St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Toleranz – unser hohes Gut!?

27.03.2015 / Redaktion

Der Begriff Toleranz ist, mit dem Wort „Weltoffenheit“ zum Schlüsselbegriff unserer Zeit geworden. Doch was bedeutet es eigentlich, jemanden oder etwas zu tolerieren? Im Allgemeinen verstehen viele unter diesem Begriff ein Wohlwollen einer Meinung gegenüber, oder eine gewisse Sympathie. Das ist jedoch ein falsches Verständnis des Begriffes. Der Begriff Toleranz leitet sich aus dem lateinischen „tolerare“ ab und bedeutet ertragen/ aushalten. Demnach beginnt Toleranz da, wo ich etwas nicht teile oder verstehe, wo ich etwas nicht gut finde, denn es bedeutet Duldung. Toleranz ist die schwächste Form dem Fremden – sei es ein Mensch oder einer Sache – überhaupt eine Existenzberechtigung zuzubilligen. Dem gegenüber stehen die Akzeptanz und der Respekt. Bei der Toleranz ist die Verneinung der Ausgangspunkt, bei Akzeptanz und Respekt die Bejagung. Ich toleriere, weil ich nicht verstehe. Könnte ich verstehen, dann würde ich akzeptieren. In dem Fall würde ich sogar meine Lebensführung danach neu ausrichten, oder zumindest diese Meinung mit einbeziehen. Toleranz zu üben setzt hingegen nicht voraus, den Wert der tolerierenden Haltung zu hoch zu schätzen, dass man sie für sich selbst übernehmen will. Ich toleriere, ich ertrage das, was mir zutiefst fremd ist, solange es mich nicht in meiner personalen und biologischen Existenz bedroht. Das wäre selbst für die Toleranz eine Grenze. Ich respektiere hingegen eine Haltung, von der ich denke, sie reflektiere meine Grundhaltung wieder. Menschenrechte, Menschenwürde oder auch Religion. Die Toleranz hingegen ist in der Demokratie das, was der eigenen Haltung kritisch gegenüber steht, ohne sie gleich gut heißen zu müssen. Freiheit ist immer die Freiheit des anderen. So müssen Meinungen und Thesen immer dem Diskurs standhalten um mehrheitsfähig zu werden.

Wie geht nun Toleranz? Wie begegnet man Menschen, die etwas vertreten, das man für falsch hält? Die Antwort ist: im Dialog! Anders geht es nicht, jedenfalls in einer zivilisierten Gesellschaft. In der Bereitschaft zum Dialog zeigt sich schon Toleranz, die noch nicht das Tolerieren seiner Meinung beinhaltet, erst recht nicht akzeptiert. Es ist eine Ausgangsbasis – mehr nicht. Wie kann nun ein solcher Dialog gelingen? Zunächst müssen ein sachlicher Ton und eine Nüchternheit vorherrschen. Emotionale Vorbelastungen müssen zurückgestellt werden. Ein weiterer wichtiger Punkt ist, eine eigene Orientierung zu haben, wie z.B. die goldene Regel: „Alles, was ihr von anderen erwartet, das tut auch ihnen!“ (Mt 7,12) So eine ähnliche Regel gibt es in alles Religionen und kann als gute solide Basis für einen Dialog dienen. Zusätzlich hilft die goldene Regel die Toleranz in die Praxis umzusetzen, in dem die Gegenseitigkeit hervorgehoben wird, mit der Bekundung, sich in den anderen hineinversetzen zu wollen. Kurz: es geht um Empathie! Es wird nicht mehr Gleiches mit Gleichem beantwortet. Stattdessen durchbricht die empathische Haltung falsches Verhalten und ermöglicht eine neue Form des Umgangs, indem ich frage, wie hätte der andere gerne, dass ich ihn behandle. Der Grundgedanke der Toleranz ist Idee der gleichen elementaren Rechte des anderen, auch wenn ich seine Haltung und sein Verhalten ablehne. Die menschliche Würde und das Leben sind das Metaprinzip der Toleranz. Stehen für den anderen meine Würde und mein Leben zur Debatte, muss ich ihm gegenüber nicht tolerant sein. Gewalt darf keine Duldung erfahren! Auch die goldene Regel endet hier, weil bei einem Fanatiker jede Empathie fehlt. Aus christlicher Sicht ist jeder Mensch zu tolerieren, weil er eine Würde besitzt, die von Gott stammt – mehr noch, er ist Ebenbild Gottes. Das bedeutet aber nicht, dass das, was er sagt und wie er handelt, immer zu tolerieren ist. Beim Fanatismus ist hier eine klare Grenze zu ziehen. Dem entspricht auch die Jesuanische Haltung: „Liebe den Sünder, hasse die Sünde!“ Oder säkular gesehen: Toleriere jeden Menschen, aber nicht jedes Verhalten. (Vgl. Tagespost, Nr.23, S.9, Die hohe Kunst der Toleranz.)

Pfarrer Cornelius