St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Erinnerungen an Pfarrer Eberhard Blessing

Pfarrer Eberhard Blessing

24.03.2013 / Redaktion

Zum Priester geweiht wurde er 1954 in der St.-Johannes-Basilika. Und seinen Dienst begann er für dreieinhalb Jahre am 1. Juni 1954 als Kaplan in St. Bonifatius. 1980 kehrte er zurück zu seiner „ersten Liebe“ und wurde für 19 Jahre Pfarrer unserer Gemeinde.

Als langjährige Mitarbeiterin wurde ich 1999 zu seiner Verabschiedung in den Ruhestand gebeten, etwas zu sagen. Vielleicht ruft diese Rede von damals einige Erinnerungen wach. Hier also einige Erinnerungen aus 18 Jahren Zusammenarbeit:

Ich habe sie sorgfältig geordnet, und zwar von A-Z, so dass sie in dieser Hinsicht eine gewisse Vollständigkeit aufweist, aber nur in dieser Hinsicht. Und was die Ordnung betrifft, so bezieht sie sich auch nur auf das Alphabet.

A wie: Anfangen und Abschied
Hier in St. Bonifatius hat Ihr priesterlicher Dienst begonnen. Und heute feiern wir Abschied, nicht nur von Boni, sondern aus dem Berufsleben. Aber, keine Sorge, es wird nicht langweilig! Sie werden sicher mit Aushilfediensten viele Pfarrer und Pfarreien glücklich machen.
B Bonifatiuskirche
Sie mögen diese Kirche sehr. Noch letzten Sonntag beim „Tag des offenen Denkmals“ haben Sie gesagt: Die Kirche vermisse ich sehr.
C Cevapĉiĉi
genossen beim regelmäßigen Mittwoch-Mittagessen der der Priester des Dekanates beim bei Mate im Splitgrill am Blücherplatz.
Einmal haben sie Ihnen das Leben gerettet. Mit Herzinfarkt kamen Sie direkt von dort ins Joseph-Krankenhaus.
D Dekan von Kreuzberg
- hört sich fast adelig an – war aber sicher ein Amt mit mehr Last als Lust.
E Eintopf
ist eines Ihrer Lieblingsgerichte – und Sie haben sicher inzwischen eine ungeheure Fertigkeit im Dosenöffnen erworben.
F Freiheit
Freiheit ist immer die Freiheit der anderen! Ich bin dankbar für die Freiheit, die sie mir und vielen anderen hier eingeräumt haben.
G Gemeindereisen
Erinnerlich ist sicher allen Teilnehmern einer Israel-Reise ein wunderbarer Gottesdienst in der Negev-Wüste. Ungeniert nahm unser Pfarrer bei der Weiterreise aus dem Hotel alles mit, was er brauchte: ein Weinglas, einen kleinen Teller, eine Serviette als Altardecke für den großen Stein, Brot, usw. – Und die wunderbare Heilung auf der Irlandreise von den Gehbeschwerden. Auf Giant's Causeway, der Straße der Riesen, ging's wieder ohne Stock. War es der hl. Patrick oder der Whiskey? --
H Hören
Auch nicht so gutes Hören kann Vorteile haben – ist aber meistens sehr anstrengend.
I Interesse
im wahren Sinne des Wortes „dabei sein“ - bei den Menschen sein – Anteil nehmen am Schicksal der Kranken, am Wohlergehen der einzelnen und an der Freude der Feiernden.
J Johannes
heißt Pfarrer Blessings kleiner Großneffe, ein helles Kerlchen, dass viel Anlaß zur Freude gibt mit seinen Reden. - Ist da vielleicht ein kleiner Anteil vom Großonkel drin?
K Krankheiten
davon hat er reichlich, und auf Befragen spricht er auch davon. Ich habe ihn aber nie klagen hören im eigentlichen Sinn. Und es war auch nicht möglich, ihn daran zu hindern, seinen Dienst trotzdem zu versehen.
L Langsamkeit
Nun erwarten alle das Stichwort „Langsamkeit“, aber mein Stichwort heißt „Leidartikel“ - mit „d“ geschrieben. Jeden Monat war ein Artikel fällig – und manchmal noch ein zusätzlicher für das Informationsheft.
M „Monsignore“
fiel mir zuerst ein, weil er es fast schonmal geworden wäre auf Antrag der Pfarrgemeinderats-Vorsitzenden zu seinem 40-jährigen Priesterjubiläum. Aber, ich habe mich für Marmelade entschieden, weil es zum Frühstück nichts anderes sein darf – wohl nach dem Motto: Die Wissenschaft hat festgestellt, dass Marmelade Kraft enthält.
N Nomen est Omen
Blessing heißt Segen – einen passenderen Namen für einen Priester kann man sich gar nicht ausdenken.
O Ordnung
ist das halbe Leben: Einkaufen freitags um 10.30 Uhr
ab 15.30 Uhr nachmittags wieder zu sprechen -
zum Nachmittagskaffee genau zwei Tassen -
Pfeifereinigen vor dem Schlafengehen - usw. usw.
P Pfeife
ganz wichtig zum Entspannen – und wohl auch zur Freude der „Mitraucher“. Als mal eine neue Tabaksorte ausgewählt werden sollte, mußten wir bei der Kaffeerunde proberiechen. Bei P ist mir natürlich auch das Petruswerk eingefallen. Aber … lassen wir das!
Q Quellen
Aus welchen „Quellen“ unser Pfarrer lebt, kann man aus den Predigten heraushören.
R Rotwein
Italienisch sollte er nach Möglichkeit sein und trocken – so trocken wie manche seiner Redensarten!
S Sauberkeit
Denken Sie an das Reinigen des Kelches beim Gottesdienst!
T Toleranz
Gegenüber Menschen mit anderen Meinungen, Ideen, Vorstellungen vom Gemeindeleben. - Toleranz, die so viel zulassen kann, dass es anderen schon fast zuviel erschien.
U Unermüdlicher Arbeiter
Bis in die Nacht hinein – und auch manchmal, um andere nicht mit Arbeit zu belasten.

V Verständnis für die Nöte und Sorgen der Menschen, für Sünder und Großtuer und besonders für Menschen, die lange der Kirche fernstanden.

W Wohnungsvermietung
Wer bekommt bei den vielen Bewerbungen und der so lange herrschenden Wohnungsnot die freigewordenen Räume? - Entscheidungen, die nicht leicht fielen und die Sie sich auch nicht leicht gemacht haben. „Ein Horror“ haben Sie mal gesagt.
X x-beliebig austauschbar
ist er als Persönlichkeit sicher nicht – eher sind Anlagen zum Original vorhanden.
Y Yorckstraße
Hier wäre er gerne wohnen geblieben.
Z Zigarillos
Rauchte er nur, wenn für ein Pfeifchen die Zeit zu kurz ist. Vielleicht brauchen Sie sie in Zukunft nicht mehr!

Vielleicht charakterisieren diese Ausführungen ein wenig eine Persönlichkeit – einen Priester, der unserer Gemeinde ein guter Pfarrer war, dem sicher viele Menschen dankbar sind. Noch lange hieß es „unser Pfarrer“, wenn nach seinem Weggang von ihm gesprochen wurde.

Die vielen guten Wünsche, die ihm mitgegeben wurden, haben sich nur in den ersten Jahren erfüllt. In letzter Zeit vergaß er immer mehr und erkannte dann auch seine besten Freunde nicht mehr.

„Gestorben ist er schon lange“ sagte Weihbischof Heinrich in seiner Ansprache beim Requiem. In der Todesanzeige heißt es „Am 18. Februar 2013 hat Gott seinen treuen Diener in das unendliche Licht seiner Auferstehung genommen“.
Am 28. Februar haben ihn viele Menschen – Mitbrüder, Verwandte, Freunde und Gemeindemitglieder zu seiner letzten Ruhestätte, dem Grab der Pfarrer von St. Bonifatius, an der 3. Kreuzwegstation auf dem St.-Matthias-Friedhof begleitet.

Ruth Krebs
Gemeindereferentin i.R.