St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Vom Bibelstudium

Bildausschnitt aus dem Prolog des Johannesevangeliums - Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott

11.03.2011 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
in der katholischen Kirche gibt es ein höchstglückliches Ereignis: seit 165 Jahren haben wir nur sehr gute und auch oft heilige Päpste bekommen. Nie vorher waren so viele auf solch eine lange Zeit. Und wer wird noch wagen zu sagen, dass Gott seine Kirche verlässt?!

Der heutige Papst Benedikt XVI. gründet seine ganze Lehre auf das Gebet, das er mit den zwei Flügeln der Schrifterforschung und der Liturgie, des Glaubens und der Vernunft, zum Herrn richtet. Mit seinen Predigten zur Fastenzeit will er uns auf Ostern vorbereiten, indem wir der Route der Kirche folgen, mit fasten, Almosen geben und beten.

So sagt er:

"Niemand fastet wahrhaftig, wenn er nicht weiß, sich mit dem Worte Gottes ernähren"

Schon am 30. 9. 2010 hat er das Nachsynodale Apostolische Schreiben Verbum Domini veröffentlicht. Wenn auch die Bibel eine Schrift ist, die man wie andere Werke wissenschaftlich erforschen darf, ist sie noch viel mehr: Die Bibel ist eine Sammlung, die mir von meiner Geschichte spricht und sie prophetischer Weise erleuchtet. Sie ist die Heilige Schrift, sie ist das Wort Gottes.

Der Papst betrachtet (§46):

»die Zentralität des Bibelstudiums im ökumenischen Dialog im Hinblick auf den vollkommenen Ausdruck der Einheit aller Gläubigen in Christus. Das gemeinsame Hören und Meditieren der Schrift lässt uns eine reale, wenn auch noch nicht volle Gemeinschaft leben, denn „das gemeinsame Hören der Schriften führt zum Dialog der Liebe und lässt den Dialog der Wahrheit wachsen“.
Gemeinsam das Wort Gottes hören; die lectio divina halten; sich überraschen lassen von der Neuheit des Wortes Gottes; unsere Taubheit für jene Worte überwinden, die nicht mit unseren Meinungen oder Vorurteilen übereinstimmen; hören und studieren in der Gemeinschaft der Gläubigen aller Zeiten – all das stellt einen Weg dar, der beschritten werden muss, um die Einheit im Glauben zu erreichen, als Antwort auf das Hören des Wortes«. Mit dem hl. Hieronymus: »Die Schrift nicht kennen heißt Christus nicht kennen«
.

Was ist denn die lectio divina? (§86-87) Ein betendes Lesen der Heiligen Schrift im Schoß der Kirche, das dem Leben des Lesers Sinn bringt: »Der Buchstabe lehrt die Ereignisse; was du zu glauben hast, die Allegorie; die Moral, was du zu tun hast; wohin du streben sollst, die letzten Dinge (die Anagogie)«.

Origenes: das Verständnis der Schrift erfordert nicht nur das Studium, sondern mehr noch die Vertrautheit mit Christus und das Gebet. So der hl. Augustinus: »Dein Gebet ist dein an Gott gerichtetes Wort. Wenn du [die Bibel] liest, spricht Gott zu dir; wenn du betest, sprichst du zu Gott

Die lectio divina kennt fünf grundlegende Schritte: Sie beginnt mit der Lesung (lectio) des Textes: Was sagt der biblische Text in sich? Dann folgt die Betrachtung (meditatio oder ruminatio) (das Wort »wiederkäuen«, wie eine Kuh das Gras), mit der Frage: Was sagt mir persönlich heute der biblische Text? Hier kann man die Ergebnisse gemeinschaftlich zusammenlegen, collectio.

Danach gelangt man zum Gebet (oratio), mit der Frage: Was sagen wir dem Herrn als Antwort auf sein Wort? Schließlich endet die lectio divina mit der contemplatio, in der wir Gottes Sichtweise annehmen in der Beurteilung der Wirklichkeit: »Welche Bekehrung des Geistes, des Herzens und des Lebens verlangt der Herr von uns? Die Kontemplation (bildet) in uns heran den »Geist Christi.«, denn Jesus von Nazareth, Abbild des unsichtbaren Gottes, ist, so zu sagen, der ,Exeget‘ Gottes, den niemand je gesehen hat. Die lectio divina ist nicht abgeschlossen, solange sie nicht zur Tat (actio) gelangt, indem der Gläubige den anderen aus Liebe sich hingibt. Diese Schritte finden wir in erhabenster Form in Maria zusammengefasst, die »bewahrte alles, was geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach«, und in jenen, die wirklich das Wort Gottes gelebt haben, also die Heiligen.

(§56) Die Sa­kramentalität des Wortes lässt sich so in Analogie verstehen zu Christus, der unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist: in solcher Weise ist er auch in dem Wort gegenwärtig, das in der Liturgie verkündigt wird. Deshalb spricht die Kirche von den zwei Altären des Wortes und des Sakramentes: der Ambo (Pult) und der Altar, worauf Gott seine Liebe offenbart.

Es gibt noch einen dritten Altar, wo die göttliche Liebe in der menschlichen Liebe sakramental zum Ausdruck kommt: das Ehebett.
But that is another story.

Pfr. Dr. Eric Godet, Kaplan der Pfarrei St. Bonifatius