St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Bestrahlt von Gottes Gegenwart

© Pfarrei St. Bonifatius

02.03.2012 / Redaktion

In der eucharistischen Anbetung wird der Glauben gewissermaßen verinnerlicht. Sie ist zudem Alternative zu fernöstliche Meditationspraktiken. Der richtige Rahmen kann helfen, die Anziehungskraft für Neulinge zu steigern.

Das Wichtigste ist, sagt Anton Heiner, dass sich der Mensch der eucharistischen Anbetung absichtsfrei nähert. „Es geht nicht darum, etwas zu erreichen.“ Genau das aber passiert im Laufe der Zeit bei vielen Betern wie von selbst. Studien belegen: Menschen, die regelmäßig beten oder meditieren, bezeichnen sich insgesamt als gelassener. Das Hadern mit den Lebensumständen, etwa einer Krankheit, wird weniger. Wenn der Mensch Gott regelmäßig Raum und Zeit gibt in seinem Leben, dann ist Verwandlung möglich. „Probleme werden vielleicht nicht gelöst, aber der Umgang mit ihnen verändert sich“, sagt Heiner. Der 78-Jährige fand nach einem Schlaganfall vor rund 20 Jahren zur Kontemplation.

Auch wenn die heilige Teresa von Avila einst sagte, „Gott allein genügt“, so kann eine zeitgemäße Form doch helfen, die Anziehungskraft der eucharistischen Anbetung vor allem für Neulinge zu steigern. Anders ausgedrückt: Dort, wo der Priester aus bloßer Gewohnheit und ohne eigenen inneren Bezug, nur kurz das Allerheiligste aussetzt und am Ende routiniert den Segen erteilt, da schwächelt die Kirche.

Orden oder Laiengruppen geben würdigen Rahmen

„Viel hängt von der Gemeinschaft ab, die dahintersteht“, sagt Gemeindereferentin Bärbel Achterberg. Meist sind es Orden oder engagierte Laiengruppen, die dem heiligen Geschehen einen würdigen Rahmen verleihen; und sei es allein dadurch, dass schon ein paar Menschen vor der Monstranz beten; wenn Gäste den stillen Raum betreten. In Berlin ist das bei den Rosa Schwestern in Westend oder den Vinzentinern in der Kreuzberger Sankt-Clemens-Kirche der Fall.

Eine atmosphärisch sehr dichte Anbetung in der Hauptstadt findet in der Johannesbasilika statt; gleich neben der Nuntiatur, in der Papst Benedikt XVI. bei seiner Deutschlandreise übernachtet hat. Zu der 1983 von dem Jesuiten Hubertus Tommek ins Leben gerufenen Anbetung kamen zu Hochzeiten bis zu 50 Menschen. Heute sind es rund 15 Personen, die sich im Altarraum auf Gebetsbänken und dicken Decken versammeln: Die Anbetung dauert anderthalb Stunden. Zweimal, je 20 bis 30 Minuten herrscht Stille. Durch den Verzicht auf vorgefertigte Gebetstexte „kann der Mensch ganz bei sich, bei Gott ankommen“, wie Edelgard Ropel von der Gemeinschaft Monte Crucis sagt.

Dazwischen, am Anfang, in der Mitte und am Ende singen die Teilnehmer neue geistliche Lieder und Gesänge aus Taizé, deren Text mittels Projektor auf eine Leinwand geworfen wird. „Das musikalische Element ist wichtig, um sich einzustimmen“, sagt Heiner. Auch der Zeitpunkt scheint gut gewählt. Am Freitagabend, wo Geist und Körper nach einer Arbeitswoche endlich zur Ruhe kommen dürfen. Der besondere Clou aber ist, um es mal salopp zu formulieren, die persönliche Segnung zum Abschluss. Dem auch in der charismatischen Erneuerung engagierten Pfarrer Ulrich Kotzur merkt man schnell an, dass es für ihn eine Herzensangelegenheit ist, mit und für seine Gemeindemitglieder persönlich zu beten. Ihnen unmittelbar vor dem Allerheiligsten, wenn gewünscht, auch mal die Hände aufzulegen.

Verinnerlichte Betrachtung der Eucharistiefeier

„Ein ganz wichtiger Punkt“ ist für Heiner, dass die Anbetung im Anschluss an die Heilige Messe stattfindet. So kann die Anbetung eine verinnerlichte Betrachtung der Eucharistiefeier sein. Unter dem Kreuz, vor dem Allerheiligsten wird für die Beter zuweilen sogar das große Geheimnis erfahrbar: die Wandlung vom gekreuzigten zum auferstandenen Menschen. In der Gemeinschaft wiederum kann der mystische Leib Christi, die Kirche, erspürt werden.

Auch ein anderer Aspekt scheint wichtig, zumal in Städten, wo die Konkurrenz von spirituellen Angeboten groß ist. „Die Kirche punktet immer dort, wo sie meditative, kontemplative Angebote macht“, sagt die Supervisorin Susanne Alpers. Tatsächlich kommen in die Johannesbasilika sogar ein paar Menschen, die es früher mit buddhistischen Meditationsformen probiert haben. Doch im Gegensatz etwa zur Zen-Meditation gibt es bei der eucharistischen Anbetung ein Gegenüber, ein „Du“. Der Mensch lässt sich gewissermaßen bestrahlen von Gottes Gegenwart. Und empfindet am Ende vielleicht das, was ein Bauer in der Kirche des Pfarrers von Ars einst wie folgt beschrieb. „Ich schaue Ihn an, und Er schaut mich an. Das ist genug.“

Andreas Kaiser, Verlag Bistumspresse