St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Ist das Kreuz eine Zumutung?

21.03.2018 / Redaktion

In Wien an der Universität wird gerade über das Kreuz gestritten. Darf man das Kreuz an der Wand des altehrwürdigen Hörsaales den Studenten, die nicht Theologie studieren, zumuten? Déjà-vu!
Man denke an das „Kruzifix-Urteil“ von 1995, das mit dem höchstrichterlichen, vom Recht auf „negative Religionsfreiheit“ in Schulen und Unterrichtsräumen ausgegangen war. Oder ein anderes Beispiel aus Kopenhagen, wo im Dezember 2009 keine Christbäume zum Klimagipfel aufgestellt werden durften. Begründung: Es kommen auch muslimische Gäste. Ende 2010 wurde in millionenfacher Auflage ein EU-Kalender an allen Schulen verteilt. Der Clou: Sämtliche christliche Feiertage fehlten. Und die Reihe lässt sich weiterschreiben: In vielen Schulen dürfen keine christlichen Weihnachtslieder mehr gesungen werden. Dazu passte Ostern 2011 die Werbung der Buchkette Thalia zum „Hasenfest“. Aus dem Martinsumzug ist der Laternenumzug geworden. Und der Gipfel: Auf Prospekten in arabischer Sprache wird für eine Tour in den wunderschönen Alpen geworben – nur wurden auf allen Fotos die Gipfelkreuze retuschiert (Vgl. Josef Kraus, Die Tagespost, 1.März 2018, S. 17).
Eine bekannte Supermarktkette hierzulande retuschierte auf dem Verpackungsbild für den griechischen Fetakäse die Kreuze von den Kirchtürmen. Das jüngste Beispiel: Mitte Januar wurde aus dem Sitzungssaal des Amtsgerichtes Miesbach für die Dauer des Verfahrens das Kreuz entfernt. Der Angeklagte war ein mutmaßlicher Salafist, er soll einen afghanischen Landsmann getötet haben, weil der zum Christentum konvertierte.
Was ist los? Was passiert gerade in unserer Gesellschaft? Und einige Amtsträger der beiden großen Kirchen sind da nicht anders. Denken wir an den Münchner Kardinal Marx, der mit seinem evangelischen Amtsbruder in Jerusalem vorsorglich das Kreuz ablegte, um nicht zu provozieren. Ein Blogger gab den treffenden Kommentar: „. . . und sie legten ihr Kreuz ab und verrieten ihren Glauben, bevor der Hahn krähte!“ (ebd.)
Gewiss, wir leben in einem säkularen Saat, aber ist das Kreuz nicht auch ein Zeichen unserer Kultur, unserer Geschichte? Mal ganz praktisch: Was wäre Europa ohne das Christentum? So fragt Hans Maier in seinem Büchlein „Welt ohne Christentum“ – was wäre anders? Seine Antwort: „Es verschwände die Europa und die Welt kennzeichnende und prägende Dialektik von Kirche und weltlicher Ordnung!“ Es gäbe keine kirchlichen Feste, keine Jahreseinteilung, wie Neujahr, Ostern, Pfingsten und Weihnachten. Keine Sieben-Tage-Woche. Er fragt: „Wissen wir, ob der Sozialstaat den Untergang der Nächstenliebe überleben würde?“ Und vergessen wir nicht, ohne die christlich- abendländische Kultur gäbe es auch keine universellen Bürger- und Menschenrechte (ebd.).
Der frühere griechische Staatspräsident Konstantinos Karamanlis beschrieb das so: „Europäische Kultur ist die Synthese des griechischen Geistes, der also zur Idee der Freiheit, Wahrheit und Schönheit beiträgt, der römische Geist zur Idee des Staates und des Rechtes, und das Christentum zu Glaube und Nächstenliebe!“(ebd.)
Zusammenfassend können wir sagen, dass der europäische Geist in einer Dreiheit von Ratio, Libertas und Humanitas, sowie aus einer Ökumene des Judentums, griechischer und römischer Antike, sowie der Lehre des Christentums besteht. Der bekannte Theologe Romano Guardino meinte: „Europa wird christlich sein, oder es wird nicht mehr sein!“ (ebd.) Also frage ich mit Blick auf die anstehende Karwoche und das Osterfest: Ist das Kreuz eine Zumutung? Paulus antwortet der Gemeinde in Korinth: „Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die gerettet werden, ist es Gottes Kraft . . . Wir . . . verkündigen Christus als den Gekreuzigten . . . Seht doch auf eure Berufung! . . . Wer sich also rühmen will, der rühme sich des Herrn; so heißt es schon in der Schrift"" (vgl. 1 Korinter 1,18 ff.).

Liebe Gemeinde, mit diesen Gedanken wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Osterfest, die Begegnung mit dem Auferstandenen in unserer Zeit und ein Heil-werden durch das Kreuz Christi!

Ihr Pfarrer Cornelius