St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Sehnsucht nach Gott

Pfarrei St. Bonifatius Berlin / CC BY 2.0

02.02.2018 / Redaktion

Am 14. Februar beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit. Zu den üblichen, eher stofflich-materiellen Fastenvorsätzen (weniger Schokolade, weniger Alkohol, weniger Internet, Smartphone, Shoppen, Auto) kommen meist die spirituellen Vorsätze dazu, die meiner Meinung nach zentral sind für unsere Vorbereitung auf Ostern: Mehr Zeit für Gebet! Zeit für Leerlauf, kostbare ungefüllte Zeit, in der unsere Sehnsucht, unser Hunger nach Gott eine Chance hat, wahrgenommen zu werden. Und dabei die Frage nach Gott öffnen, sich lösen von einem oft starr gewordenen Gottesbild.
Eigentlich wissen wir es doch, dass Gott für uns unbegreiflich ist, der/die ganz Andere, Unfassbare, Geheimnisvolle. Trotzdem versuchen wir ihn immer wieder in unseren begrenzten Denk-Kategorien zu (er-)fassen. Sogar unser Papst, den ich sehr schätze, scheint davor nicht gefeit zu sein, wenn er die Aufforderung zur Umformulierung des Vaterunsers mit dem Wesen Gottes begründet: „ein Vater macht sowas nicht, jemanden in Versuchung führen“. – Die ursprünglichen Fassungen des Vaterunsers bieten keinen Anlass zu einer Änderung, weder der aramäische Text der Peschitta noch die griechische Version in der Septuaginta. – Wir wollen Gott so gern darauf festlegen, der „liebe Gott“ zu sein … Die Fastenzeit ist dafür da, alte Gewohnheiten über Bord zu werfen, das heißt auch: festgewordene Bilder und Vorstellungen zu verabschieden.
Und den so entstandenen Leerraum auszuhalten, ja auszukosten. Der Theologe und Dichter Christian Lehnert schreibt ausgehend von der Frage nach Gott: „‚Gott‘, vermutet in mir selbst, die spiegelbildliche Wiederkehr des Sehnens im Ersehnten. Ich dränge auf Einlass ins Offene … und ich muss dabei zwangsläufig zurücklassen, was ich suche. Wenn ich betend anklopfe, habe ich einen bestimmten Willen nach ‚etwas‘, ein Begehr. Wenn mir geöffnet wird, sei’s ein vager Spalt, ist dies bereits unverständlich geworden. Ich weiß nicht mehr, was ich eben suchte. Weit entfernt liegen dann die Fragen, wie ich fassen könne, was ich da ersehnte, wie der Gott in mir geschehen solle oder wie er, undenkbar, außerhalb sei. … Indem ich nichts mehr erwarte, beginnt sich etwas zu regen.“

Mit diesem vieldeutigen Impuls wünsche ich Ihnen eine gesegnete Fastenzeit.
Ihre Marlen Bunzel