St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Besuch im Haus der Schutzengel

12.01.2007 / Redaktion

Der „Tag der Schutzengel“ am 2. Oktober war Anlass, unsere seit mehreren Jahren geplante Fahrt zu unserem Gemeindeprojekt zu realisieren. Immer wieder luden uns die Mitarbeiter herzlich ein. So machten wir uns zu fünft auf, um der Einladung zu folgen und uns vor Ort ein Bild zu machen, wie sich das Projekt in den vergangenen vier Jahren entwickelt hat.

Bei unserer Ankunft in Kattowitz/Katowice am Sonntagabend waren wir sehr gespannt auf die kommenden Tage mit den Kindern, Mitarbeitern und ehrenamtlichen Betreuern. 2002 hatte die Stadt der Organisation ein leer stehendes Haus für ihre Arbeit mit den Kindern angeboten. Bei unserem damaligen Besuch standen wir vor einer Bauruine.

Jetzt konnten wir in diesem „Haus Schutzengel“ übernachten und mit den Kindern und Mitarbeitern die Tage bei Gesprächen, Gruppenarbeit, Spaß und Spiel verbringen. Mit viel Mühe und Aufwand haben die unterschiedlichsten Sponsoren und Freunde des Projektes geholfen, das Haus bewohnbar zu machen. Es ist ein heller, freundlicher Ort geworden, an dem sich alle wohl fühlen können. Die einzelnen Gruppen- und Arbeitsräume sind einfach, aber durchdacht, eingerichtet.

Am Dienstag stand das Patronatsfest ins Haus. Deshalb machten wir uns am Montag nach dem gemeinsamen Mittagessen, zubereitet von den größeren Kindern, mit allen ans Werk, das Haus zu putzen und für die Feierlichkeiten vorzubereiten. Das gab uns die Möglichkeit, die Kinder ganz zwanglos kennen zu lernen. Gleichzeitig konnten wir auch viel über die Arbeitsweise der Mitarbeiter mit den Kindern erfahren: keiner wird bedient, alle tragen zum Gelingen bei, gemeinsam geht es leichter, man lernt fürs Leben.

Trotz der sprachlichen Barriere hatten wir viel Spaß bei der Arbeit und wurden von den Kindern sofort akzeptiert.

Am Dienstag Nachmittag war es dann soweit. Mit etwa 35 aufgeregten Kindern im Alter von 4 bis 15 Jahren in Festtagskleidung machten wir uns auf den Fußweg zum Festgottesdienst in der Kirche. Man spürte die große Freude der Kinder an der Mitgestaltung des Festgottesdienstes. So verwunderte es nicht, dass sie ihre Lieder nicht nur sangen, sondern aus vollem Herzen und voller Kehle schmetterten.

In der Predigt sprachen die Priester von Dankbarkeit und Mut. Dem Mut Gutes zu tun und dass es dazu keiner speziellen Qualifikation bedarf; und dem Dank an diejenigen, die den Mut zum Helfen haben.

Nach dem Gottesdienst waren alle zur Begegnung und zum Feiern ins Schutzengelhaus eingeladen. Die Kinder und Betreuer berichteten über das vergangene Jahr und ihre Aktivitäten. Auf Wunsch der Kinder zeigten wir Fotos von und rund um St. Bonifatius, dem Secondhandverkauf und dessen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und erzählten von der Arbeit in unserer Gemeinde.

Ganz verblüfft waren wir, als wir und alle anwesenden Förderer des Projekts von den Kindern und Verantwortlichen eine persönliche Auszeichnung als „Freunde der Kinder von Katowice“ erhielten. Dank sollen wir auch allen Gemeindegliedern und Helfern in St. Bonifatius überbringen, die das Schutzengelhaus unterstützen. Beim anschließenden Essen, Gedankenaustausch, Plaudern und Lachen fühlten wir uns richtig in die Gemeinschaft aufgenommen. (An dieser Stelle danken wir Christina Seipelt für ihre unermüdliche Bemühung als Dolmetscherin.) Am nächsten Vormittag trafen wir uns in großer Runde mit der Leitung und den Mitarbeitern zum Gespräch über die Arbeit mit den Kindern, künftige Pläne und Träume.

Realisiert wurde zuletzt:

Eine Betreuung für 16 Vorschulkinder.

Geplant für die nähere Zukunft sind:

Eine Betreuungs- und Beratungsstelle für Eltern, die Hilfe im Schutzengelhaus suchen. Eine Werkstatt für die Kinder und Jugendlichen.

Traum:

Einrichten einer Notaufnahme, die Kinder vor der Einweisung ins Kinder- oder Jugendheim bewahrt (Vermittlung in Pflegefamilien, bzw. mögliche Rückführung in die Familie).

Unseren letzten Nachmittag wollten wir mit den Kindern gestalten. Die verbliebenen Englischkenntnisse wurden aus dem Gedächtnis gekramt und die Zeichensprache heftigst für Erklärungen eingesetzt. Wir hatten Bastelmaterial mitgebracht und teilten uns in Gruppen auf. Mit Filzarbeiten, Papiermaché und Schmuckherstellung verbrachten wir kreative Stunden. Wir wollten zeigen, dass mit wenig Aufwand und viel Spaß schöne Dinge selbst hergestellt werden können.

Am Abend mussten wir leider Abschied nehmen. Das fiel allen sehr schwer. Die Kinder fragten: Wann kommt ihr wieder?

Vor unserer Rückreise nutzten wir die Gelegenheit einen Abstecher ins das nahe gelegene, bezaubernde Krakau zu unternehmen. Es gäbe noch vieles über das Projekt zu berichten. Da dies aber an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde, möchten wir Interessierte bitten sich an uns persönlich zu wenden.

Uns hat der Besuch neue Impulse für unsere Weiterarbeit gegeben. Wir fühlen uns aufs Neue motiviert, nicht einfach nur als Sponsoren, sondern als ein kleiner Teil des Projektes.

An dieser Stelle möchten wir auch den neuen Pfarrgemeinderat für die Zukunft um tatkräftige Unterstützung des Gemeindeprojektes bitten. Der Sidneygruppe, die ein Projekt in Osteuropa sucht, sei dieses Haus wärmstens ans Herz gelegt und empfohlen. Es wird dort jede Hand gebraucht.

Der rote Faden der Predigt zum Festgottesdienst „Mut zum Helfen“ wird uns in Zukunft bei unserer Arbeit stets begleiten.

  • Stephanie Burkhardt
  • Christa Scheinemann
  • Christina Seipelt
  • Regina Melchert
  • Marion Przewieslyk