St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Psalm 22

18.04.2018 / Redaktion

Gottverlassenheit und Heilsgewissheit

Psalm 22
[Für den Chormeister. Nach der Weise «Hinde der Morgenröte». Ein Psalm Davids.]

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen, /
bist fern meinem Schreien, den Worten meiner Klage?

Mein Gott, ich rufe bei Tag, doch du gibst keine Antwort; /
ich rufe bei Nacht und finde doch keine Ruhe.

Aber du bist heilig, /
du thronst über dem Lobpreis Israels.

Dir haben unsre Väter vertraut, /
sie haben vertraut und du hast sie gerettet.

Zu dir riefen sie und wurden befreit, /
dir vertrauten sie und wurden nicht zuschanden.

Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, /
der Leute Spott, vom Volk verachtet.

Alle, die mich sehen, verlachen mich, /
verziehen die Lippen, schütteln den Kopf:

«Er wälze die Last auf den Herrn, /
der soll ihn befreien! Der reiße ihn heraus, / wenn er an ihm Gefallen hat.»

Du bist es, der mich aus dem Schoß meiner Mutter zog, /
mich barg an der Brust der Mutter.

Von Geburt an bin ich geworfen auf dich, /
vom Mutterleib an bist du mein Gott.

Sei mir nicht fern, denn die Not ist nahe /
und niemand ist da, der hilft.

Viele Stiere umgeben mich, /
Büffel von Baschan umringen mich.

Sie sperren gegen mich ihren Rachen auf, /
reißende, brüllende Löwen.

Ich bin hingeschüttet wie Wasser, /
gelöst haben sich all meine Glieder. / Mein Herz ist in meinem Leib wie Wachs zerflossen.

Meine Kehle ist trocken wie eine Scherbe, /
die Zunge klebt mir am Gaumen, / du legst mich in den Staub des Todes.

Viele Hunde umlagern mich, /
eine Rotte von Bösen umkreist mich. / Sie durchbohren mir Hände und Füße.

Man kann all meine Knochen zählen; /
sie gaffen und weiden sich an mir.

Sie verteilen unter sich meine Kleider /
und werfen das Los um mein Gewand.

Du aber, Herr, halte dich nicht fern! /
Du, meine Stärke, eil mir zu Hilfe!

Entreiße mein Leben dem Schwert, /
mein einziges Gut aus der Gewalt der Hunde!

Rette mich vor dem Rachen des Löwen, /
vor den Hörnern der Büffel rette mich Armen!

Ich will deinen Namen meinen Brüdern verkünden, /
inmitten der Gemeinde dich preisen.

Die ihr den Herrn fürchtet, preist ihn, /
ihr alle vom Stamm Jakobs, rühmt ihn; / erschauert alle vor ihm, ihr Nachkommen Israels!

Denn er hat nicht verachtet, /
nicht verabscheut das Elend des Armen. Er verbirgt sein Gesicht nicht vor ihm; / er hat auf sein Schreien gehört.

Deine Treue preise ich in großer Gemeinde; /
ich erfülle meine Gelübde vor denen, die Gott fürchten.

Die Armen sollen essen und sich sättigen; /
den Herrn sollen preisen, die ihn suchen. / Aufleben soll euer Herz für immer.

Alle Enden der Erde sollen daran denken /
und werden umkehren zum Herrn: / Vor ihm werfen sich alle Stämme der Völker nieder.

Denn der Herr regiert als König; /
er herrscht über die Völker.

Vor ihm allein sollen niederfallen die Mächtigen der Erde, /
vor ihm sich alle niederwerfen, die in der Erde ruhen. [Meine Seele, sie lebt für ihn; /
mein Stamm wird ihm dienen.] Vom Herrn wird man dem künftigen Geschlecht erzählen, /
seine Heilstat verkündet man dem kommenden Volk; /
denn er hat das Werk getan.