St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Kaplan Dr. Eric Godet stellt sich vor

© Photo & Design Studio Klam

26.03.2008 / Redaktion

Angekommen

"Aber Gott ist es, der das Herz jung macht"

Sie kommen, sie gehen – die Kapläne. Für sie ist die Pfarrei wie der Frühling: Kaum haben sie Zeit gehabt, sich an sie zu gewöhnen,müssen sie schon wieder weg. Es sind kalte oder feuchte oder sonnige Frühlinge, jeder aber bringt mit sich neue Blüten und Blätter, die Erfahrung eines neuen Anfangs. Dieses Jahr 2008, brachte das frühe Ostern einen alten Hasen als Kaplan nach Kreuzberg. Aber Gott ist es, der das Herz jung macht. Wer ist er denn, dieser Kaplan, dessen Akzent so besonders ist, dass man nicht weiß, ob er Franzose oder Pole ist? Einer der beweisen kann, dass "Gott auf krummen Zeilen gerade schreibt".

Jugendzeit

"…mein Wunsch sei "total romantisch.."

Ich bin in Paris zu Ende des 2. Weltkrieges geboren - von noch sehr jungen Eltern, die sich im Widerstand gegen die Nazis kennen gelernt haben und am Künstlerleben dieser Zeit teilnahmen. Sie waren auch auf Suche danach, sich als authentische Menschen zu verwirklichen, durch ehrliche geistliche Erfahrungen. Insbesondere mein Vater durch Judo oder orientalische Spiritualität. Deshalb hatten sie einen kritischen Respekt vor der Kirche. In der Montessori-Schule, die ich besuchte, bekamen wir Kunstgeschichtskurse schon ab der 1. Klasse. Das war mein Feld! Mit 10 Jahren bis zum Abitur, bin ich in einem Internat der französischen Oratorianer gewesen, in welchem ein Pater mich stark durch seine liebreiche Haltung und seinen Glauben geprägt hat. Er hat mich für die Geologie und die Naturwissenschaft begeistert, und überhaupt in meinen Glaubenskrisen zu Jesus durch die Betrachtung seines Erlösungswerkes am Kreuz zurückgeführt. Als ich noch nicht 16 Jahre alt war, starb mein Vater bei einem Flugzeugsunglück; dann sprach ich zu Gott: "Du hast mir meinen Vater weggenommen, jetzt sollst Du mein Vater sein." Tatsächlich hat der Herr seitdem mein Leben geführt, trotz mancher Rebellionen. Schon als Student dachte ich berufen zu sein, Priester zu werden. Nach langen Gesprächen mit dem Hochschulkaplan sagte dieser mir, mein Wunsch sei "total romantisch". Ich war ganz zufrieden, ein gläubiger Laie sein zu dürfen, und auch verrückt genug, um in Juni 1968 Steine zu werfen.

Ausbildung

"Ist Jesus auferstanden ?"

Ich habe Kunstgeschichte – mit Spezialisierung auf Archäologie des Nahen Ostens – an der Sorbonne und im Louvre-Museum studiert. Am Ende wurde ich in die französische Ecole Biblique zu Jerusalem gesandt. Da stellte der Herr meinen Glauben auf die Probe: Ist Jesus auferstanden? Welchen Beweis habe ich dafür? Wenn nicht, ist er nur einer der größten geistlichen Meister, aber kein Gott. Und die Menschheit ist nicht erlöst.

Auf der Suche

"Dann habe ich 16 Jahre wie ein Gottloser gelebt, der sich alles erlaubte, da man ja morgen sterben könne"

Als Archäologe wollte ich eine vernünftige Antwort und materielle Beweise, die es nicht gibt. Niemand hat mir damals gesagt, den Glauben im Gebet vom Heiligen Geist zu erflehen. Dann habe ich 16 Jahre wie ein Gottloser gelebt, der sich alles erlaubte, da man ja morgen sterben könne. Inzwischen wurde ich 1973 nach Äthiopien gesandt, als Experte im Kultur-Ministerium. Infolge der Hungersnot brach die Revolution aus. Ich habe mich in dieses Volk und seine Kultur, besonders in seine klassischen, christlichen Aspekte verliebt.

Auferstehung

"Einen Tag vor Weihnachten, ließ mich der Herr spüren: Ich bin der Gott der Lebenden, nicht der Toten"

Nach acht Jahren kehrte ich nach Paris mit großen persönlichen Problemen beladen zurück, so dass ich mit 40 Jahren mein Leben hoffnungslos am Ende sah. In dieser Krise betrat ich eine Kirche und rief dem Herrn zu: "Wenn es dich gibt, mach etwas für mich und meine Familie!" Einen Tag vor Weihnachten, ließ mich der Herr spüren: Ich bin der Gott der Lebenden, nicht der Toten (wie Jesus es über Abraham gesagt hatte). Wenn es so ist, dann ist Jesus lebendig; dann auferstanden, dann ist er Gott. Befreit von der Frömmigkeit und dem Materialismus – ich glaubte! Ich brauchte die christliche Gemeinde, um den Glauben wiederzuentdecken.

Auf dem Weg

"Damals war es nicht nach meinem Geschmack, aber es wurde meine Rettung"

Ein Freund, der Kaplan in meiner Pfarrei gewesen war und der als Erster Theologiekurse für Laien in Paris geschaffen hatte, empfahl mir, die Katechese für Erwachsene des Neo-katechumenalen Weges zu hören. Damals war es noch nicht nach meinem Geschmack, aber es wurde meine Rettung. Der Herr erweckte in mir wieder die Berufung zur Nachfolge, so dass ich am 21. Oktober 1991, nachdem ich meine Doktorarbeit im Stich ließ, in Berlin mit Fernando Yago und zwanzig anderen jungen Männern ankam, um nach dem Willen von Kardinal Sterzinsky die Grundsteine des Internationalen Seminars "Redemptoris Mater" in Berlin zu legen. Nach zehn Jahren Studien in Berlin und Rom und einer Ausbildung zur Mission in Äthiopien, Madagaskar und den Seychellen, wurde ich am 30. November 2001 in der St.-Hedwigs-Kathedrale gemeinsam mit Fernando Yago als Priester geweiht.

Stationen

"DEO GRATIAS!"

Ich bin Doktor der Archäologie seit dem 26. Mai 2004 (am Tag von St. Philipp Neri, dem Gründer der Oratorianer). Ich wurde Kaplan in Britz ("Bruder-Klaus"). Karlshorst ("St. Marien"). Drei Jahre in Taucha bei Leipzig ("St. Anna"). Endlich nach elf Monaten in Greifswald ("St. Joseph") bin ich glücklich bei euch angekommen. DEO GRATIAS!

Dr. Eric Godet