St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

A Dieu - Pfarrer Eric Godet verabschiedet sich

07.02.2014 / Redaktion

Nach der Entscheidung unseres Erzbischofs, Kardinal Woelki, werde ich ab 1. Fe­bruar 2014 „i.R.“: in den Ruhestand“ eintreten, oder, wie ein Ruheständler in Vorpommern es übersetzte: im Rennen, so zahlreich sollen die Aktivitäten sein, die mich beschäftigen werden – oder nach dem Wort einer Person, die mich gut kennt: „in Unruhe“. Aber der Gedanke, dass ich mich von euch verabschieden soll, ist mir besonders peinlich. Sicher rechnete ich damit, aber ich finde mich mit einem höheren Willen konfrontiert, und folge nicht der Entscheidung meines eigenen Willens. Diesen Umbruch anzunehmen geht nicht ohne Kampf: Gefühle und Vernunft lehnen sich auf, und es bedarf mir Glaubenskraft, um in die Ruhe der Seele zu finden.

Doch jetzt will ich mich bei Gott bedanken für die vielen Gnaden im Lauf der sieben Jahre, die ich als Kaplan in der Pfarrei St. Bonifatius verbracht habe. Ich wurde von euch wohlwollend, sogar freundlich angenommen. Freundschaft vergeht nie. Dennoch habe ich euch oft durch mein Verhalten, meine Redeweise, noch mehr durch meine zu langen Predigten genervt. Noch einmal bitte ich euch herzlich, es mir zu vergeben. Ich wollte nur mit euch den ganzen Reichtum, die Schönheit, die Tiefe des Wortes Gottes, seine Vitalität, teilen, die ich jedes Mal entdecke und ich es mit Hilfe der Kirchenväter meditiere. Ich habe nie eure eigene Weisheit bezweifelt, aber bestimmte Gnaden können nur gegenseitig empfangen werden, durch diejenigen, die Gott in seiner Vorsehung nebeneinander gestellt hat. Wir haben Ende Januar für die Einheit der Christen gebetet, sollte es uns nicht führen, innerhalb der Pfarrei einander anzunehmen, uns zu lieben, so wie wir sind? Besonders weil Gott jeden von uns liebt, da er ist. Die Einheit der Kirche ist die Gemeinschaft der Heiligen.

Unter diesen Gnaden, die ich bei euch, durch euch, für euch bekommen habe, möchte ich schlagartige Intuitionen nennen, die meine Urteilskraft endgültig orientiert haben. Bei einem schönen Morgen ging ich aus, die Glocken läuteten den Engelsgruß; der Rat von Petrus in seinem 1. Brief wurde mir plötzlich einleuchtend, wie auf die auftauchenden Problemen zu reagieren ist: „Werft alle eure Sorge auf Ihn, denn Er kümmert Sich um euch. Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann. Leistet ihm Widerstand in der Kraft des Glaubens!“ Weder in dem Zwang der Gefühle, noch in der klugen Schlauheit, sondern in der Kraft des Glaubens! Bestehe der Mensch aus einem den Gefühlen unterworfenen Körper und aus dem Geist, Reich der Vernunft und der Einbildungskraft, sollen ja beide, Gefühle und Vernunft, durch den Glauben, Ausdruck der Seele, erleuchtet werden, damit sie ihre vollkommene Entfaltung und ihre höchsten Auswirkung erreichen.

Ohne Glauben erreicht keiner die Gestalt Christi, der alles in allen sein will, wovon die gelebte Erfahrung der Liebe beweist: Gott liebt mich bedingungslos, wenn auch als ein Sünder. Hätte Christus mich von der Macht der Sünde nicht befreit, wäre ich gezwungen nach meiner Art zu leben, so als gäbe es keinen Gott. Jesus beteiligt uns an seinem Tod und seiner Auferstehung, bis uns seinen Vater als unseren Vater zu geben, in der Macht des Heiligen Geistes. Ein Getaufter hat nichts Anderes zu verkünden als dieses ewige und absolute Vorhaben Gottes: sein Geschöpf auf seine Ebene zu erheben, ihm Teil an seiner eigenen ewigen Seligkeit zu geben. Möge jeder von uns mit Paulus sagen: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündige!“

Zu oft haben wir ein falsches Schamgefühl anzuerkennen, dass Gott in unserem Leben oder dem von Anderen gewirkt hat, sei er Katholisch oder nicht, wie der Papst es am 23. Januar gesagt hat. Diese Bewunderung vor der Güte Gottes steht ja an der Wurzel des Ökumenismus im Akt. Deshalb können wir die „gemischte Ehe“ als ein von Gott ausgewähltes Mittel zur Einheit der Kirche betrachten. Denn die Liebe, die Gott für jeden Ehepartner hat, im Hinblick auf ihrer gegenseitigen Heiligung, geht durch die Einheit des Fleisches und der Seele der Gatten, die diejenige des mystischen Leibes Christi – der Kirche – im Keim widerspiegelt. Der Herr ist es, der seine Kirche wieder erbaut, aber weder ohne unsere Billigung noch Mitwirkung.

Jesus hat nicht nur gewollt, seinen Vater als unseren Vater zu offenbaren, sondern er hat uns auch die Mutter, aus deren er Fleisch genommen hat, Maria, zu unserer Mutter gegeben. Deshalb lasst uns weder falsches Schamgefühl noch Furcht haben, alles von ihm durch Maria zu bitten und zu empfangen!

Erhaltet immer Vertrauen unserem Pfarrer, der, als ein neuer Bonifatius, sein Leben für euch stellt, indem er sich und euch mit dem Buch des Gotteswortes schützt. In meinem Nachfolger, An­drea Ciglia, werdet ihr einen treuen Freund finden, der euch besser verstehen wird, als ich es je konnte. Liebt einander noch mehr als ich euch geliebt habe!

Liebt einander noch mehr als ich euch geliebt habe!
Eric Godet (Pfr. Prof. Dr.), Ihr Bruder