St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Kirchenmusik in der St.-Johannes-Basilika

01.02.2015 / Redaktion

Natürlich können wir nicht konkurrieren mit anderen Gemeinden, da wir eine so kleine Gemeinde-Gruppe sind, aber Alles in Allem hat sich auch bei uns neben der hochqualitativen Orgelmusik einiges an Kirchenmusik etabliert, auf das wir mit Recht stolz sein können.

Da ist zum einen die in­zwi­schen tatsächlich „uralte“ Tradition der Freitagabend-Anbetung, inklusive Lobpreis.
Das läuft folgendermaßen: nach der Freitagabendmesse um 19 Uhr, die normalerweise vor dem Josefsaltar zelebriert wird, stellt sich das Lobpreisteam ein und bereitet vor: eine Projektionsleinwand, einen Beamer, die Meditationsschemel sowie Teppiche und Decken. Zwischen 20.15 und 20.30 Uhr beginnt die Anbetung und dauert in der Regel 90 Minuten. Wenn ein Geistlicher vor Ort ist, wird das Allerheiligste in einer Monstranz ausgesetzt, ansonsten öffnet eine Gottesdienstbeauftragte den Tabernakel und das Allerheiligste zeigt sich klein und fein in einem Ostentatorium. Allerdings gibt es leider inzwischen auch schon mal Abende, an denen der Tabernakel geschlossen bleiben muss mangels „geistlichen Personals“. Das ist zwar traurig, schärft aber durchaus das Bewusstsein dafür, wie selbstverständlich wir doch normalerweise unsere katholischen Gepflogenheiten leben können, und dass das tatsächlich auch in unseren Breitengraden vermutlich nicht so ohne weiteres auf diesem Niveau weitergehen wird. Also ist Einsatz gefragt! Die Lobpreisgruppe musiziert unter wöchentlich rotierender Leitung mit Gitarrenmusik und Gesang, wobei es mehrere 20-minütige stille Gebetszeiten gibt. Die letzten 20 Minuten der Anbetung kann man schließlich vor dem Altar für sich beten lassen, von einem Geistlichen oder von erprobten Fürbittern. Meist endet der Lobpreis, der übrigens im Altarraum bei Kerzenlicht stattfindet, mit dem eucharistischen Segen.

Wir sind nun seit einigen Jahren ein Lobpreisteam, das aus einer Gruppe von Leuten besteht, die im Laufe der Jahrzehnte aus der ganzen Stadt zusammengekommen sind. Viele davon noch aus der Gruppe „Monte Crucis“, (gegründet von dem Jesuitenpater Hubertus Tommek), vor 35 Jahren die Anbetung in der St.-Johannes-Basilika ins Leben gerufen hat. Hubertus Tommek ist über die Stadtgrenze hinaus bekannt wegen vieler geistlicher Lieder, die aus unserem charismatischen Liedgut nicht mehr wegzudenken sind. Er selber ist inzwischen nicht mehr fit genug, aber viele aus seinem Gebetskreis schätzen unsere Anbetung immer noch und kommen – vielleicht nicht mehr so regelmäßig, aber immer wieder mal – in die JOBA.

Natürlich hat sich auch, unabhängig davon, der Personenkreis um die Anbetung erweitert und verändert und Gemeindeglieder des Pfarrverbundes St. Bonifatius, zu dem wir JOBA-Menschen gehören, sind sowieso dabei.

Ich lade die geschätzte Leserschaft herzlich ein, diese traditionsreiche Anbetung zu besuchen. Sie werden begeistert sein, diesen katholischen Schatz zu entdecken! Wir sind dankbar für alle, die mitsingen und mitbeten, vielleicht auch instrumental mitmachen und/oder bei der Vorbereitung und beim Abbau helfen. Das ist das eine –

Das andere ist das kleine A-cappella-Chörchen, das sich in den letzten Jahren mit und um Daniel Reitebuch gegründet hat. Die anfangs sehr kleine Gruppe ist aus dem Anliegen entstanden, die Sonntagsmessen a cappella mit mehrstimmigen meditativen Weisen abzurunden. Den Anfang machte ein ostkirchlicher Hymnus. Mit den stets kurzen, aber doch häufigen und oft auch spontanen Auftritten wuchs das Repertoire rasch an. Bald gesellten sich auch Sänger aus der polnischen Missionsgemeinde und Freunde der polnischen Sprache dazu und es entstand die Idee, eine spirituelle Brücke zwischen den polnischen Christen und uns zu bilden, indem wir auch polnisches Liedgut in unser Repertoire aufgenommen haben. Leider ist es eher schwierig, in die polnische Liturgie Einlass zu finden, aber solche Gesänge als Schlusslied nach unseren Sonntagsmessen lassen den einen oder anderen polnischen Kirchenbesucher bestimmt schon mal aufhorchen.
Unsere Sängergruppe organisiert sich ziemlich basisdemokratisch und offen. Wir haben seit etlichen Monaten jeden Donnerstagabend im Maria-Ursula-Haus (MUH) ab 18.30 Uhr Proben, in denen wir entweder anspruchsvolle Chorliteratur für spezielle Anlässe üben und/oder überlegen, was wir am jeweils kommenden Sonntag singen wollen. Das hängt natürlich auch davon ab, wer gerade da ist und welche Anliegen formuliert werden. Manchmal haben wir als Highlight eine junge polnische Opernsängerin mit dabei, manchmal singen wir nur zu dritt ganz einfache schöne Weisen und wieder zu anderen Situationen kommen Menschen aus anderen Chören dazu, um mit uns z.B. die Bachfuge „Psallite“ zu singen. Ein musikalisches Herzensanliegen einiger von uns ist die sakrale, polyphone Renaissancemusik von Palestrina, für die wir aber noch mehrere sichere Stimmen brauchen.

Uns liegt sehr der spirituelle Zusammenhalt am Herzen, Singen als doppeltes Gebet sozusagen. Aber auch der spontane Einsatz als normaler Bestandteil der Liturgie ohne großes Aufhebens ist ein Charakteristikum von uns.
Wenn sich jemand vom Singen als doppeltes Gebet angesprochen fühlt, kann er sich uns gerne anschließen. Und – wie gesagt – wir brauchen für die geplanten Palestrina-Stücke noch mehrere sichere Stimmen. Wir freuen uns auf Verstärkung!

Elfie Anneser