St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die ehemalige Kirche St. Agnes als Kunstgalerie

© Gerhard Schmidt-Grillmeier

13.06.2016 / Redaktion

Zum Galerie-Wochenende Berlin 2016 besuchte ich – angeregt durch einen Artikel im Tagesspiegel – am 30. April die ehemalige Kirche St. Agnes. Sie war ja Mitte der Sechzigerjahre auf dem Areal der im Krieg ausgiebig zerstörten Südlichen Friedrichstadt entstanden. Professor Werner Düttmann, damals Präsident der im Westteil liegenden Akademie der Künste Berlin, entwarf sie im Stil der Nachkriegsmoderne. Das ganze Ensemble besteht aus quaderförmig gestalteten Gebäudeelementen, die z. T. aus dem Bauschutt der zerbombten Häuser der Umgebung errichtet wurden. Düttmann hat anfangs der Siebzigerjahre auch die katholische Kirche St. Martin im Märkischen Viertel in ähnlichem Stil entworfen.
Ich hatte als früheres Chormitglied im Kirchenchor St. Bonifatius einige Male auf der Empore gestanden und wir begleiteten die Gottesdienste musikalisch. Der Blick in den geschlossenen Betonraum erinnerte mich an das Innere eines Mausoleums.
Nachdem St. Agnes aus finanziellen Gründen und wegen gesunkener Mitgliederzahlen aufgegeben werden musste, trat als Nutzer zwischenzeitlich eine Freikirche ein. Die Orgel und andere Gegenstände wurden nach St. Bonifatius abgegeben und St. Agnes wurde in die Vorschlagsliste der geschützten Baudenkmäler aufgenommen um einen Abriss zu verhindern.
2012 pachtete dann der renommierte Galerist Johann König für 99 Jahre die ehemalige Kirche. Nach Plänen von verschiedenen Architekten, besonders von Arno Brandlhuber (er hatte das Neanderthal-Museum in Neanderthal entworfen), wurde das 800 qm große Kircheninnere umgebaut. 2014 berichtete sogar die New York Times über die neue Galerie. Eine Zwischendecke und viele Pfeiler wurden eingezogen und das neu gewonnene Geschoss als zusätzlicher Ausstellungsraum benutzt.
Seitdem finden regelmäßig Ausstellungen statt. Anlässlich der Veranstaltung „Gallery Weekend Berlin 2016“ stellten diverse Künstler ihre Gemälde, Installationen und Skulpturen aus. Auf eine Beschreibung möchte ich verzichten – jeder sieht Kunst nach seinen eigenen Eindrücken. Erstmalig war auch der St.-Agnes-Garten mit einbezogen – hinter dem ehemaligen Kirchengebäude war Rasen verlegt worden und dort war ein Skulpturengarten entstanden. Ein „Café Agnes“ bot Erfrischungen an.
Erfreulich gut war der Besuch durch überwiegend junges Publikum. Ich denke ein Besuch lohnt sich!

Gerhard Schmidt-Grillmeier