St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die neue Einheitsübersetzung ist da

17.02.2017 / Redaktion

Im Dezember 2016 ist die neue Einheitsübersetzung herausgekommen, an der 10 Jahre lang gearbeitet wurde. Parallel zur Neuübersetzung der Einheitsübersetzung wurde auch die Lutherbibel neu übersetzt. Das erste Lektionar mit der neuen Einheitsübersetzung soll zum 1. Advent 2018 erscheinen.

Im Vergleich zur bisherigen Einheitsübersetzung von 1980 gibt es entscheidende Veränderungen:

  • Sie enthält eine modernere Sprache. Beispiel: In Micha 6,8 hieß es bislang: „in Ehrfurcht den Weg gehen mit deinem Gott.“ In der neuen Einheitsübersetzung heißt es nun: „achtsam mitgehen mit deinem Gott.
  • Gleichzeitig orientiert sie sich stärker an der hebräischen und griechischen Sprache und nimmt in ihren Erläuterungen Bezug auf Klangbilder und mehrdeutige Begriffe. Dadurch können beispielsweise die Sprachbilder der poetischen Texte erhalten bleiben, so besonders bei den Psalmen. Beispiel: Ps 23,3 wurde bisher so übersetzt: „er stillt mein Verlangen“. In der neuen Einheitsübersetzung heißt es: „Meine Lebenskraft [naefaesch] bringt er zurück [schuv]“.
  • Es wurde auf eine neue Sensibilität im Umgang mit israelkritischen Stellen (bei Paulus) oder Antijudaismen (in den Evangelien) geachtet. So macht in der neuen Einheitsübersetzung eine Anmerkung zu Joh 7,1 deutlich, dass „die Juden“, die Jesus zu töten versuchten, nicht das ganze jüdische Volk meint.
  • Außerdem wurde die feminine Perspektive stärker einbezogen sowie die Rolle der Frau neutralisiert:
    • Statt der bisherigen Anrede „meine Brüder“ heißt es nun: „meine Brüder und Schwestern“, zumindest in den direkten Anreden des Paulus (z.B. in 1 Kor 14,26), da der griechische Plural „Brüder“ [adelfoi] eine Gruppe aus Männern und Frauen bezeichnen kann.
    • Aus dem Apostel Junias in Röm 16,7 wird die Apostolin Junia, da dieser Name im Griechischen nur als ein weiblicher Vorname belegt ist.
    • Die Worte, die Hiobs Frau in Hi 2,9 spricht, werden nun neutral übersetzt, sodass ihre traditionell negativ interpretierte Rolle als „diaboli adiutrix“ (Augustinus) nicht länger vertreten werden kann: Bislang schlug sie Hiob vor: „Lästere Gott und stirb!“. In der neuen Einheitsübersetzung sagt sie: „Segne Gott und stirb!“

Am 14.03.17 wird Marlen Bunzel (Theologin und Gemeindepraktikantin) die neue Einheitsübersetzung im Rahmen des Glaubensstammtisches vorstellen (19:30 Uhr im Unterrichtsraum in der Yorckstr. 88C)

Herzliche Einladung!
Marlen Bunzel