St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Vom Fußball und vom Glauben

27.06.2014 / Redaktion

Die Sommerzeit ist wieder da! Es ist eine ganz besondere Zeit, auf die sich viele von Ihnen sicher schon seit lange gefreut haben. Damit sind viele verschiedene Aspekte verbunden: erst mal die Schulferien, viel freie Zeit zum Grillen, spielen, Ausflüge machen, dann für den einen oder den anderen die Möglichkeit zu verreisen, außerdem das (hoffentlich) schöne Wetter und natürlich für alle Fußball-Fans diesmal ganz besonders: die WM!

Zugleich stellen die genannte Aspekte auch manchmal Schwierigkeiten dar. Wenn die Kinder sich auf die schulfreie Zeit freuen, haben die Eltern aber natürlich ganz viel mit ihnen zu tun; ferner bereiten viele schöne Aktivitäten manchmal auch Stress; wenn das Wetter zu heiß oder schwül wird, ist es auch nicht mehr so angenehm, gerade für die Älteren; und die WM... na ja, die verläuft auch nicht immer so, wie man es sich vorstellt, und sowieso macht sie die einen überglücklich und alle andere unzufrieden . . .

Ich glaube, dass diese Zeit für uns Christen eine Herausforderung darstellt. Sie gibt uns einmal die Chance, uns zu erholen, wieder zu „atmen“, angenehme Begegnungen mit Familie und Freunden zu unternehmen und sie stellt uns zugleich die Frage: „Bleibt da noch Zeit für Gott?“ Gott geht bekanntlich nicht in Urlaub! Es kann wohl andersrum passieren, dass wir einen Urlaub von Gott nehmen. Manchmal hat man nämlich in den Ferien noch weniger Zeit als sonst, denn es gibt tausende „wichtige“ Dinge, zu planen und zu erleben.

Die Herausforderung besteht meiner Meinung nach darin, zu versuchen, auch in dieser spannenden und vollen Zeit immer wieder Jesus Christus ins Zentrum unseres Lebens zu stellen. Er ist der einzige, der uns wirklich glücklich machen kann. Alles andere kommt danach. Wenn das geschieht, kann man wirklich entspannt die Sommerzeit in allen ihren Facetten und Möglichkeiten genießen ohne zugleich in den typischen „Ferienstress“ zu verfallen.

Für mich persönlich ist es gerade eine wunderschöne Zeit. Als „frisch gebackener“ Diakon habe ich mit großer Freude angefangen, all das, was ich in den Jahren der Ausbildung gelernt habe, in die Praxis umzusetzen. Ich fühle mich wohl in meinem neuen Zuhause, in der neuen Wohnung und bei den Leuten vor Ort.
Als begeisterter Fußball-Fan möchte ich auch ein Wort über die WM, die gerade noch läuft, sagen. Alle vier Jahre kleben Millionen Menschen auf der ganzen Welt an den Fernsehern, um die „Helden“ aus ihrem Land zu verfolgen und unterstützen.

Papst Benedikt XVI hat sich mal darüber geäußert. In der Sendung „Zum Sonntag“ des Bayerischen Rundfunks am 3. Juni 1978 sagte der damalige Erzbischof von München und Freising: „Fußball ist zu einem globalen Ereignis geworden, das die Menschen rund um unseren Erdkreis über alle Grenzen hinweg in ein und derselben Seelenlage, in Hoffnungen, Ängsten, Leidenschaften und Freude verbindet. Kaum irgendein anderer Vorgang auf der Erde kann eine ähnliche Breitenwirkung erzielen. Das zeigt, dass hier etwas Urmenschliches angesprochen sein muss und es steht die Frage auf, worin diese Macht eines Spiels begründet liegt“.

Er unterstreicht dabei zwei Aspekte. Erstens: Das Spiel bietet die Möglichkeit, „aus dem versklavenden Ernst des Alltags herauszutreten“, und in eine neue Dimension einzutreten, die von „erfüllter Freiheit“ gekennzeichnet ist. Es geht um etwas, das „nicht sein muss und gerade darum schön ist“. Zugrunde liegt also ein „Verlangen nach einem paradiesischen Leben, nach einem Leben der Sättigung ohne Mühsal“, des freien Handeln, ohne Zweck, ohne Nötigung, wo allerdings alle menschlichen Kräfte angespannt und ausgefüllt sind.

Neben dieser „versuchten Heimkehr ins Paradies“ gibt es einen zweiten wichtigen Aspekt: Das Spiel ist „Einübung ins Leben. Es symbolisiert das Leben selbst und nimmt es sozusagen in einer frei gestalteten Weise voraus. [...] Fußball nötigt den Menschen, zunächst sich selbst in Zucht zu nehmen, so dass er durch Training die Verfügung über sich gewinnt, durch Verfügung Überlegenheit und durch Überlegenheit Freiheit. Er lehrt ihn aber dann vor allem auch das disziplinierte Miteinander; als Mannschaftsspiel zwingt er zur Einordnung des Eigenen ins Ganze. Er verbindet durch das gemeinsame Ziel [...] Und er lehrt schließlich ein faires Gegeneinander“. Das Identifizierungspotenzial beim Zusehen macht den Rest: „Die Spieler werden zum Symbol des eigenen Lebens.“

Allerdings gibt es auch negative Seiten, die nicht verschwiegen werden dürfen. Schon 1978 warnte Joseph Ratzinger: „Natürlich kann dies alles verdorben werden durch einen Geschäftsgeist, der das Ganze dem düsteren Ernst des Geldes unterwirft und das Spiel in eine Industrie verkehrt, die eine Scheinwelt von erschreckenden Ausmaß hervorbringt“. Das ist heute, 30 Jahre später, leider höchst aktuell, wo so viel Geld um Fußball herumgeht und gerade in Brasilien heftige und gewalttätige Proteste gegen die WM täglich ausgeführt werden. Doch sah Ratzinger in seiner Analyse ein: „Aber selbst diese Scheinwelt könnte nicht bestehen, wenn es nicht den positiven Grund gäbe, der dem Spiel zugrunde liegt: die Vorübung des Lebens und die Überschreitung des Lebens in Richtung des verlorenen Paradieses.

Als Christen lehnen wir jegliche Vergöttlichung des Fußballs ab. Er besitzt für uns nicht die religiösen Züge, die viele Leute ihm zuschreiben. Zugleich nehmen wir bewusst und als freie Menschen an die ansteckende Freude teil, die diese Veranstaltung auf der ganzen Welt verbreitet! Ihnen allen wünsche ich eine gesegnete, in Christus erholsame Sommerzeit, viel Freude beim WM-Anschauen und... Mögen die Besten gewinnen!

Ihr Diakon Andrea Ciglia