St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Gen Himmel

Haupt- und Ehrenamt im Pastoralen Raum: Mitarbeiter in Haustechnik & Verwaltung

Andreas Eckhardt / CC BY 2.0

02.02.2019 / Redaktion

In dieser Rubrik stellen wir Ihnen Menschen vor, die sich haupt- oder ehrenamtlich in unserem zusammenwachsenden Pastoralen Raum betätigen. Im Winter 2018 haben wir diesmal mit hauptamtlichen Mitarbeitern gesprochen, die zum technischen Personal zählen, deren Gesichter in den Gemeinden daher eher unbekannt sind. Ihre Arbeit im Hintergrund ist umso wichtiger: Wir danken Liegenschaftsverwalter Peter Krüger aus St. Marien Liebfrauen, Hauswart Andreas Eckhardt aus St. Bonifatius, Verwalter Matthias Kohl aus Herz Jesu und Verwaltungsleiter Oliver Wüstling aus St. Hedwig für die Gespräche. Seit dem 1. Dezember 2018 gibt es außerdem einen neuen Verwaltungsleiter unseres gesamten Pastoralen Raumes: Peter Mergenthal.

Krüger Krüger/ ©Marlen Bunzel
Herr Krüger, worin besteht Ihre tägliche Arbeit?

Krüger Mein Arbeitsalltag ist different. Zu 50 Prozent arbeite ich an dem was planungsmäßig zu tun ist, die anderen 50 Prozent kommen spontan auf die Tagesordnung, z. B. ein Anruf von Mietern oder aus der KiTa, wenn etwas defekt ist. Meine Hauptaufgabe ist die Verwaltung der Immobilien von St. Marien Liebfrauen und St. Michael (Kreuzberg), dazu gehören die Kirchen, Mietwohnungen und Gewerbeflächen, etc.; die Friedhöfe haben eine eigene Verwaltung. Ich bin verantwortlich für Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen in Bau und Technik (Planungen, Kostenkalkulationen, Preisverhandlungen, Auftragsabwicklungen), für die Mietverträge, für die Einhaltung von Dienstleistungsverträgen, für die digitale Verwaltung und für einiges mehr. Ich packe auch selbst praktisch mit an, z. B. in diesen Tagen, wenn es um das Aufstellen der Weihnachtsbäume und Krippen geht.

Seit wann üben Sie diese Tätigkeit aus? Gab es seitdem erwähnenswerte Veränderungen?

Anfang 2005 begann ich in Marien Liebfrauen, die Gebäudeverwaltung lag ziemlich brach. Durch meine Erfahrung aus der freien Wirtschaft hat sich mein Aufgabengebiet schnell erweitert: Zuerst habe ich die Grundlagen für die Verwaltung entwickelt; Hausmeistertätigkeiten wurden an externe Firmen übertragen und öffentlich geförderte Mitarbeiter/innen beschäftigt. In mehrjähriger Arbeit habe ich die Verwaltung ausgebaut und auf die digitale Ebene überführt. Eine anspruchsvolle Aufgabe die sich gelohnt hat. Es ging mir darum, die Immobilienverwaltung für die Zukunft tragfähig zu machen.

Mit welchen besonderen Herausforderungen sind Sie konfrontiert?

In Marien Liebfrauen gibt es in meinem Arbeitsbereich keine anderen Mitarbeiter außer mir. Ich bin gewohnt, allein zu arbeiten und tue das auch gern, aber dennoch fehlt gelegentlich Unterstützung und auch kollegialer Austausch oder fachliche Resonanz. Auch eine Reflexion (mit Pfarrer oder KV) könnte öfter stattfinden, meistens bleibt dafür wenig Zeit, weil schon Neues ansteht. Des Weiteren sind die Themen meines beruflichen Alltags nicht selten negativ besetzt: Es geht viel um Mängel und Gewährleistung, Leistungsnachforderungen, ich muss sehr vieles durchsetzen. Privat sorge ich dann für Ausgleich.

Wirkt sich der pastorale Prozess auf Ihre Arbeit aus? Haben Sie Erwartungen oder Wünsche bzgl. des sich in Gründung befindenden Pastoralen Raumes?

Bislang hat der Zusammenschluss gar keine Auswirkungen auf meine Arbeit. Ich würde mich gern mit meinem Know-how in den Prozess einbringen. Nach 14 Jahren auf dieser Stelle habe ich einen recht guten Einblick in die Strukturen. Mir scheint, dass der Prozess noch sehr auf der pastoralen Ebene abläuft, die verwaltungstechnischen Belange werden dem verständlicherweise nachgeordnet. Vielleicht wäre es eine schöne berufliche Herausforderung, den Zusammenschluss auf der Verwaltungsebene professionell mitgestalten zu können.

Andreas Eckhardt ©Andreas Eckhardt
Herr Eckhardt, seit wann arbeiten Sie in St. Bonifatius und was tun Sie in Ihrem beruflichen Alltag?

Eckhardt: Seit 1998 bin ich nun als Hauswart angestellt. Zum Großteil meiner Arbeitszeit bin ich verantwortlich für die Instandhaltung der Wohneinheiten von St. Bonifatius, der andere Teil gehört der Gemeinde und ihren Räumlichkeiten, inklusive der Kirche selbst. Für beide Bereiche heißt das, dass ich sämtliche hausmeisterlichen Tätigkeiten übernehme, kleinere Reparaturen selbst erledige und für größere Reparaturen Firmen beauftrage. Es gibt aber auch Unterschiede zwischen beiden Bereichen: Unter den für die Gemeinde reservierten Teil meiner Arbeitszeit fällt mehr und mehr die Öffentlichkeitsarbeit. 2002 habe ich damit begonnen, den Internetauftritt für die Gemeinde zu erstellen. Seit 2016 habe ich mit dem wöchentlichen Newsletter-Versand begonnen. Diese Tätigkeiten am Rechner gehen weit über meine Arbeitszeit hinaus. Hier mischt sich Berufliches und Privates. Ich habe mich der Sache mit dem Internetauftritt aus eigenem Antrieb angenommen, aus Freude an dem Medium. Ich sitze gerne am PC, da kann ich mich entspannen. Da Herr Seidel von nun an nicht mehr den Pfarrbrief von St. Bonifatius layoutet und ich Freude am Gestalten habe, finde ich ab 2019 eine neue Herausforderung im Gestalten der Pfarrnachrichten.

Hat der pastorale Prozess bereits Auswirkungen auf Ihre Tätigkeit?

In Bezug auf die Öffentlichkeitsarbeit auf jeden Fall. Ich bin in der Raum-AG Öffentlichkeitsarbeit dabei, in der es um einen ersten gemeinsamen Pfarrbrief geht sowie um eine gemeinsame Homepage für den ganzen Raum. Ich kann mir auch vorstellen, dass es in Zukunft den Newsletter nicht mehr nur für Bonifatius geben wird, sondern für alle Gemeinden im Raum. In Bezug auf meine handwerklichen Tätigkeiten gibt es keine Veränderungen, da erwarte ich auch keine.

Gibt es denn besondere Herausforderungen, mit denen Sie als Hauswart konfrontiert sind?

Ja, aber nur saisonal bedingt. Der Winterdienst ist eine besondere Herausforderung für mich. Wenn es am Abend schneit, kann ich beruhigt schlafen gehen, denn dann weiß ich, was mich am nächsten Tag erwartet. Wenn der Schnee nur angesagt wird, lässt mich die Ungewissheit schlecht schlafen.

Haben Sie Wünsche für die Zukunft?

Ich wünsche mir mehr Mitarbeit und Austausch in der AG Öffentlichkeitsarbeit, zumal Frau Bunzel nun auch nicht mehr dabei ist. Ich habe sonst das Gefühl, zu sehr im eigenen Saft zu schwimmen. Soll heißen, die eigene Sicht auf die Dinge zum Maß der Dinge zu machen. Der Austausch von Ideen und Vorstellungen in einer Gruppe kann sehr erhellend für mich auf die eigene Sicht der Dinge sein.

Kohl Kohl/ ©Jacek Mleczko
Herr Kohl, seit wann arbeiten Sie als Verwalter in Herz Jesu und St. Adalbert?

Kohl: Als Verwalter bin ich seit Sommer 2007 angestellt, aber nicht ausschließlich. Zum größeren Teil bin ich als Pfarrsekretär angestellt (die Pfarrsekretär/innen bekommen demnächst eine eigene Interview-Reihe, Anm. d. Red.). Meine Tätigkeit in Herz Jesu begann aber lange vorher: Seit 1983 war ich Küster und Hausmeister nur für Herz Jesu. Als ab Anfang der 90er Jahre die Häuser anders verwaltet wurden, arbeitete ich mich bereits in diese Materie ein (Betriebskostenabrechnungen etc.). 2003 kam es zur Fusion von Herz Jesu mit St. Adalbert, in deren Zuge ich als Küster für beide Standorte blieb – bis zum Jahr 2007, seitdem es keine hauptamtlichen Küster mehr im Erzbistum gibt.

Was tun Sie als Verwalter?

Ich verwalte die sieben Gebäude, die zu Herz Jesu und St. Adalbert gehören, d.h. zwei Kirchen und fünf Häuser, davon zum Teil reine Mietshäuser, zum Teil reine Gewerbehäuser (KiTa, Studentenwohnheim, Büros). Ich tue das, was woanders die Hausverwaltung tut. Ich bin der Ansprechpartner für die Mieter/innen, ich kümmere mich darum, dass Reparaturen getätigt werden oder ich erledige sie gleich selbst, dafür bin ich mir nicht zu schade. Da ich schon in Herz Jesu getauft wurde und außerdem einige Jahre hier als Hausmeister gearbeitet habe, kenne ich so gut wie alles hier, jede Leitung, jede Sicherung. Dass ich selbst aus der Praxis komme, bringt viele Synergieeffekte mit sich. Letztlich wird durch mein Wissen auch wieder Geld eingespart, da ich schon vor Ort bin und oft gar nicht erst eine Firma rufen muss. Die Planung größerer Baumaßnahmen wie beispielsweise die Sanierung der Kirche übernimmt der Bauausschuss.

Welche besonderen Herausforderungen bringt Ihr Berufsalltag mit sich?

Ich kann mich nicht voll auf die Hausverwaltung konzentrieren, da ich zugleich Pfarrsekretär bin, aber dennoch habe ich zu allen Mietern einen sehr guten Draht. Eine besondere Herausforderung als kirchlich angestellter Hausverwalter sehe ich darin, einerseits vernünftig zu wirtschaften und gleichzeitig als Kirche ein menschliches Gesicht zu zeigen. Mir ist sehr daran gelegen, dass sich alle Mieter wohl fühlen, dass es nicht anonym wird, dass zu spüren ist: In diesem Haus atmet ein besonderer Geist!

Haben Sie Erwartungen oder Wünsche für die Zukunft, auch mit Blick auf unseren sich in Gründung befindenden Pastoralen Raum?

Ich wünsche mir sehr, dass es in puncto Verwaltung nicht zu groß und anonym wird, trotz aller Zentralisierung. Ich erwarte mir davon zwar Entlastung, aber gleichzeitig hoffe ich, dass die Mieter weiterhin gut betreut werden, dass sie weiterhin einen Ansprechpartner vor Ort haben. Einen Ansprechpartner vor Ort halte ich für sehr wichtig. Ich wünsche mir, dass die vorhandenen Kapazitäten und das Wissen vor Ort weiterhin genutzt werden!

Wüstling Wüstling/ ©Walter Wetzler
Herr Wüstling, seit wann sind Sie in St. Hedwig angestellt und was hat sich seitdem getan?

Wüstling: Im Oktober 2014 habe ich als Verwaltungsleiter der Kirchengemeinde St. Hedwig angefangen. Seitdem gab es jedes Jahr auch eine Veränderung meines Aufgabenbereichs, da sich unter anderem 2016 der Pastorale Raum Berlin-Mitte gegründet hat. Da stellte sich gleich die Frage, ob ich auch der Verwaltungsleiter des Raumes werden soll. Aber aufgrund der vielzähligen Aufgaben um St. Hedwig war schnell klar, dass es dafür eine andere Person geben muss; ich war 2016 also weiterhin als Verwaltungsleiter für das Dompfarramt sowie für die betriebswirtschaftliche Beratung der Friedhöfe von St. Hedwig zuständig und die Verwaltungsleitung für den Pastoralen Raum wurde extra besetzt. Nach Abschluss der Verhandlungen zur Eigentumsübertragung der Hedwigs-Kathedrale Ende 2016 habe ich dann 2017 Aufgaben zur Unterstützung der Verwaltung des Metropolitankapitels übernommen. Darüber hinaus kam auch der Bereich der Unterstützung des Kirchenvorstandes von St. Marien Liebfrauen bei der Bewirtschaftung der Michaels-Friedhöfe hinzu. Das Aufgabengebiet im Bereich der Unterstützung der Friedhöfe der Kirchengemeinden des Pastoralen Raums ist also bestehen geblieben. Hier fungiere ich als Bindeglied zwischen den Verwaltungsleitungen der Friedhöfe (Daniela Rehrl für St. Marien Liebfrauen und Galina Kalugina für St. Hedwig) und den Kirchenvorständen. Außerdem bin ich seit der Gründung der AGs im Raum (2016) Mitglied in der AG Finanzen, deren Koordination ich seit Mitte 2017 übernommen habe. Diese Aufgabe wird aber nach und nach in den Aufgabenbereich des neuen Verwaltungsleiters des Raumes, Peter Mergenthal, übergehen. Zusätzlich nehme ich außerdem an der AG Friedhöfe im EBO teil, die 2015 unter Prälat Stefan Dybowski als Zusammenkunft aller katholischen Friedhofsträger des Erzbistums Berlin gegründet wurde. Dort stellt der Pastorale Raum Berlin Mitte mit seinen sechs von insgesamt neun Friedhöfen im gesamten Erzbistum einen großen Anteil dar. In der AG wurde entschieden, dass ich in allen Pastoralausschüssen Berlins, auf deren Gebiet katholische Friedhöfe liegen, als Vertreter der Friedhöfe als Ort kirchlichen Lebens teilnehme (bislang nehme ich an vier von sechs betroffenen Pastoralausschüssen teil), damit die Friedhöfe dort als Orte kirchlichen Lebens vertreten sind und in den Überlegungen zu den künftigen Pastoralkonzepten Berücksichtigung finden können. Das klingt ja nach einem enorm komplexen Aufgabenfeld. Welche besonderen Herausforderungen können Sie bei all dem herausfiltern?

Es geht bei meiner Tätigkeit im Bereich der Unterstützung der Friedhofsträger im Pastoralen Raum insbesondere darum, die Ehrenamtlichen der KVs zu unterstützen. Denn ich berate zwar so viel und so gut wie möglich, gleichzeitig kann ich die KVs aber nicht aus ihren Entscheidungspflichten entlassen. Am Ende muss immer der KV entscheiden, nicht ich. Daher ist von beiden Seiten auf eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit zu achten, was bislang sehr gut funktioniert. Das ist auch eine wichtige Voraussetzung für die Umsetzung von KV-Beschlüssen, die ich nur dann glaubwürdig in die Wege leiten kann, wenn ich in beratender Funktion in die Entscheidungsfindung eingebunden war. Eine weitere Herausforderung ist die Verschränkung von seelsorglichen und verwaltungstechnischen Anliegen, zu der es regelmäßig kommt. Man kann nicht nur die eine oder die andere Seite der Münze betrachten, man muss bei Entscheidungen immer beide Seiten im Blick haben.

Haben Sie diesbezüglich Wünsche für die Zukunft?

Ich habe den Wunsch, dass Friedhöfe in der Pastoral als wichtiger Aspekt wahrgenommen werden. Sie sind als Orte, an denen Seelsorge stattfindet (z. B. bei Trauerfeiern und Trauerbegleitung), nicht zu unterschätzen. Dafür wäre es von Vorteil, die AG Friedhöfe dauerhaft strukturell im Erzbistum zu „installieren“, denn damit könnte sowohl die Verantwortung für die pastorale Begleitung der Friedhofsträger gewährleistet (derzeit durch Prälat Dybowski) als auch zugleich eine einheitliche wirtschaftliche Begleitung (durch einen Verwaltungsleiter) sichergestellt werden. Durch die sechs Friedhöfe im Verantwortungsbereich des Pastoralen Raums ergibt sich hier ein besonders großes Handlungsfeld, das unbedingt auch in der Zukunft Beachtungfinden muss.

Interviews: Marlen Bunzel