St. Bonifatius

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Die Geschichte der St.-Bonifatius-Kirche

01.01.2010 / Redaktion

Die Geschichte der St. Bonifatius-Kirche beginnt weit vor dem ersten Spatenstich, fast 20 Jahre vor ihrer Einweihung. In diesen zwei Jahrzehnten hat sie an drei verschiedenen Stellen, wahren Notunterkünften, ihre Keimzelle gehabt.

Die Pfarrei ist eine Tochter von St. Hedwig, wurde von dieser im Jahre 1889 zunächst als Missionskuratie abgezweigt und am 9.10.1894 zur Pfarrei erhoben. Den ersten Gottesdienst hielt am Weihnachtstage 1888 der Probst von St. Hedwig, der spätere Armeebischof Assmann, in einer gemieteten Tischlerwerkstatt in der Yorckstraße 7.

Der erste Seelsorger der Gemeinde war Kuratus Joseph Behrend, seit 1894 bis 1900 Pfarrer von St. Bonifatius. Nachdem Pfarrer Behrend in seine Heimat Danzig zurückkehrte, erkannte sein Nachfolger, Pfarrer Schlenke sehr bald die Unzulänglichkeit der dritten Notkirche in der Gneisenaustr. Am 22.2.1901 gründete er den Kirchbausammelverein St. Bonifatius und setzte sich damit über das Sammelverbot für eine neue Kirche hinweg. Mitglied konnte werden wer einen einmaligen Betrag von mindestens einer Mark einschickte.

Für die nicht in Berlin wohnenden Katholiken wurde auf der Rückseite der Mitgliedskarte der bestehende Notstand in Berlin so geschildert:

"Liebe Leser, herzensgute Leserin! Die äußerste Not treibt mich zu dir. Ich habe 13 000 Katholiken und keine Kirche. Unsere Bonifatiuskirche ist ein früherer Zimmermannsschuppen.
Er fasst nur 700 Personen.
Am weißen Sonntag hatte ich 150 Erstkommunikanten! O, wie hat mir das Herz geblutet, als ich die nächsten Angehörigen der Kinder nicht zu lassen konnte. Wie mancher Vater und manche Mutter konnte nicht sehen, wie ihr Kind zum ersten Mal zum Tisch des Herrn ging.
Ich habe sonntags im Kindergottesdienst 1400 Kinder. Ich weiß nicht, wie ich sie unterbringen soll.
Was soll ich sagen zu den Erwachsnen?
Drei heilige Messen sind lebensgefährlich über-füllt. Zu Hunderten kommen die Leute schon gar nicht mehr, weil sie wissen, dass doch kein Platz ist. Wie viele Tausend gehen hier verloren!

Ich kann nicht helfen.
Wir sind zwei Priester. Mehr als vier heilige Messen können wir nicht lesen.

Lieber Leser, herzensgute Leserin! Ich weiß, Du hast selber nicht viel. Ich will ja auch nicht viel? Nur eine einzige Mark! Bitte, bitte, nur eine einzige Mark! Hast Du sie nicht, so sende 50 Pfennige. Oder besser such Dir einen Freund, der auch 50 Pfennige gibt. Gott und der Hl. Bonifatius werden es Dir lohnen."

Die Bemühungen des Herrn Pfarrer Schlenke hatten Erfolg. Im Frühjahr 1905 wurde für einen Kirchbau ein neues Grundstück gesucht. In der Yorckstraße 88/89 waren Grundstücke vorhanden, die für einen Kirchbau geeignet erschienen. Am 5.6.1905, dem Fest des heiligen Bonifatius, wurde der Kaufvertrag geschlossen. Das gekaufte Kirchengelände umfasste 2 ¾ Morgen und kostete damals 1.109.000 Mark.

Am 26.12.1905, wurde mit den Vorarbeiten zum Bau der Kirche begonnen, und am 5.6.1906, dem Fest des hl. Bonifatius, legte Herr Prälat Kleineidam, Probst von St. Hedwig, den Grundstein.

Um die große Schuldenlast abzudecken, wurden von vornherein Mietwohnungen auf dem Grundstück eingeplant und gebaut. Den Entwurf der für die Kirche und die übrigen Gebäude auf dem Grundstück hatte Herr Regierungs- und Baurat Max Hasak gefertigt. Er wurde auch mit der Ausführung und Oberaufsicht betraut.

Auszug aus "75 Jahre St. Bonifatius Kirche in Berlin-Kreuzberg" von Bernhard Grade