St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Wieder fit werden

03.02.2017 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
dieses Jahr bietet uns der liturgische Weg nach Ostern erneut die Gelegenheit, den Sinn und den Wert unseres Christseins zu vertiefen.
Der hl. Paulus sagt, dass das Leben eines Christen oder des Glaubens wie das eines Sportlers ist. Ein Sportler trainiert hart und bereitet sich für besondere Momente und für große Ereignisse vor. Zum Beispiel ist es der Traum eines jeden Fußballers, bei der WM zu spielen und sie zu gewinnen, auch wenn es viel Training, Mühe und Verzicht bedeutet. Trotzdem freuen sich die Spieler auf das Ziel. Die WM für die Christen ist Ostern. Ostern ist das größte Fest und Ereignis des Christentums. Es ist das Fest des Sieges, der Freude und des Lebens. Damit man daran teilnehmen kann, gibt es eine Zeit des Trainings, vierzig Tage, die uns helfen sollen, wieder zu entdecken, warum wir sozusagen gerade in dieser Mannschaft spielen und nicht in einer anderen. Vierzig Jahre hat sich das Volk Israel in der Wüste vorbereitet, um in das Gelobte Land einzutreten. Diese Zeit in der Wüste war für das Volk notwendig, um zu entdecken, dass es in der Sklaverei gelebt hatte und es kein freies Volk war. Vierzig Jahre der Vorbereitung, um in das Land der Freiheit einzutreten.

Auch Jesus verbrachte vierzig Tage in der Wüste, bevor er in den großen Kampf eingezogen ist. Im Evangelium lesen wir, dass Jesus vom Geist in die Wüste geführt wurde, um vom Teufel versucht zu werden. Nachdem er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger (Mt 4,1-11). So bereitete sich auch Jesus durch Beten und Fasten auf seine Sendung vor, an deren Anfang eine harte Auseinandersetzung mit dem Versucher steht.

Zu Beginn der Fastenzeit empfiehlt uns die Liturgie auch erneut drei Taten, die der biblischen und christlichen Tradition sehr wichtig sind: das Fasten, das Almosengeben und das Gebet. Sie dienen der inneren Vorbereitung, damit das Osterfest mit großer Freude begangen und so die Macht Gottes erfahren werden kann.

Heutzutage scheint das Fasten an geistlicher Bedeutung verloren zu haben. Unsere Kultur, die von der Suche nach materiellem Wohlstand gekennzeichnet ist, gibt dem Fasten die Bedeutung einer therapeutischen Maßnahme zum Wohl des Körpers. Fasten dient der körperlichen Gesundheit, aber für die Gläubigen ist es in erster Linie eine „Therapie“ zur Heilung all dessen, was uns hindert, Gottes Willen anzunehmen. Das Fasten eines Christen soll dazu führen, nicht mehr für sich selbst zu leben, sondern für den, der ihn liebte und sich selbst für ihn hingab wie auch für die Brüder und Schwestern. Fasten kann uns dazu helfen, unseren Egoismus zu überwinden und das Herz für die Liebe zu Gott und zum Nächsten zu weiten.

Das Spenden von materiellen Dingen, das Almosengenben hilft uns, die Nächsteliebe konkret zu machen und unsere Verhältnis zu den materiellen Besitz zu überprüfen. Oft denken wir, gänzlich unabhängig von bestimmten Gütern zu sein, aber es geschieht oft, dass wir nicht die Güter, sondern die Sachen uns in Besitz nehmen. Ich habe einmal etwas schönes über das Almosengeben gehört: Wer Almosen gibt, eröffnet ein Konto im Himmel! Das Fasten und das Almosengeben sind notwendig, um wieder geistlich fit zu werden. Ohne Gebet ist dies jedoch unmöglich.

Auf bestimmte körperliche Speisen zu verzichten fördert die innere Bereitschaft, auf Christus zu hören und sich mit seinem Heilswort zu sättigen. Unser Fasten und Gebet erlauben es Ihm, den tiefsten Hunger unseres Lebens zu stillen, den wir in unserem Innersten tragen: den Hunger und Durst nach Gott.

Ich wünsche uns allen eine fruchtbringende Fastenzeit und eine gute Vorbereitung auf Ostern.
Ihr Kaplan Santiago Monroy