St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Rumänische Griechisch-Katholische Kirche

15.01.2017 / Redaktion

Die Rumänische Griechisch-Katholische Kirche.
Biserica Română Unită cu Roma.

Diese Kirche zählt zu den mit Rom unierten Kirchen. Ihr Sitz ist in Blaj (Blasendorf) in Siebenbürgen (Großerzbistum Făgăraș und Alba Iulia). Dort befindet sich die barocke Dreifaltigkeitskirche mit Ikonostase. Großerzbischof ist Lucian Kardinal Mureșan. Der Ritus ist byzantinisch und die Kirchensprache rumänisch.
Es gibt in Rumänien fünf Diözesen und ein neueres Bistum in den USA (Ohio). Für die in Deutschland lebenden Gemeindeglieder gibt es in München eine Gemeinde (aber auch in Düsseldorf) und für die in Österreich lebenden Gläubigen ist der Erzbischof von Wien zuständig.
Die Geschichte dieser Kirche ist sehr wechselvoll und von Leid geprägt und hat mit den wechselnden politischen und konfessionellen Verhältnissen Siebenbürgens zu tun.

Siebenbürgen war ursprünglich byzantinisch-orthodox geprägt – auch unter der osmanischen Herrschaft. Daneben gab und gibt es Kalvinisten (zumeist ungarische Bewohner) - und Lutheraner (zumeist die deutschsprachige Minderheit) und Katholiken. 1687 wurde es unter dem römisch-deutschen Kaiser Leopold I. dem Habsburgerreich untertan. Habsburg förderte (mit gewissem Druck) den Anschluss an die römische Kirche – die Union fand am 4.9.1700 statt. Die Kirche war dem ungarischen Erzbistum Esztergom unterstellt – was ja einen Verlust von Eigenständigkeit bedeutete. Teile der Gläubigen kehrten deshalb aus Enttäuschung, dass die volle Gleichberechtigung des byzantinischen Ritus mit dem römischen nicht gewährleistet war, zur Rumänisch-Orthodoxen Kirche zurück. Erst Papst Pius IX. installierte 1853 eine eigene Kirchenprovinz.
Nach dem Ende des 1. Weltkrieges kam Siebenbürgen zu Rumänien. Die Rumänisch-Katholische Kirche wurde genauso wie die Rumänisch-Orthodoxe Kirche voll vom Staat anerkannt und viele Intellektuelle schlossen sich ihr an. Die Kirche hatte damals etwa 1,5 Millionen Gläubige in fünf Diözesen und konnte sich frei entfalten. Das änderte sich grundlegend, als nach dem 2. Weltkrieg die neuen atheistischen Machthaber eine erzwungene Union mit der Orthodoxen Kirche durchsetzten. Nur eine Minderheit der Priester erklärte sich dazu bereit.
Die Kirche hatte sehr stark unten den Repressionen des Regimes zu leiden – sie war illegal. Alle Bischöfe und viele Priester wurden inhaftiert. Nach der Befreiung vom Kommunismus stellte sich heraus, dass im Untergrund weiterhin ein Gemeindeleben existiert hatte und sogar Bischöfe und Priester geweiht worden waren.
1990 wurde unter Papst Johannes Paul II. die Hierarchie der Kirche wiederhergestellt. 1999 besuchte der Papst Rumänien und trug mit seiner sensiblen ökumenischen Haltung sehr zu einer Versachlichung der Diskussion zwischen den Kirchen bei.
2005 erhob Papst Benedikt XVI. den Metropoliten zum Großerzbischof. Es gab und gibt aber Probleme mit den Rückgabeansprüchen von ehemaligem Kirchenbesitz. Dabei spielt eine Rolle wie groß die Anzahl der Gläubigen ist – die Zahlen differieren bei den Eigenangaben der Kirche und denen des rumänischen Staates. In Rumänien sollen nur etwa 1/6 der etwa 1 Million lebenden Kirchenglieder leben. Doch diese Zahlen sind nicht sicher. Eine interkonfessionelle und internationale Arbeitsgruppe „Union von Siebenbürgen“ versucht die schwierige Kirchengeschichte Siebenbürgens aufzuarbeiten.

Gerhard Schmidt-Grillmeier