St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Der Heilige Bonifatius

01.01.2010 / Redaktion

Wer war Bonifatius und was hat diesen Mensch ausgezeichnet? Warum gibt es soviele Gemeinden die diesen Namen tragen?
Diesen und noch weiteren Fragen ist Robert Berhorst nachgegangen.

Das Leben des Hl. Bonifatius

Missionsbischof Bonifatius, geb. 673 in Wessex (England), getauft als Wynfrith (Winfried), angelsächsischer Benediktinermönch und Missionar, wurde ? zusammen mit St. Adalar und 50 weiteren Begleitern ? an Pfingsten 754 (5. Juni 754) bei Dokkum (Friesland) bei einem Überfall "heidnischer Friesen" getötet.

Der greise Missionar wollte in einem dritten Anlauf versuchen, den Friesen das Evangelium zu bringen. Anlässlich des Pfingstfestes sollte eine große Tauffeier für die neu bekehrten Christen stattfinden.

Wynfrith wurde als Kind wohlhabender Eltern geboren. Wahrscheinlich handelte es sich um eine angelsächsische Adelsfamilie. Schon in früher Jugend kam er zur Erziehung und zu schulischer Ausbildung in einem Benediktinerkloster. Das Klosterleben entsprach offenbar seinem Metier, er widmete sich hier wahrscheinlich Studien und der Seelsorge. Als er 40 Jahre alt war, zog es auch ihn aus dem Klosterleben hinaus zur Missionsarbeit, der er sich dann 35 Jahre lang widmete. Eine erste gößere Reise führte ihn zu den Friesen. Er hatte dort jedoch keinen rechten Erfolg. Der Zeitpunkt war außerordentlich ungünstig. 716 hatte der heidnische Friesenkönig das von den christlichen Franken unterworfene Friesland zurück erobert. Bei den Friesen war Christentum derzeit nicht gefragt, und so zog sich Wynfrith wieder nach England zurück. Allerdings war Wynfrith nicht ein Mensch, der sich so schnell entmutigen ließ. Der Gedanke der Missionierung ließ ihn zeitlebens nicht mehr los.

Im Frühjahr 719 reiste er nach Rom, um dem Papst seine Pläne zu unterbreiten und dessen Segen und Unterstützung zu erbitten. Pater Wynfrith wurde am 14. oder 15. Mai 719 in Rom von Papst Gregor II. (715-731) zum Heidenmissionar bestellt. Gleichzeitig erhielt er seinen neuen Namen: »Bonifatius«. Der 14. Mai war ein Sonntag, und es war das Fest des cilicischen Märtyrers Bonifatius. An diesem Tag dürfte der eigentliche Festakt stattgefunden haben. Am 15. Mai, das war der erste Werktag nach dem Ereignis, wurde die Angelegenheit in entsprechender Urkunde protokolliert. Die Namensgebung sollte offenbar ? zusammen mit der Aussendung als Heidenmissionar ? Programm sein. Damit hatte Pater Wynfrith / Winfrid / Bonifatius auch offiziell den Auftrag bekommen, im Frankenreich zu missionieren und das geringfügig vorhandene und vielfältig zerstreute Christentum zu strukturieren. Das räumliche Gebiet seiner Missionierung wurde zu diesem Zeitpunkt noch nicht genau festgeschrieben.

Der neue Name ist erstmalig nachgewiesen durch das Sendungsschreiben vom 15. Mai 719. Darin heißt es "Gregorius servus servorum dei Bonifatio relegioso presbitero ..." Bonifatius - der Name wird gelegentlich abgeleitet von lat. bonum (=das Gute), fateri (=ich bekenne), oder fatum (=Schicksal) oder fari (=ich bringe).

Bei der zwieten Worthäfte denke ich eher an lat. facio (=ich tue, mache, bringe zustande). Der Name Bonifatius würde damit bedeuten "boni facio" = ich tue Gutes". Seinen Taufnamen Wynfrith hat er fürderhin nur noch gelegentlich ? und fast ausschließlich seinen aus früheren Tagen vertrauten angelsächsischen Landsleuten gegenüber ? benutzt.

Wynfrith war wohl der dritte bedeutende Träger des Namens Bonifatius. Franz Flaskamp weist in "Das hessische Missionswerk des hl.Bonifatius", Verlag Mecke, Darmstadt 1926, S. XIV, unter vielen anderen Werken auch hin auf "Vita tertia Bonifatii" (verf. nach 917/vor 1075), ed. Wilhelm Levison.

St. Bonifatius wird meist mit einem von einem Schwert durchstochenen oder seitlich eingekerbten Buch dargestellt. So zum Beispiel als monumentale Skluptur außen St.Bonifatius wird ermordetam Dom zu Fulda. Dieses Buch stellt offenbar die Heilige Schrift dar, gegen das die "Heiden" mit dem Überfall aufbegehrten. Unser Bild zeigt die wohl früheste Darstellung des heiligen Bonifatius. Es findet sich als Miniatur im "Fuldaer Sacramentarium" in Udine, Norditalien. Zu dieser Abbildung wird berichtet, Bonifatius sei von "Bewaffneten mit Schwert und Schild" überfallen worden. Man sieht, von vorn wird er von einem Soldaten mit dem Schwert angegriffen und ein anderer Soldat stößt dem gebeugten Greis einen Speer in den Rücken. ? St. Bonifatius starb den Märtyrertod im Alter von 81 oder 82 Jahren.

Ein gelegentlich behaupteter Überfall durch Wegelagerer erscheint mir weniger plausibel. Das Establishment der Friesen wollte offenbar aus politischen Gründen von dem "Frankenknecht" nichts wissen. Die Angreifer sind als Soldaten dargestellt. Sie dürften also in irgendeinem offiziellen Auftrag gehandelt haben. Der linke Angreifer führt die Sax (Sahs, Sachs), das zweischneidige germanische /sächsische Kurzschwert. Bonifatius versucht, den Hieb mit einem Buch abzuwehren. Der zweite Angreifer attackiert den alten Mann von hinten, mit einer Lanze. Bonifatius wurde nach seinem Märtyrertod über die Zuidersee nach Utrecht gebracht, wo er in jüngeren Jahren einige Monate unter Willibrord gewirkt hatte. Von dort wurde er auf dem Rhein nach Mainz überführt, denn er war Erzbischof von Mainz gewesen. Wenige Tage später sind die Gebeine - einem früher geäußerten Wunsche des Bonifatius entsprechend - von seinem Schüler und Nachfolger Sturmius (Sturmi) den Main hinauf nach Hochheim und von dort in feierlichem Zug von Priestern und Mönchen nach Fulda verbracht worden. Seine letzte Ruhestätte hat der heilige Bonifatius in der Krypta des Doms zu Fulda gefunden. An seinem Grab versammelt sich jährlich die (katholische) deutsche Bischofskonferenz.

Fulda war das Lieblingskloster und die bedeutendste Gründung des Bonifatius. Es geht auf eine Schenkung Karlmanns, des Bruders von Karl dem Großen an Bonifatius zurück. Auch Bonifatius soll nicht unbeträchtliche Mittel aus seinem persönlichen Eigentum beigesteuert haben. Fulda entwickelte sich zu einem kulturellen Zentrum Germaniens. Bonifatius gründete weiterhin die folgenden Bistümer: Erfurt, Würzburg, Freising, Eichstätt, Passau, Regensburg und Salzburg.

Das Fest zu Ehren des heiligen Bonifatius wird jetzt am 5. Juni gefeiert. Volkstümlich ist er der letzte der drei "Eisheiligen"..Mit Bonifatius begann die Geschichte des Christentums in Eurem Land. Viele sagen, diese Geschichte neige sich jetzt ihrem Ende zu. Ich sage Euch: Diese Geschichte des Christentums in Eurem Land soll jetzt neu beginnen, und zwar durch Euch, durch Euer im Geist des heiligen Bonifatius geformtes Zeugnis! < Johannes Paul II. am 17.11.1980, als er das Meßopfer über dem Grab des heiligen Bonifatius feierte. (Nach einer Gedenktafel im Dom zu Fulda) »Am Morgen des Firmtages überfiel eine bewaffnete Horde von beutegierigen Heiden Bonifatius und seine fünfzig Begleiter. Der greise Erzbischof ermahnte die Seinen, nicht zum Schwert zu greifen, sondern das Martyrium auf sich zu nehmen. Er selber hob im Augenblick des Todesstreiches ein Buch wie schützend über sein Haupt. In Fulda wird dieser Ragydrudis-Codex mit den Spuren des Schwertstreiches noch aufbewahrt.« (August Schuchert, Kirchengeschichte von den Anfängen der Kirche bis zur Gegenwart, S. 318, Thomas-Verlag, Kempen-Niederrhein 1958). In unseren Breiten kann es Anfang Mai letztmalig zu Nachtfrösten kommen. Der Gartenfreund pflanzt daher "erst nach den Eisheiligen", also nach Bonifatius, empfindliche Pflänzchen in den Garten. Nach dem früheren, bis zum Zweiten Vatikanum gültigen Kirchenkalender wurden die drei Eisheiligen wie folgt gefeiert: Pankratius am 12. Mai, Servatius am 13. Mai und Bonifatius am 14. Mai.

Robert Berhorst