St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Mit Jesus „flirten“

17.03.2015 / Redaktion

Liebe Gemeinde
nach der fröhlichen Faschingsparty am Valentinstag sind wir (einige noch mit Muskelkater wegen des intensiven Tanzens) in eine neue liturgische Zeit eingetreten, nämlich in die Fastenzeit!

Der Pfarrer und wir zwei Diakone haben die grünen Gewänder zunächst zur Seite geschoben und tragen wie in der Adventzeit wieder violett. Diese Analogie mit den Farben hat natürlich ihre Bedeutung. Wie der Advent auf Weihnachten vorbereitet, ist die Fastenzeit voll von der sehnsuchtvollen Erwartung auf Ostern. Deshalb sind beide liturgischen Momente wie ein Countdown, wie eine Uhr, die die Explosion einer Bombe signalisiert, die Explosion einer großen Freude. Das macht diese Zeit spannend und schön.

Nicht nur Fußball-Fans wissen, dass Vorfreude die beste Freude ist. Auch die Verliebten kennen sehr gut die freudige Aufregung auf das nächste Treffen mit der geliebten Person. So ist auch die Fastenzeit: eine Zeit, die uns auf die Begegnung mit Jesus Christus vorbereitet.
Nun, ist das bei uns auch so? Können wir uns wirklich auf Ostern so freuen wie auf die nächste WM oder auf einen romantischen Abend oder sonst ein schönes Ereignis? Oder muss das einfach in einem katholischen Pfarrbrief stehen, weil es nicht anders geht?
Ich lade Sie alle und auch mich selbst ein, in dieser Zeit ernst darüber nachzudenken, inwiefern Jesus mit unserem konkreten, alltäglichen Leben zu tun hat. Brauche ich Ihn? Wieso? Bin ich mit meinem Leben zufrieden? Fehlt mir etwas? Würde ich gerne etwas ändern? Glaube ich, dass Er die Macht hat, etwas zu ändern oder bin ich allein meinen Kräften und Ressourcen überlassen? Habe ich einen persönlichen Zugang, eine Beziehung zu Jesus, im Gebet, im Gottesdienst oder nicht? Bin ich dankbar für das, was ich habe? Oder vielleicht bin ich in einer Krise? Sehe ich überhaupt Jesus anwesend in meinem Leben? Liebe ich Ihn? Und liebt Er mich? Wo begegne ich Ihm? Wenn wir versuchen mitten im Stress des Alltags uns diese und andere Fragen zu stellen und eine ehrliche Antwort darauf zu geben, sind wir schon auf dem guten Weg in dieser Fastenzeit.

Die Kirche hilft uns in diesem Sinn mit drei „Waffen“, die wir in dieser Zeit besonders gebrauchen können. Die erste steckt schon in der Bezeichnung von dieser Zeit: Fasten. Das hat zunächst eine negative Bedeutung. Fasten ist, auf etwas zu verzichten: zum Beispiel Essen, Alkohol, Fernsehen, Süßigkeiten, usw. Jeder weiß, woran er am meisten hängt und kann sich entscheiden, in dieser besonderen Zeit darauf zu verzichten. Das ist eine große Hilfe, um von materiellen Dingen freier zu werden. Damit sage ich Gott und mir selbst: Mein Leben hängt nicht an diesen Dingen, es gibt etwas Wichtigeres.

Aber Fasten hat auch eine positive Seite. Beim Propheten Jesaja steht (Jes 58,6-7): „Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen, an die Hungrigen dein Brot auszuteilen, die obdachlosen Armen ins Haus aufzunehmen, wenn du einen Nackten siehst, ihn zu bekleiden und dich deinen Verwandten nicht zu entziehen“. Also Fasten bedeutet auch, anderen etwas Gutes zu tun. Nicht nur auf etwas zu verzichten, sondern etwas zu geben. Ich glaube, dass wir in unserer Stadt genug Gelegenheiten finden, um das auszuüben: Arme, Obdachlose, Flüchtlinge...
Das gibt uns eine Chance, Jesus zu begegnen: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“ (Mt 25,40). Damit verbunden ist die zweite „Waffe“: Almosen. Auch das hat zwei Seiten. Ich setze damit zuerst ein Zeichen, um frei in Bezug auf das Geld zu werden. Das bedeutet: Gott sieht für mein Leben vor, ich brauche keine Angst zu haben, ich kann großzügig sein mit anderen, die nicht so viel haben, um zu leben. Zugleich öffnet mich dieser Akt für Menschen, die in Not sind.

Die dritte „Waffe“ ist das Gebet. Nachdem ich den Fernseher ausgeschaltet und mein Portmonee etwas leichter gemacht habe, kann ich mit leerem Magen anfangen, mit Jesus zu „flirten“: „Jesus, hilf mir bitte! Ich habe auf verschiedene Dinge verzichtet, um mich auf Dich zu konzentrieren. Es gibt nun nichts, das mich davon ablenken kann, mit Dir zu reden. Sprich mit mir! Wie siehst Du mein Leben? Du weißt, ich muss eine wichtige Entscheidung treffen, was denkst Du, was soll ich tun? Und Du weißt, es gibt noch dieses Problem, wo ich keine Lösung finde . . . Befreie mich von meiner Angst, gib mir Kraft. Ist es wahr, dass Du mich liebst? Dass Du, wie wir bald feiern werden, für mich gestorben und auferstanden bist? Kann ich auch das konkret erleben? Ich bitte Dich, besiege auch meinen Tod, zeige die Kraft Deiner Auferstehung in meiner kaputten Beziehung! Gib mir Deinen Geist, um mich zu versöhnen, um zu vergeben...“

Wenn wir diese Zeit in dieser positiven Spannung erleben, können wir uns wirklich auf die Begegnung mit Jesus Christus freuen. Er wird uns nicht enttäuschen, sondern er wird sich in dieser Fastenzeit ab und zu vielleicht auf überraschender Art und Weise zeigen, durch eine Person, durch ein Wort in der Messe, das uns anspricht, durch seine Stimme, die in unserem Herzen spricht und uns inspiriert. „Wenn du dann rufst, wird der Herr dir Antwort geben, und wenn du um Hilfe schreist, wird Er sagen: Hier bin ich“ (Jes 58,9). Dann wird Ostern wirklich eine Explosion der Freude, eine Befreiung von unserer Sklaverei, unseren Sünden und Problemen sein. Denn Er wird in uns auferstehen.

Eine gesegnete und gnadenreiche Fastenzeit wünscht Ihnen Ihr Diakon Ciglia