St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

So GOTT will – Motto der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit

09.03.2016 / Redaktion

Bericht von der Eröffnungsveranstaltung der 64. Woche der Brüderlichkeit in Berlin

Die festliche Eröffnung fand am 6.3.2016 in der Französischen Friedrichstadtkirche statt.
Der evangelische Vorsitzende der seit 1949 bestehenden Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit begrüßte die Anwesenden und wies darauf hin, dass die Gestaltung im Turnus zwischen den drei religiösen Gemeinschaften jährlich wechselt – dieses Jahr lag sie bei der evangelischen Seite. Man hoffe, dass irgendwann einmal auch Muslime teilnehmen. Ein umfangreiches Heft über die Veranstaltungen (sie reichen bis Dezember 2016) kann von der Gesellschaft (www.gcjz-berlin.de) bezogen werden.

Grußworte sprachen Dilek Kolat, Bürgermeisterin und Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen (sie wies auf die Mammutaufgabe der Integration hin und bedankte sich bei den Kirchen und der jüdischen Gemeinde für ihre Mitwirkung), Rogel Rachman, der Gesandte des Staates Israel (er wies auf den verstärkten, hinter Israel-Kritik versteckten, Antisemitismus hin), der evangelische Bischof Dr. Markus Dröge (er wies auf das bisher Erreichte im Dialog zwischen den Religionen hin), der Rabbiner Jonah Sievers (er meinte, dass nicht nur wohlmeinende Worte gewechselt werden sollten, sondern auch unangenehme Wahrheiten im Dialog zwischen den Religionen offen diskutiert werden müssten) und der katholische Erzbischof Dr. Heiner Koch (er argumentierte in erster Linie theologisch für die Zusammenarbeit der Menschen unterschiedlicher religiöser Ausrichtung, die auch im Zweiten Vatikanischen Konzil angestoßen worden sei). Aus allen Reden ging hervor, dass man wünsche, dass sich an dem Dialog auch die in Berlin und Deutschland lebenden Muslime beteiligen. Das scheiterte bisher daran, dass es bei den Muslimen keine einheitlichen Strukturen gibt.

Den spannenden und fulminanten Festvortrag hielt der Leiter des Instituts Kirche und Judentum bei der Humboldt-Universität Professor Dr. Christoph Markschies. Dieser wies anlässlich des bevorstehenden Reformations-Jubiläums auf die schwierige Lage hin, die sich durch die lange verschwiegenen judenfeindlichen Schriften Martin Luthers ergäbe. Unbedingte Offenheit und Studium der Bibel – und zwar die des Alten und Neuen Testaments – würden eine Bereicherung für alle darstellen.

Höhepunkte waren die musikalischen Einlagen – und das war ein Novum – des Begegnungschors e. V. (Berliner singen mit Flüchtlingen). Dieser Chor besteht aus deutschen und arabischen Sängern und Musikanten. Das Publikum wurde in Form eines Wechselgesangs (z. B. „Die Gedanken sind frei“ oder „Schalom schaverim“) mit einbezogen. Eingeflochten darin waren Intermezzi mit arabischen Instrumenten und ein arabisches Liebeslied. Alle nahmen diese Form der gelebten kulturellen Integration begeistert auf. Mir sagte eine Teilnehmerin des Chores, dass viele das erste Mal überhaupt Juden gesehen hätten. Man kann nur hoffen, dass diese Art der Begegnung auch hier eine positive Wirkung erzielt.

Gerhard Schmidt-Grillmeier