St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Das Weizenkorn

31.03.2014 / Redaktion

Das Weizenkorn steht für Ostern und die österlichen Sakramente. Im Tod Jesu hat sich das Geschick des Weizenkorns erfüllt. Wenn es nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, so trägt es reiche Frucht (Joh 12,24). Noch immer zehren wir von dieser Frucht des Weizenkorns, das Jesus ist. Er hat unsere Krankheiten getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen (Jes 53,4-6). Im Weizenbrot der Eucharistie empfangen wir die Liebe Gottes: Jesus Christus, der sich ganz für unser Heil und unser ewiges Leben hingegeben hat. So sind die Sakramente der Kirche selbst Frucht dieses sterbenden Weizenkorns. Wer diese Frucht empfangen will, muss sich in jene Begegnung hineinbegeben, aus der sie selber kommen. Es verlangt von uns sich zu verlieren, ohne das man sich nicht finden kann: „Wer sein Leben bewahren will, der wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es bewahren“ (Joh 12,25). Dieses Wort Jesu ist die Grundformel des christlichen Lebens. Glauben heißt demnach nichts anderes, als von sich selbst Abstand zu nehmen und sich einem Anderen anzuvertrauen und somit sich wieder neu zu entdecken und zu finden. Und das ist das Grundprinzip der Liebe, wie wir sie erleben in unseren Familien und Beziehungen, die letztendlich von der Liebe Gottes zu uns herüberstrahlt. So erhält christliches Leben seine Gestalt vom Kreuz Christi und seiner Auferstehung.

So können wir beten:

Herr Jesus Christus, gib uns, an diesem Karfreitag hinzuschauen auf dich, auf dein durchbohrtes Herz. Gib uns, dass unsere Augen und unser Geist, die so viel Eitles und Gemeines trinken Tag für Tag, einmal durch all die Kulissen dieser Zeit hindurchschauen auf das wahrhaft Rettende: auf dich, das gestorbene Weizenkorn, aus dem die reiche Frucht der Liebe gekommen ist, von der wir alle leben. Herr, wie oft wehren wir uns, wenn du uns als Weizenkorn nehmen willst, wenn du uns herausnehmen willst aus der kleinlichen Sorge um uns selbst. Ach, du weißt, wie ängstlich wir an uns selbst festhalten. Mach uns frei; führe uns hinüber über die Schwelle unserer Furcht, und was wir nicht vermögen, schenke du uns aus dem nie versiegenden Reichtum deiner Liebe. Amen

(vgl. Ratzinger, Das Geheimnis von Tod und Auferstehung, Benno 2006).

Liebe Gemeinde, liebe Gäste, ich wünsche ihnen diese gemeinsame Erfahrung der Liebe Gottes, die sich an diesem Osterfest wieder in uns erneuern will. Möge sie uns herausführen in ein neues Selbstbewusstsein. Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Osterfest.

Ihr Pfr. O. Cornelius