St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Gen Himmel

Buße ist Umkehr

01.03.2013 / Redaktion

Liebe Gemeinde,
die Fastenzeit heißt auch österliche Bußzeit und ruft damit bei vielen unterschiedliche Assoziationen hervor. Sie verbinden Buße mit Bußwerken, mit Trauer und Reue und Zerknirschung. Das deutsche Wort „büßen“ heißt eigentlich bessern; etwas besser machen, wiedergutmachen, wiederherstellen und heilen. Fastenzeit ist also eine Zeit, in der wir versuchen wollen es besser zu machen.

Ein anderer Ausdruck für Buße ist Umkehr.
Mit „umkehren“ übersetzt das deutsche Wort das lateinische „convertere = umwenden, verwandeln“. Es bezieht sich auf einen Weg, auf dem man wieder umkehrt. Wir gehen oft falsche Wege. Also fordert die Zeit vor Ostern einen neuen Weg in unserem Denken. Umdenken bedeutet, nicht mehr dem zu folgen, was ich will, sondern dem zu folgen, was Christus will.

Unsere Gesellschaft unterliegt weitgehend der Auffassung, die einem radikalen Subjektivismus gleichkommt. Ich bestimme selbst und gehe meinen eigenen Weg. Das führt nicht selten zu Konflikten, besonders dann, wenn der andere meinem Egoismus im Wege steht. Ganz zu schweigen von der Wahrheit, die im Sohn Gottes aufstrahlt und die uns durch seine Botschaft eine Richtung weist. Umdenken heißt dann: Bin ich bereit, eine Wahrheit, die außerhalb von mir existiert, anzuerkennen und ihr zu folgen?
Ich denke, dass das eine ganz wichtige Frage in Bezug des Glaubens ist. Glauben heißt Vertrauen. Das kann ich nur, wenn ich einen anderen akzeptiere und respektiere und seine Meinung für mich anerkenne.

In unserem Zusammenhang ist es Gott, der uns einen Weg weist. In diesem Sinn verstanden die alten Griechen den Begriff für Umkehr = metánoia. Für sie beginnt Umkehr im Denken. Der Mensch wird das, was er denkt! Deshalb gilt es, auf unsere Gedanken zu achten, wie weit sie uns krank machen, wie weit sie uns nach unten ziehen, hinein in Unzufriedenheit und Bitterkeit.
So eine metánoia kann geschehen, wenn wir es wagen, uns selbst in der Stille auszuhalten. Ich meine hier das Nachdenken über das eigene Leben.
Dann kann es vorkommen, dass das an die Oberfläche tritt, was lange unter den Teppich gekehrt und verdrängt wurde. Auch das Unterste muss angeschaut werden und einen angemessenen Platz im Leben bekommen. Deshalb empfiehlt die Kirche, besonders in dieser Zeit, ein Beichtgespräch zu suchen. Hier kann dann „convertere“ geschehen – Verwandlung! Gott schenkt uns die Gnade der Erlösung besonders im Sakrament der Versöhnung. Hier geschieht Erlösung vom Kreuz her. Wer Christus seine Schuld gibt, der erfährt in seinem Leben Befreiung und Erlösung. Und das ist in Wahrheit eine österliche Erfahrung. Verwandelt aufstehen können und einen wirklichen Neubeginn wagen.

Liebe Gemeinde, ich wünsche uns den Mut zu dieser Umkehr und die daraus folgende Erfahrung der Erlösung. Dann wird das Osterfest für uns nicht nur eine schöne Feier, sondern ein Erleben, dass uns ganz verändern wird!

Ihr Pfr. Cornelius