St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die Notübernachtung in St. Bonifatius

30.01.2008 / Redaktion

Der Initiator der Aktion Notübernachtung in der Katholischen Kirche in den kalten Wintermonaten ist Kamill Nowak. Obdachlosen Männern soll ein Dach über den Kopf, ein Bett und eine warme Mahlzeit in einer familiären Atmosphäre geboten werden. Durch die Unterstützung von Pfarrer Schlütter konnten der Gemeinderat und das Bezirksamt Berlin-Kreuzberg gewonnen werden, dieses Projekt zu fördern.

So wurde im Winter 1990/91 die Kaiserloge Sankt-Johannes-Basilika als Schlafraum für etwa acht Obdachlose zu Verfügung gestellt. Die obdachlosen Gäste wurden in den Monaten November bis März von einem Team ausinsgesamt 14 Betreuen, die aus dem Kreis der Gemeinde stammen, betreut. Die Kaiserloge besteht aus einem Raum von 6 mal 7 Metern. Zu diesem Raum gehören außerdem ein Vorraum, eine Teeküche und eine Toilette. Somit musste ein Raum sowohl als Speiseraum und auch als Schlafraum dienen.

Die Betreuer hatten nach der Übernahme der St.-Johannes-Basilika durch die Polnische Mission im Jahr 2004 ein neues Domizil in der St.-Agnes-Kirche gefunden. Eine Saison später, nach der Fusion der St.-Agnes-Kirche mit St. Bonifatius musste die Notübernachtung in die dortige Küsterwohnung verlegt werden. So konnte das Projekt weitergeführt werden. Doch auch dort konnten die Betreuer den Gästen nur für eine Saison eine Übernachtungsmöglichkeit anbieten. Die Betreuer wollten nicht aufgeben, und nach umfangreicher Suche haben sie für die Saison 2006/07 Räumlichkeiten in der Solmsstraße gefunden.

Zwei Wochen bevor die Notübernachtungssaison 2007/08 beginnen sollte, wurden die Räumlichkeiten an eine Handwerksfirma vermietet. Deshalb wurde es sehr schwierig. Am 1. November sollten sich die Gäste, die in den Sommermonaten im Park oder unter der Brücke schlafen, auf einen warmen Unterschlupf freuen können. Bis zum Morgen des 1. November halfen alle Betreuer bei der Suche nach neuen Räumen sowie den Umzugs- und Renovierungsarbeiten mit, so konnten noch an diesem Abend die erst aufgenommen werden.

Wir bieten 8 Schlafplätze (Betten), sowie 2 Not-Schlafplätze (Matratzen). Die beiden Schlafräume gliedern sich in einen 3-Bett-Raum, einen 5-Bett-Raum und 2 Notmatratzen.Der Ess- und Aufenthaltsraum ist Mittelpunkt der Einrichtung.

Die Notübernachtung öffnet ihre Türen um 19 Uhr. Um ca. 20 Uhr gibt es eine kleine warme Mahlzeit zu der jeder von der Straße eingeladen ist und die von den Betreuern gemeinsam mit den Gästen vorbereiten. Vor jedem Essen wird gemeinsam gebetet. Anschließend wird gemeinsam abgeräumt und abgewaschen. Einige der Gäste sind nach einem langen Tag in der Kälte erschöpft und ziehen sich zum Schlafen zurück, andere spielen Brettspiele oder unterhalten sich. Gerade die Gesellschaftsspiele führen zu einer über guten Kommunikation.

Ein- bis zweimal im Monat werden Gesangsabende organisiert, die Heinrich Sand mit der Gitarre begleitet. Bei ihnen schaut auch Pfarrer Kotzur gelegentlich vorbei, um mitzusingen und um die eine oder andere Geschichte zu erzählen. Das lockert die Atmosphäre in der Notübernachtung auf und diese familiäre Stimmung führt zu einem stressfreien Umgang zwischen den Gästen und den Betreuern.

Morgens gibt es ein Frühstück und anschließend machen sichdie Betreuten auf den Weg, um Flaschen zu sammeln oder Zeitungen zu verkaufen.

Durch das Vertrauen, das sich zwischen den Betreuern und den Gästen entwickelt hat, entstand eine Basis, auf der über Probleme und Möglichkeiten der Resozialisierung gesprochen werden kann. In den letzten fünf Wintern haben sieben Gäste den Sprung aus der Obdachlosigkeit geschafft. Zwei der 15 Betreuer, die vor nicht so langer Zeit wohnungslos waren, gehören nun zum Team.

Die Notübernachtung der Bonifatius- Gemeinde unterscheidet sich sehr von gängigerPraxis. Gerade durch den kleinen Rahmen, der etwas familiäreren Atmosphäre und den intensiven Gesprächen, ermöglichen wir unseren Gästen eine zeitlich begrenzte Abnabelung von der Straße.

Team Notübernachtung