der Begeisterung, der damals wie heute die Menschen aus dem Alltagstrott aufwirbeln und beflügeln will.

Hatten sich -damals wie heute- kurz vorher noch alle eingeigelt aus Angst und Perspektivlosigkeit, traf es sie nun wie ein Blitz aus heiterem Himmel und

„es erschienen ihnen Zungen wie von FEUER, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder“ (Apg 2,3).

Zugegeben: in unserem Falle eine recht domestizierte Form des Feuers, die wir mit Hilfe unserer selbstgebauten Glühlampen-Installation symbolisieren wollten, aber allemal ausreichend um so manch erstaunten Blick Richtung Himmel (naja, zumindest zur Orgelempore hinauf) zu schicken.

Das bleibt nicht folgenlos und sowohl damals in den engen Gassen von Jerusalem, als auch jetzt auf den Straßen in Berlin-Kreuzberg kommt etwas in BEWEGUNG, bricht die Erstarrung auf, und

„alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt“ (Apg 2,4).

Und dieses In-Bewegung-Kommen scheint einigen Gästen sooo gut zu gefallen, dass sie sich in unseren beiden Hollywood-Schaukeln gleich längerfristig einnisten und genüsslich und in Gedanken versunken vor sich hin schwingen.

Von diesem Schwung und Elan beseelt, gerät so mancher außer sich vor Staunen (Apg 2,7), denn –mal im Ernst- merkwürdig ist es schon:

„Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören?“ (Apg 2,8).

Das Geheimnis erschloss sich denjenigen, die sich auf eine kleine „akustische Schnitzeljagd“ einließen und dabei entdeckten, dass unter einigen Telefonen (Symbol dafür, miteinander in Verbindung zu treten und den Kontakt zueinander zu suchen), kleine Hörstationen verborgen waren, an denen der Pfingstgeschichte in unterschiedlichen Sprachen gelauscht werden konnte: ob englisch, französisch, arabisch, spanisch,...

„jeder hörte sie in seiner Sprache reden“ (Apg 2,6).

Zum Nachlesen lag die Pfingstgeschichte dann auch noch mal in die Telefonbücher geklebt neben den Telefonen bereit.

Wo etwas in Bewegung kommt, vielleicht sogar Altbekanntes und Vertrautes verlassen wird, um Neues zu wagen, kann sich schnell mal was Unvorhersehbares zusammenbrauen. Deshalb hatten wir –wie es sich für gute Wetterfrösche gehört- rechtzeitig eine „Unwetterwarnung“ rausgegeben: „VORSICHT PFINGSTEN leicht entflammbar“ prangte ein Aufkleber auf goldenen Feuerzeugen, die wir den Gästen beim Verlassen der Kirche überreichten, quasi als portablen Geistesblitz.

Allerdings hatten wir da die Rechnung ohne den Heiligen Geist gemacht, der uns diesbezüglich mal gleich eine kleine Lektion in Sachen „Unvorhersehbarkeiten“ erteilte. Denn unsere vergoldeten „Feuerzungen“, von denen wir 500 Stück bestellt hatten, reichten hinten und vorne nicht angesichts der insgesamt 1163 Personen, die im Laufe des Nachmittags in unsere Kirche flaniert kamen. Mit derartigen „Höchstwerten“ hatten wir nun wirklich nicht gerechnet. Keine Frage also: die „Geistesblitze“ werden sich wie ein Lauffeuer verbreiten. :-)

Carla Böhnstedt,
Pastoralreferentin in der Citypastoral.