St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Ostern

27.03.2015 / Redaktion

Christus ist in das Reich des Todes hinabgestiegen, so heißt es am Karsamstag. Was bedeutet das? Welche Bedeutung hat das für mein Leben? In der Antike herrschte die Vorstellung von einer Schattenwelt, von einer Unterwelt, einem Hades.

Einen Aspekt möchte ich für uns herausgreifen und ihn in Verbindung mit der Ostererfahrung der Jünger bringen. Kann ich mir vorstellen, dass Jesus auch in meine Schattenbereiche hinabsteigt? Was schließe ich aus vom Leben? Wo möchte ich nicht hinschauen? Wo habe ich etwas verdrängt in die Dunkelheit meiner Seele? Wo weigere ich mich hinzuschauen und versuche es zu verbergen, vor mir und anderen?

Ostern will gerade in diese Bereiche meines Lebens hinabsteigen, in das erstarrte und Erstorbene, um es wieder zum Leben zu erwecken. Auf vielen Ikonen der Ostkirche wird der Auferstandene immer so dargestellt, dass er aus dem Reich des Todes heraufkommt und gleich einen Toten mitbringt, an die Hand nimmt und gleich mit hinaufzieht.

Theologisch gesehen ist es genau das: Christus steigt zu den Verstorbenen hinab um sie ins Licht des Lebens zu ziehen. An Ostern feiern wir demnach nicht nur die Auferstehung Jesu, sondern auch unsere eigene. So wie die Liturgie der Osternacht im Dunkeln beginnt, müssen auch wir uns zunächst in die Dunkelheit unseres Lebens aufmachen, um dann von ihm ans Licht gezogen zu werden. Im Sakrament der Versöhnung stellen wir uns unseren Dunkelheiten und Schatten und erleben hier schon dass hinaufgezogen werden ins Licht. Manchmal in ganz kleinen Schritten, so wie am Anfang der Osternacht die Osterkerze in die Kirche einzieht und langsam den Raum erhellt.

Ostern ist das Erleben des Lichtes in den Schatten und Dunkelheiten unseres Lebens. Genau darin erleben wir den Auferstandenen heute und ganz konkret. Und genau das will Ostern! Im Osterlob, dem Exsultet, kann dann auch erklingen: „O glückselige Schuld, du hast dienen Retter gefunden!“

Dieses Osterlicht des Auferstandenen möge wieder neu in unsere Herzen kommen, in die Schatten und Dunkelheiten und uns eine neue Lebendigkeit schenken – ein neues Leben! (Vgl. Anselm Grün, Österlich leben, 26/27.)

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Osterfest 2015!
Möge die Gnade des Auferstandenen Sie begleiten und Sie segnen.

Ihr Pfarrer Cornelius