St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

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Die Stadt der Suchenden

Not only Nativities

08.06.2015 / Redaktion

Berlin ist eine stark säkularisierte Stadt. Die Evangelische Kirche ist die größte Glaubensgemeinschaft in dieser Stadt und dann folgen die Katholische Kirche und verschiedene muslimische Gruppen. Allerdings gibt es von Kiez zu Kiez und zwischen den Glaubensgemeinschaften Unterschiede.
Berlin ist religiöser geprägt, als man manchmal denkt. Das zeigt z.B. die Debatte zum Thema Migration und Islam. Die Statistiken zeigen aber, dass die Mehrzahl der Menschen, die kommen, einen christlichen Hintergrund hat. Viele der Migranten mit christlichem Hintergrund leben ihren Glauben hier stärker aus als so mancher deutsche Christ. Wir haben 180 fremdsprachige Gemeinden in Berlin. Ich glaube die Vielfalt an Glaubensgemeinschaften und Sprachen wird in Berlin stark unterschätzt (Pfr. Christof Theilemann). Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite ist Berlin eine Stadt der Suchenden. Eine Stadt mit Menschen, die auf dem Weg sind und nicht unbedingt wissen, wo ihr Weg hingeht. Sie probieren daher auch alles Mögliche aus, von Tarot über Horoskope bis zu irgendwelchen esoterischen Gruppierungen.
Wenn man den Glauben verliert, taucht oft Aberglaube auf. Andere glauben nur noch, was sie mit eigenen Augen sehen. Wenn Fragen über Schuld, Leid oder den Tod aufkommen, hilft diese Diesseitigkeit aber nicht weiter (Pfr. Andreas Goetze). Die Frage ist nun, warum dann nicht das Angebot der Kirchen bei den Menschen ankommt? Vielleicht liegt es an unserer Grundhaltung, die unser Denken z.Z. prägt. Das Individuum steht im Vordergrund und meint, es müsse sich sozusagen verselbständigen und kritisch sein gegenüber den Institutionen, Parteien, Gewerkschaften und eben auch gegenüber der Kirche. Das ist gerade modern. Alle Institutionen und Vereine kämpfen mit solchen Schwierigkeiten.
Die Folge ist eine große Verunsicherung. Ich kann Entscheidungen jeden Tag anders treffen, habe im Gegenzug aber keine Orientierung mehr. Und die Suche nach Orientierung ist in dieser Stadt eine vordergründige (Pfr. Andreas Goetze). Viele suchen diese Orientierung jedoch in alternativen Glaubensformen, etwa Engelsglaube oder mit einer Lebensweise, die mit der Natur im Einklang steht. „Diese Glaubensweisen stellen nicht in Frage. Ich kann narzisstisch bleiben. Ich bin nicht herausgefordert, meinen Weg in Frage zu stellen, eventuell umzukehren und den Umgang mit mir selbst und anderen zu hinterfragen. In der christlichen Religion muss ich mich Jesus Christus stellen. Das ist eine Herausforderung, die manchmal anstrengend ist,“ (ebd.) sich aber doch aus unserer Sicht lohnt. Denn nur in einer kritischen Selbstreflektion und in einer liebenden Beziehung, die mir von Gott in Jesus Christus geschenkt ist, kann ich in meinem Leben reifer werden, und wie die Hl. Schrift sagt, das Leben in Fülle haben.
(Vgl. Der Tagesspiegel v. 15.4.2014, Jennifer Hinz, Woran glauben die Berliner.)

Pfarrer Cornelius