St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

40 Tage „ohne“ oder doch „mit“?

24.02.2017 / Redaktion

Die Fastenzeit bezeichnet die österliche Bußzeit, die 40 Tage dauernde Vorbereitung auf Ostern. Sie beginnt unmittelbar nach Fasching mit dem Aschermittwoch und endet mit der Osternacht.

Die Sonntage in der Fastenzeit gelten nicht als Fastentage und werden deshalb nicht mitgezählt – daher dauert die Fastenzeit 40 Tage. Die 40 als Zeiteinheit kommt in der Bibel häufiger vor: Die Israeliten wandern 40 Jahre durch die Wüste (Ex 16,35), Mose begegnet Gott 40 Tage auf dem Berg Sinai (Ex 24,18), und 40 Tage nach der Auferstehung Jesu wird Christi Himmelfahrt gefeiert (Apg 1,3).

Die Gläubigen sind eingeladen, in dieser Zeit über ihr Leben und Ihre Beziehungen neu nachzudenken und nicht wenige verzichten auf Dinge, die ihnen angenehm und lieb sind – etwa auf Schokolade, Alkohol oder das Autofahren um deren Wert neu zu entdecken.

Die Tradition empfiehlt uns, an Aschermittwoch und Karfreitag nur eine volle Mahlzeit am Tag und je zwei kleinere Stärkungen zu sich nehmen, weil wir uns an diesen Tagen an den Tod Jesu Christi besonders erinnern.

Quelle: katholisch.de Fastenzeit 01.02.2015

Einen besonderen Schwerpunkt setzt die Kirche in dieser Zeit auf das Beten, Fasten und Geben. Wir sollen uns in der Fastenzeit besonders gegen Not und Ungerechtigkeit einsetzen. Das können wir tun, indem wir zum Beispiel die Hilfswerke der Kirchen - und hier vor allem das Hilfswerk Misereor, das alljährlich in der Fastenzeit seine Fastenkollekte durchführt – unterstützen. Beten und fasten dagegen sind sehr stark nach innen gewandt. Der Fastende nimmt sich selbst und sein Leben in den Blick – befreit vom Ballast des angenehmen Lebens. Die Fastenzeit gilt als Zeit der inneren Umkehr, in der man nicht immer nur an sich denkt, sondern Verzicht übt zugunsten anderer und den Dialog mit Gott sucht, um das wirklich Wichtige in den Blick zu nehmen.

Der Theologe Ulrich Lüke bezeichnet die Fastenzeit in seinem Buch „Einladung ins Christentum“ als „eine Art Trainingslager der Menschlichkeit“. Dazu gehören für ihn drei Trainingseinheiten: Authentizität (Sei du selbst, denn so sieht dich Gott), Solidarität (Spare Zeit, Geld und Zuwendung und investiere sie für andere) sowie Spiritualität (Finde Trost, Ermutigung und Hoffnung bei Gott und definiere dein Ziel neu). Das Bild ist sehr treffend: Denn eine Trainingszeit ist manchmal mühsam, hart und unangenehm, wird aber dadurch belohnt, dass der Trainierende einen höheren Grad körperlicher, geistiger oder spiritueller Fitness erreicht. (ebd.)

Aus dieser Blickrichtung macht auch die Aktion „40 Tage mit“, eine Idee der evangelischen Kirche deutlich, dass nicht nur der Verzicht, sondern auch das „mit“ als ein neuer Schwerpunkt gesetzt werden kann. Was kann ich in dieser Zeit besonders in den Blick nehmen? Um wen oder was kann ich mich besonders kümmern? Auf was setze ich meinen Schwerpunkt in dieser Zeit?

Liebe Gemeinde, ich lade Sie herzlich zur Kreativität ein. Forschen wir gemeinsam nach neuen Wegen unseren Glauben zu vertiefen und Christus neu in unser Leben zu nehmen. Ich bin überzeugt, dass dann auch Ostern ganz neu erfahren wird.

Grüße Ihr Pfarrer Oliver Cornelius