St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Brauchen wir Gott noch?

01.02.2015 / Redaktion

Die Attentäter von Paris be­zogen sich auf den Islam, die Demonstranten von Pegida wollen angeblich das christliche Abendland verteidigen. Wäre die Welt ohne Religion friedlicher? Der Atheismusforscher Carsten Ramsel von der Universität Bern sagt: „Das ist zu simpel gedacht, zu behaupten, es gebe eine monokausale Beziehung zwischen Religion und Gewalt. Pegida wird vor allem von starken Ressentiments gespeist gegen alles, was anders ist. Das hat nichts mit Religion zu tun. Und die Attentäter wendeten zwar aus religiösen Motiven Gewalt an, aber solche Leute sind die Ausnahme. Die meisten Muslime fanden die Anschläge von Paris genauso furchtbar wie Sie und ich!“ Aber welche Funktion hat die Religion noch? „Auf persönlicher Ebene werden wir immer wieder mit den Unwegsamkeiten des Lebens konfrontiert. Darauf gibt unter anderem Religion eine Antwort. Aber nicht nur sie. Eine andere Möglichkeit ist zum Beispiel die Kunst, da gibt es auch Ausdrucksformen, die dazu beitragen!“ so Ramsel. Die Frage stellt sich dann, ob Religion also doch überholt ist? Für den Religionskritiker Ramsel ist sie überholt, wenn er schreibt: „Sie hat lange eine Erklärung geliefert, was die Welt ist und was der Mensch. Das haben die Naturwissenschaften übernommen. Auch beim Thema Ethik brauchen wir Religion nicht mehr!“

(Quelle: Anika Kreller; Web.de, 15. Januar 2015)

Ist Religion nur ein Erklä­rungsversuch für die Zusam­menhänge der Welt und den Menschen – so frage ich? Wie würden wir Religion beschreiben? Das bedeutet mir Religiosität in meinem konkreten Alltag? Und genau mit dieser Frage verlassen wir den Rahmen eines Erklärungsversuches für die Zusammenhänge meines Lebens. Der Theologe Karl Rahner sagte einmal: „Der Mensch ist unhaltbar religiös!“ und meint damit, dass Religion eine Anlage des Menschen ist. Eine Sehnsucht, ein Gefühlt für Transzendenz, eine Ahnung in uns grundgelegt. Zur eigenen Ganzheitlichkeit gehört denn auch, dass wir dieser Anlage in uns Rechnung tragen. Zu dieser Anlage kommt hinzu, dass Gott nicht nur eine Idee ist, sondern ein Beziehungsgeschehen, für den erfahrbar, der sich dafür öffnet. So entzieht sich das Phänomen „Glauben“ eines reinen Erklärungsversuches dieser Welt und meines Lebens. Gleichzeitig weitet es aber den Horizont dieser Welt und des Lebens, und das gibt Sicherheit und Orientierung.

Pfarrer Cornelius