St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die Wandpfeilerhalle der St.-Bonifatius-Kirche

01.01.2010 / Redaktion

Der Innenraum von St. Bonifatius ist eine riesige Wandpfeilerhalle, bestehend aus fünf Jochen und dreiseitig geschlossenem Chor. In jedem Joch befinden sich drei spitzbogige Fenstergruppen und eine Fensterrosette. Über den gesamten Raum zieht sich ein einheitliches Sterngewölbe, zart und elegant in der Struktur. Dieser große einschiffige Raum in gotisierenden Stilformen, überhaupt die Einschiffigkeit, war durchaus keine Selbstverständlichkeit sondern umstritten. Hasak schrieb im Zentralblatt der Bauverwaltung 1908, dass schon 30 Jahre zuvor, also in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts, darüber disputiert worden sei: "Die beiden Prälaten Friedrich Schneider in Mainz und Johann Graus in Graz traten für die Übersichtlichkeit und daher Einschiffigkeit der Pfarrkirchen ein, Reichensperger für die dreischiffigen mit ihren "Gebetswinkeln ".

Hasak selbst war ein Anhänger der Übersichtlichkeit und Einschiffigkeit:

"Natürlich macht eine oder zwei Reihen eingestellter Säulen oder Pfeiler den Raum recht interessant. Aber wenn das auf Kosten des Bedürfnisses, ja gegen dasselbe geschieht, dann gibt es keinen Streit mehr darüber: man muss nach anderen Mitteln suchen, um den Raum schön zu machen. Das ist eine neue Aufgabe."

Der Innenraum, wie sie ihn heute sehen, ist nicht mehr der ursprüngliche. Die Raumfarbigkeit war eine andere, das Sterngewölbe farbig gefasst, alle Fenster waren ab 1927 figürlich verglast und von intensiver Farbigkeit und im Chorhaupt stand der Hochaltar aus hellem Sandstein in gotisierendem Stil mit steil ins Gewölbe ragendem turmartigen Gesprenge in der Mitte, das den Tabernakel bekrönte.

In den seitlichen Chorschlusswänden befanden sich später auch Seitenaltäre. Dem setzte der 2. Weltkrieg ein Ende. Die Kirche war völlig ausgebrannt, diente dann als Lager für Möbel aus ausgebombten Wohnungen und wurde dann aber provisorisch ausgebessert, so dass sie 1946 wieder benutzbar war.

Mehr konnte erst einmal nicht geschehen, der amtierende Pfarrer der 50er Jahre, Pfarrer Waliczek, hatte alle Hände voll zu tun, um die Bausubstanz zu sichern, die Fenster dicht zu halten, die Kirche zu verputzen, Kirchenbänke neu zu beschaffen, Beichtstühle und Türen, Kreuzweg usw.

Als er 1961 starb wurde Pfarrer Daams sein Nachfolger. Er machte sich an die Verschönerung der Kirche. Die Anschaffung der Orgel war sein Werk und - und das interessiert uns heute - die Umgestaltung des Altarraumes.

Er beauftragte damit den Bildhauer Paul Brandenburg. Manche von ihnen werden ihn persönlich kennen oder Arbeiten von ihm kennen, er hat sehr viel in katholischen. Kirchen West-Berlins gemacht und zwar häufig im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Altarräume in Zusammenhang mit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums. Er schuf für diese Kirche hier den Altartisch, den Tabernakel, das Taufbecken und das Hängekreuz. Altarweihe war 1966. So weit so gut. Es stellte sich aber heraus, dass der nunmehr vorgezogene Altar auf erhöhter Altarinsel vom Gegenlicht des Mittelfensters überstrahlt wurde und natürlich auch der zelebrierende Priester, der wie eine Silhouette oder ein Schatten wirkte. Und das Kreuz überschnitt sich optisch mit der Struktur der Fensterverglasung. So sollte es nicht bleiben. Es musste eine Lösung für das störende Gegenlicht gefunden werden, aber einfach das Mittelfenster zumauern, konnte die Lösung nicht sein.

Von Dr. Christine Goetz Kunstbeauftragte des Erzbistums Berlin