St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Weihnachtsstern befestigt am Weihnachtsbaum

Meine Worte sind wie die Sterne

31.08.2016 / Redaktion

„..Meine Worte sind wie die Sterne, sie gehen nicht unter. Jeder Teil dieser Erde ist meinem Volk heilig, jede glitzernde Tannennadel, jeder sandige Strand, jeder Nebel in den dunklen Wäldern, jede Lichtung, jedes summende Insekt ist heilig in den Gedanken und Erfahrungen meines Volkes...“

Liebe Gemeinde von St. Bonifatius,
auf einer Wanderung in den Ferien fielen mir diese Worte aus der Rede des Chief Seattle, Häuptling der Duwamish-Indianer, wieder ein, die ich, wie sicher viele von Ihnen, damals einmal im Religionsunterricht kennen gelernt habe. Er hielt sie im Jahr 1855 vor dem Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika. Er formulierte sie angesichts der Entscheidungsfindung seines Stammes, aus der Freiheit in ein Reservat zu ziehen. Er konnte die Haltung des Weißen Mannes und seinen besitzergreifenden Umgang mit dem Land und den Geschöpfen Gottes nicht fassen. Wunderbar beschreibt er das Verhältnis seines Volkes zur Natur:
„Die Erde ist unsere Mutter . . . Denn das wissen wir – die Erde gehört nicht den Menschen, der Mensch gehört zur Erde. Alles ist miteinander verbunden, wie das Blut, das eine Familie vereint. Alles ist verbunden.“
In den Ferien, aus denen viele von uns in diesen Tagen gerade zurückgekehrt sind, gab es vielleicht für den ein oder anderen solche Momente, die diese Harmonie spüren ließen, das Eingewoben sein in das Ganze, was mindestens mich immer wieder zum inneren Staunen bringt und so etwas wie „heilige Gefühle“ in mir aufsteigen lässt, eine Haltung von tiefer Dankbarkeit in mir wach ruft. Es ist wohl sehr gesund, zuweilen so in die Natur einzutauchen, um das Woher und Wohin des Lebens wieder neu zu bedenken und für sich klar zu bekommen.
Die Sommerferien sind eine herrliche große Pause. Das Leben braucht immer wieder solche Momente des An- und Einhaltens, auch im nun wieder neu beginnenden ganz normalen Alltag! Meine Beobachtung ist, dass sie viel zu wenig vorkommen und deshalb das Leben vieler Menschen aus dem Gleichgewicht gerät, den Boden unter den Füßen verliert, schnell kraftlos und oberflächlich wird.
In den Tagen, in denen wir uns als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im großen Haus der Kirche ständig fragen, was unsere Hauptaufgabe in der Zukunft sein könnte, ist es vielleicht genau das: Orte zu schaffen, die helfen, zum Atem holen und zur Besinnung zu kommen, Unterstützerinnen und Unterstützer zu sein im Kontakt zu den Wurzeln des Lebens, damit das Stehvermögen in dieser unruhigen und ich-bezogenen Welt durch das Bewusstsein auf den viel Größeren hin uns immer weniger verloren geht.
Der mit der Schöpfung so verwobene Indianerhäuptling Seattle hatte diesen Stand, sodass seine Worte in der Tat auch heute noch wie richtungweisende Sterne leuchten, die nicht untergehen...

Paula von Loë,
Gemeindereferentin