St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die St. Bonifatiuskirche

12.04.2016 / Redaktion

Die St. Bonifatius Kirche entstand in der wilhelminischen Kaiserzeit, Bau und kunstgeschichtlich gesprochen in der Zeit des Historismus. Sie wurde in einem relativ kurzen Zeitraum in den Jahren 1906 auf 1907 errichtet, von einem der großen BaumeisterBerlins im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts: Max Hasak.

Er war neben Christoph Hehl der entscheidende Mann für den katholischen Sakralbau in Berlin. Während Christoph Hehl hauptsächlich in schöpferisch variierten neu romanischen Stilformen arbeitete, wie wir beispielsweise aus der Herz Jesu Kirche im Prenzlauer Berg oder der Rosenkranzbasilika in Steglitz wissen, war Max Hasak Neugotiker. Er bevorzugte alle Formvarianten aus Früh, Hoch und Spätgotik, hat aber bei seinen späten Kirchenbauten wenn auch zögernd und innerhalb des Rahmens, den der offiziell propagierte Historismus zuließ, dem stilistischen Diktat einen bereits modern gestimmten Abstraktionsgrad und damit eine neue Dimension gegeben.

Seine späten Kirchen zeigen das, so HI. Kreuz in Wilmersdorf von 1912 und die Corpus Christi Kirche in Prenzlauer Berg, die nach dem Brand 1920 nach seinen Plänen neu aufgebaut wurde. Aber auch die Bonifatiuskirche in Berlin- Kreuzberg, die wenige Jahre nach der Jahrhundertwende entstand, trägt bereits diese Tendenz zu Abstraktion und Konzentration in sich.

Max Hasak hatte in Berlin große Kirchen zu bauen auf grund des Massenzuzugs in die Reichshauptstadt, der auch viele Tausende von Katholiken mit sich brachte.

Auch die Bonifatiuskirche kann man als überaus an spruchsvollen Bau bezeichnen, der nicht klein und bescheiden und versteckt sein wollte, sondern präsent im Stadtbild. Mit anderen monumentalen neugotischen katholischen Kirchenbauten Berlins hat dieser Bau gemeinsam, dass die mittelalterlichen Stilformen auch sinnstiftend gemeint sind. Die Stilformen sind Bedeutungsträger, die das Selbstbewusstsein stärkten, immer wieder daran erinnern wollen, auf welche jahrhundertealte, sprich vorreformatorische Tradition die katholische Ortskirche hier zurückschauen kann.

Wenn so ein Bau wie St. Bonifatius in ihrem äußeren Erscheinungsbild Assoziationen an Kathedralen oder Dome erweckt, dann wird genau dieser Gedanke transportiert. Die Türme sind so himmelstürmend, dass ihre Symbolkraft kaum jemandem entgangen sein dürfte. Die Fassade von St. Bonifatius war zu ihrer Entstehung auffällig und sie ist es auch heute. Jeder Berliner kennt sie, meistens nicht bewusst, weil er im Auto sitzt und vorbeirast. Aber er nimmt sie wahr. Das Auffällige an der Fassade ist der Kontrast zwischen der vergleichsweise niedrigen Straßenfrontbebauung und den rasant emporschießenden Türmen, die sich gleichsam befreien aus Niedrigkeit und Enge. Überhaupt erst durch diesen Kontrast mit der unmittelbaren baulichen Nachbarschaft bekommen die Türme eine Präsenz, die fast schärfer akzentuiert ist, als wenn der gesamte Bau frei stehen würde, auf einem Platz zum Beispiel, der in Berlin um diese Zeit der Jahrhundertwende kaum zu bekommen war.

Der Architekt hat aus der Not eine Tugend gemacht, hat den Zwang, dass alle Gebäude welcher Art auch immer in: Berlin in die Blockbebauung hineinintegriert werden mussten, zu einem fast luxuriösen Dialog zwischen Enge und Weite, Himmel und Erde gemacht.

Die Autorin: Dr. Christine Goetz Kunstbeauftragte des Erzbistums Berlin