St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Zum Amtsverzicht des Heiligen Vaters

01.03.2013 / Pfarrer Cornelius

Wir erinnern uns noch an seine Wahl im Jahr 2005. „Wir sind Papst“ hieß es damals in der deutschen Presse. Aber wie damals bei Jesus, wurde aus dem „Hosianna“ sehr schnell ein „kreuzigt ihn“, zumindest bei uns in Deutschland.

Papst Benedikt sprach im März 2009 von einer „sprunghaften Feindseligkeit“, die sein Pontifikat spätestens seit der Versöhnungsinitiative gegenüber den Piusbrüdern, beginnend jedoch schon nach seiner Regensburger Rede 2006 überschattete.
Die Sympathiewerte haben sich von zuvor 70 % auf die Hälfte dezimiert. Doch warum wurde er gerade in Deutschland so verkannt? Der Berichterstattung zu folge, könnte man meinen, dass sein Pontifikat nur aus Pleiten, Pech und Pannen bestand – als hätte es die tiefsinnigen Enzykliken, die von Christen aller Konfessionen anerkannten Jesus-Bücher, und die erfolgreichen Reisen in kirchenpolitisch schwierige Länder wie Großbritannien und Frankreich oder den interreligiösen Erfolg in der Türkei und im Libanon mit neuen Impulsen und philosophischen Debatten nicht gegeben. Ganz abgesehen von dem Zulauf und der Begeisterung der Weltjugendtage.

Könnte der Grund hierfür sein, dass es an der Themenstruktur der Medienbeiträge liegt, die weniger den Verkündigungsinhalt als den vermeintlichen Skandalen Raum geben? Ist es das Beharren auf traditionellen, biblischen Werten, das den Zeitgeist in Frage stellt, weil der Papst z.B. in seiner Enzyklika Deus caritas est nicht das Klischee einer leibfeindlichen Kirche bedient?

Oder liegt der Grund im allgemeinen Wertewandel der Gesellschaft, der der individualistischen Selbstverwirklichung alles unterordnet?

Viele sehen die Ursache auch in der rasant fortschreitenden Säkularisierung. Die Zahl Kirchenmitglieder schrumpften jüngst unter die 60 % Marke. Der Gottesdienstbesuch aller Kirchenmitglieder liegt unter 10 %. Der Bekennermut der Christen schwindet, selbst der von Bischöfen scheint sich bei angeschalteter TV- Kamera zu verflüchtigen.

Was auch der Grund sein mag, welche Widerstände Benedikt XVI aus seiner Heimat auch entgegenschlugen, hat er doch unbeirrt an seiner Berufung festgehalten und das Schiff Kirche souverän durch die Zeit gesteuert. Der deutsche Papst hat sich angesichts antikatholischer Ressentiments und antirömischen Affekts in den letzten acht Jahren wie ein Herkules für Glaube und Kirche ins Zeug gelegt. Er hat durch seine bescheidene, aber auch klare Art dem Bild des guten Hirten entsprochen.

„Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und gibt doch alles!“

Sagte er in seiner ersten Predigt als Papst. Mit seiner begnadeten, klugen und einfachen Rede von Gott und mit lächelndem Gesicht eines ehrlichen Zeugen für Christus, wird er in die Geschichte eingehen.

Pfarrer Oliver Cornelius