St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Aus der christlichen Welt im Februar 2012

23.03.2012 / Entwickler

Weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit haben sich im November 2011 in einem Hotel am jordanischen Ufer des Toten Meeres Jesuiten und islamische Gelehrte auf Einladung von Prinz Ghase, einem Cousin von König Abdullah II. von Jordanien, zum zweiten Vatikanisch-Islamischen Forum getroffen.

Anfangs gab es gegenseitig Vorwürfe. So beklagte der Bischof von Abu Dhabi, dass sich seine winzige Gemeinde in Saudi-Arabien nicht einmal zum Beten treffen dürfe. Ein moslemischer Gelehrter konterte, dass das christliche Abendland das Morgenland 200 Jahre lang als Kolonie ausgebeutet habe.

Man beschränkte sich dann bei einer Folgekonferenz im Dezember in Wittenberg in Sachsen-Anhalt darauf, die Entstehungsgeschichten der Bibel und des Korans zu analysieren. Es gilt schon als Fortschritt, dass das überhaupt möglich ist. An dieser Tagung nahm auch einer der höchsten Gelehrten der Azhar-Universität, Mohammed Schamas, in Kairo teil. Auch das gilt als Zeichen der Hoffnung.

Weihnachten fanden im moslemischen Norden von Nigeria entsetzliche Bombenanschläge gegen christliche Kirchen statt. In Madalla in der Nähe der Hauptstadt Abuja explodierte eine Bombe vor der katholischen Kirche St. Theresa und tötete mindestens 27 Gläubige. Die Welt protestierte – jedenfalls die nicht-moslemische! – einschließlich vieler westlicher Regierungen und des Generalsekretärs der Vereinten Nationen.

Die islamische Sekte Boko Haram forderte ungeachtet dieser Proteste, dass Christen innerhalb von drei Tagen die nördlichen Provinzen Nigerias zu verlassen hätten. Das geistliche Oberhaupt der Moslems in Nigeria, der Sultan von Sokoto, bestritt, dass es sich um einen moslemisch-christlichen Konflikt handle! Er relativierte die Verbrechen auf die Formel, dass es Streitereien zwischen bösen Menschen gäbe!

G. Schmidt-Grillmeier