St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Gen Himmel

Gott ist mit uns!

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31.03.2017 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
wenn Sie den neuen Pfarrbrief in Händen halten, befinden wir uns kurz vor den Tagen der Erinnerung an das Leiden und Sterben Jesu – genau in dieser spannungsreichen Zeit der Liturgie unseres Kirchenjahres, die das Batikbild auf der Titelseite zum Ausdruck bringen will. Es ist dieser besondere Moment, mit dem ihm ganz eigenen Licht vor einem Gewitter, Spannung bis in den letzten Erdenwinkel: „Da riss der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Die Erde bebte und die Felsen spalteten sich...“

Ein außerordentliches Geschehen – und dann vielleicht doch nicht so außerhalb der Ordnung in unseren Tagen: Menschen leiden und sterben wegen der Grausamkeiten, die durch Machtstreben und Egoismus getan werden, wegen kriegerischer Auseinandersetzungen um des rechten Glaubens Willen, natürlich auch durch Naturkatastrophen, denen wir aber viel zu wenige entgegen treten. Menschen leiden auch im kleineren Rahmen durch Lieblosigkeiten in Beziehungen, in den Familien, Gemeinschaften, durch fehlende Anerkennung, üble Nachrede, Ausschluss aus Gruppierungen...
Menschen leiden, weil ihnen im Anblick der sich darstellenden Situation der Lebensmut abhanden gekommen ist, sie unter dem Verlust der Sinnhaftigkeit des Lebens die Freude verloren haben...
Menschen leiden auch schlicht durch menschliches Versagen...
Das Leben ist in eine derartige Spannung geraten und es kommt zum Gewitter, zum Knall: alles scheint zusammenzubrechen, zu zerreißen, unterzugehen.

Ein jeder Christ weiß, wie die Geschichte des Evangeliums weitergeht: dem Sterben Jesu folgt der Tod, aber Er bleibt nicht im Tod. Er durchschreitet das Reich des Todes, um durch Seinen Vater wieder zu neuem Leben aufzuerstehen: es erfüllt, d.h. verwirklicht sich, was schon durch die Propheten im Namen des angekündigten Messias Ausdruck fand: Immanuel – übersetzt: „Gott ist mit uns!“ – Er lebt! – Ostern! - ein Happyend!

Und heute? Gibt es das noch – angesichts der 1000 Nöte dieser Tage – eine österliche Wirklichkeit?
Niemand hat je versprochen, dass unser Leben ein Einfaches wäre. Niemand hat gesagt, dass sich jedes Problem mit Beten beheben ließe. Niemand hat in der Regel erlebt, dass es durch ein religiöses Leben prompt Heilung gibt und alles gleich wieder gut ist...

Ostern heute ereignet sich da, wo ein Perspektivwechsel stattfindet: in dem Wissen, Jahwe, der „Ich bin der Ich-bin-da“, geht mit. Jesus, dessen Name „Gott rettet“ Programm ist, ist in die Welt gekommen, um mit uns das Leben zu teilen. Er durchschreitet mit dem Leidenden alle Not, Er steigt in die tiefsten Niederungen des Lebens, Er lässt keinen Ort des Schmerzes aus. Und weil unser Weg und Sein Weg in der Taufe eins werden, dürfen wir wissen: mit Ihm beginnt in der Begegnung ständig neues Leben, eine neue Qualität des Daseins, ein neuer Anfang – sogar über den Tod hinaus in ein ewiges Leben hinein.
Wenn man sich das Bild auf dem Pfarrbriefmantel genau anschaut, dann lugt hinter dem Schleier der Not schon ein Leuchten der österlichen Verheißung hervor. Hoffnung darf keimen!

Andreas Knapp drückt all das in seinem Gedicht „auferstanden“ so aus:

aus und vorbei
Schluss und Ende
Sterben und Tod
Der Erfinder des Lebens aber
hat das letzte Wort
sich noch vorbehalten

steh auf
gegen die Schwerkraft des Todes
steh auf

wie ein Weizenkeimling
in verbrannter Erde
alles vermag der Glaube an Sinn

wie das frühe Licht
durch dunkle Gitterstäbe
wächst Hoffnung überlebenslänglich
wie Funkenflug
in den verdorrten Dornbusch
flammt Liebe auf unverlöschlich

Im Namen des Pfarrteams allen frohe Grüße zum Osterfest, Paula von Loë