St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Nachruf für den verstorbenen Pfarrer Blessing

22.02.2013 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
der himmlische Vater, Herr über Leben und Tod, hat am Montag, dem 18. Februar 2013, im Karl-Steeb-Heim seinen treuen Diener, den
Pfarrer i.R. Eberhard Blessing
aus dem irdischen Leben in sein ewiges Reich heimgerufen.

Eberhard Blessing wurde am 23.09.1929 in Berlin geboren. Sein Heimatkiez war Berlin-Frohnau, wo er mit seiner Schwester aufwuchs. Seine Schulzeit spiegelt die politischen Verhältnisse jener Zeit: erst Kath. Volksschule, ab 1939 staatl. Schule, während der Evakuierung bei der Großmutter in Golzow besuchte er die Schule in Küstrin. Als 15-jähriger erlebte er die Kapitulation und das Kriegsende beim Arbeitseinsatz in der Landwirtschaft nahe Gardelegen. Noch 1945 starb sein Vater an Fleckfieber.
Die Witwe lebte nun mit ihren Kindern in der Nachkriegszeit in Wittenau sehr beengt. 1948 legt Eberhard Blessing in Berlin-Tegel das Abitur ab und bewirbt sich danach als Priesterkandidat. „In einem ‚Rosinenbomber’ wurden wir von Berlin-Gatow nach Lübeck geflogen, um schließlich über Hamburg nach Fulda zu gelangen“, so wurde Blessing später zitiert. Es war ein eindrückliches Erlebnis der angehenden Theologiestudenten, die in der Blockadezeit zum Theologiestudium ins Fuldaer Seminar aufbrachen. Mutter Blessing arbeitet zu dieser Zeit in Ost-Berlin.
Veranlasst durch Bischof Weskamm ist Eberhard Blessing 1953/54 mit den anderen Berlinern als Alumnus im Priesterseminar in Neuzelle. Schließlich wird er mit dem „Luftbrückenkurs“ am 25.04.1954 als einer von insgesamt 20 Diakonen in der St. Johannes-Basilika von Bischof Wilhelm Weskamm zum Priester geweiht. Eine freudige Überraschung zu diesem Anlass war für ihn, dass die Mutter – die schon immer mit ihren Kindern die katholischen Gottesdienste besucht hatte – inzwischen zur katholischen Konfession konvertiert war.

Seinen Dienst begann der Neupriester in St. Bonifatius, Kreuzberg, seine zweite Stelle hatte Kaplan Blessing dann in St. Joseph, Wedding – dort auch mit Beauftragung für die Dekanatsjugend; 1962 wurde er in Kreuzberg Kaplan an der durch den Mauerbau zerrissenen Pfarrei St. Michael. Ab 1966 wirkte er 14 Jahre lang als Pfarrer von St. Karl Borromäus, Grunewald, und wechselte im Oktober 1980 wieder nach Kreuzberg, um 19 Jahre hindurch Pfarrer von St. Bonifatius zu sein, dort auch Administrator der Kuratie St. Clemens. Ohne viel Aufhebens hat er in bescheidener Art seine Gemeinden geleitet und Kapläne geprägt.
Seit 1982 war er durch drei Amtsperioden Dekan des Dekanates Kreuzberg. Nach massiven gesundheitlichen Schwierigkeiten bat er 1999 um den Ruhestand. Als Wohnsitz für den Ruhestand fand er das Pfarrhaus von St. Johannes Evangelist in Berlin-Südende und konnte dort helfen. Nochmals musste er um¬ziehen, als er schwächer und pflegebedürftig wurde. Nun fand er liebevolle Aufnahme im Karl-Steeb-Heim und wurde zudem von Frau Schröder weiter treu begleitet.

Seine ruhige und geduldige Art war ihm zeitlebens ein gutes Kapital für seine seelsorgliche Arbeit, in der er vielen einzelnen nachging. Obwohl der Tradition verpflichtet, war er für Neues offen. Immer war der Zigarren- und Pfeifenraucher freundlich und verbindlich. Gern hat er geschmunzelt. Die Gemeinde hat ihn geschätzt und Signal gegeben, ihn schon in seiner aktiven Zeit mit einem Ehrentitel zu bedenken; Gott wird ihm nun allen Einsatz lohnen. – Auch für seine Aufgabe als Dekan, nämlich die Zusammenarbeit und die brüderliche Gemeinschaft der Mitbrüder zu fördern, kam Eberhard Blessing sein Naturell zu Hilfe. Hier soll aus jener Zeit der Mittwochs-Mittagstisch der Kreuzberger Geistlichen bei „Mate“ am Blücherplatz erwähnt sein.

Aus dem bescheidenen Dankbrief des Jubilars nach dem 40. Priester¬weihe¬jubiläum eignen sich einige Zeilen wohl im Sinne des Verstorbenen auch, als Dank an seinem Lebensende zu stehen: „Treu ist Gott, durch den ihr berufen worden seid zur Gemeinschaft mit seinem Sohn Jesus Christus, unserem Herrn. (1 Kor 1,9) – … Ich habe Gottes Treue erlebt, ich habe sie selbst erfahren, eben als Gottes Treue zu mir. … Ob verdient oder nicht, ob Treue gegen Treue: Gott war mir treu durch all die Jahre, und das ist eine beglückende Erfahrung.“

Das Requiem für unseren verstorbenen Mitbruder wird am Donnerstag, dem 28.02.2013, um 11:00 Uhr, in der Kirche St. Fidelis, Röblingstr. 91, 12105 Berlin, gefeiert; die Beerdigung erfolgt anschließend dort auf dem St. Matthias-Friedhof.
R. i. p.

Im Gebet verbunden und mit herzlichen Grüßen
Msgr. Dr. Karl-Heinz Hoefs

Unsere Gemeinde dankt Pfarrer Blessing für seinen Dienst. Er hat zum Lob Gottes und zum Heil der Menschen in unserer Gemeinde gewirkt. Möge Ihm Gott alles Gute zum Segen anrechnen und alles Vorläufige legen wir ihn Gottes hand zurück.

Für die Gemeinde
Pfr. O. Cornelius