St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Nachruf für Bärbel Achterberg

20.01.2015 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
das Jahr 2015 hat begonnen und wir stellen uns wieder unter den Segen Gottes! Immer wieder machen wir in unserem Leben, in der Gesellschaft, und auch in unserer Gemeinde die Erfahrung, dass nicht alles „machbar“ ist. Gewisse Dinge entziehen sich unserer Machbarkeit. Vieles ist eben Zufall, so sagen heute viele. Zufall? Ich glaube nicht an einen Zufall! Ich glaube, dass alles was geschieht, in der Vorsehung Gottes liegt. Gott sieht für uns vor, er sorgt für uns vor. Das ist von je her die Überzeugung der Christen, sowie aller Glaubenden. Gewiss verstehen wir bisweilen diese Vorsehung nicht immer.
Umstände im Leben können uns zweifeln lassen. Und doch bleibt das Versprechen, dass Gott uns in seinem Sohn gegeben hat: „Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20)! In diesem Vertrauen hat Fr. Achterberg die Diagnose vor knapp einem Jahr angenommen.
Hat sie doch ihren Weg zu Gott durch viele Umwege gefunden. Mehrere Berufe hat sie ausgeübt, bis sie zu dem Entschluss kam, ich will meiner Berufung folgen. Wohl dem, der seine Berufung im Leben erkennt und den Mut hat ihr zu folgen. So haben wir sie als eine Gemeindereferentin erlebt, die nicht Dienst nach Vorschrift macht, wenn das in diesem Beruf überhaupt geht. Nein, wir erlebten sie als eine ehrliche und aufrichtige Person, die tief aus ihrer persönlichen Überzeugung handelte und lebte. Ihr ganzes Leben stellte sie in den Dienst der Kirche, um den Menschen Gottes Botschaft nahe zu bringen, und dabei verlor sie bisweilen den Blick für die Zeit. Wie oft sahen wir noch die erleuchteten Fenster ihres Büros bis spät in die Nacht hinein. Sie war glücklich in dieser Gemeinde zu sein, nachdem sie auch Dienststellen hatte, an denen sie sehr gelitten hatte und die Erfahrung machte, dass Kirche eben nicht die perfekte Gemeinschaft ist.
Viel menschlicher Unwille stand ihr oft im Weg. Und doch hat sie nicht aufgegeben zu glauben und zu hoffen. Sie hielt an Gottes Zusage für seine Kirche fest und überwand die menschlichen Hindernisse. Darin ist sie uns ein Vorbild und Ansporn, die Kirche nicht als ein rein menschliches Machwerk zu sehen. Gott hat ihr die Gabe der Kraft gegeben, auch wenn es manchmal so schien, dass sie die Kräfte verlassen haben.

„So möchten wir auch sterben!“ äußerten sich die Krankenschwestern auf ihrer Station. Was für ein Zeugnis am Ende ihres Lebens. Bärbel, wir danken dir für deinen unermüdlichen Einsatz für Gottes Reich in dieser Welt, für deine Umsicht und deine Bereitschaft, ganz bei den Menschen zu sein. Dein Herz war in Gott verankert und wird es auch bleiben. Gott sieht für uns vor! Was er vorsieht, erfahren wir Schritt für Schritt im Gebet und im Hinhören. Vielleicht müssen wir wieder mehr lernen Hinzuhören, statt viele Worte machen. Worte die in Pläne festgeschrieben werden. Das wird uns nicht retten. Lernen wir wieder das Hinhören auf die Botschaft Gottes und lassen wir die Liebe zu Gott wachsen, indem wir zurückstehen und ihm Raum geben. Wir können eben nicht den Glauben machen, bei uns nicht und auch nicht bei anderen. Was bleibt also? Das Vertrauen! Bärbel sagte: „Das Leben kann am Ende so klein sein!“ und meinte damit wohl, dass die Dinge, die uns beschäftigen, die wir besitzen und die wir meinen zu kennen, immer kleiner werden. Wobei das wahre Leben immer größer wird.
R.i.P.

Pfarrer Cornelius