St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Wo Glaube Raum gewinnt, wird es auch Veränderung geben

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31.03.2019 / Redaktion

Schon die alten Griechen wussten: πάντα ῥεῖ - alles fließt! Leben ist Bewegung und Veränderung. Wir mögen das nicht gerne, denn es bedeutet Anstrengung. Sich immer wieder auf das Neue einstellen. Bequemer ist das Gewohnte, das, was wir kennen, mit dem wir rechnen können. Veränderung kann ich nur abschätzen, in den seltensten Fällen berechnen. Deshalb reagieren Menschen skeptisch auf Veränderungen, selbst dann, wenn sie logisch geboten erscheinen.

Auch in unserem Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ beobachten wir eine solche Skepsis, die durchaus natürlich ist. Auch wir sind im Fluss der Veränderung in unseren Gemeinden, von der Selbstständigkeit hinein in eine neue Gemeinsamkeit. Und wie in jeder neuen Beziehung muss jeder etwas lassen und etwas Neues zulassen. Platz schaffen für die Ideen des anderen und sich auch selbst zurückzunehmen. An der ein oder anderen Stelle merken wir das, auch schon jetzt im Prozess hin zu einer neuen Gemeinschaft. In unserer Gemeinde wird es voraussichtlich zu einer großen Veränderung der Gottesdienststandorte geben.

Konkret geht es um die St.-Johannes-Basilika und deren Nutzung am Sonntag. An einem Klausurtag im letzten Jahr, sowie an zwei Gemeindeversammlungen am Standort haben wir uns zu diesem Thema Standort St.-Johannes-Basilika mit einigen Betroffenen Gedanken gemacht. Es wurden die Gründe von Seiten des PGR sowie des KV dargelegt, die sich nicht nur auf die zukünftige Machbarkeit der Finanzierung dieses Standortes beschränkten, sondern auch um die Ressource der zukünftigen Priesterstellen zur Feier der Gottesdienste in sieben Kirchen der Großpfarrei. Kompromisse wurden vorgeschlagen und werden aktuell überdacht und besprochen. So wird es sicherlich in diesem Jahr noch einige Gespräche geben. Und natürlich wissen wir um den Schmerz einer Veränderung gerade dann, wenn es um so etwas Sensibles wie den Sonntagsgottesdienst geht. Hierzu haben einige Gläubige unserem Erzbischof einen Brief geschrieben, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und um den Wert ihres Standortes zu beschreiben. Diesen Brief werden wir auf unserer Website (www.st-bonifatius-berlin.de) veröffentlichen.

In jedem Veränderungsprozess begegnen uns unterschiedliche Charaktere: Die einen können ganz gut damit umgehen, treiben durch viele und gute Ideen die Veränderung voran. Dann gibt aber auch die, denen es schwerfällt.

Das sind zwei Pole in einer Ellipse, daneben gibt es sicher noch zahlreiche andere Befindlichkeiten.
Wer schon einmal in einem solchen Prozess dieser Größenordnung war, versteht sicherlich, dass es für die verantwortlichen Akteure sehr schwer ist, immer alles im Blick zu behalten. Die Steuerungsgruppe bemüht sich sehr und ist offen für jede Idee und jede Meinung. Ihre Aufgabe besteht aber auch darin, eben zu steuern. Da braucht es dann und wann auch einmal kurze Entscheidungswege und Richtungsmaßgaben. Zu diesem Zweck hat sich auch unsere Steuerungsgruppe gebildet.
An dieser Stelle möchte ich einmal meinen Dank aussprechen. An alle, die sich immer wieder Zeit nehmen, um dieses große Schiff zu lenken. Danke aber auch für alle kreativen Ideen und Meinungen, die wir aus den AGs und Gemeinden erhalten.
Alles fließt, und manchmal haben wir das Gefühl, dass alles zerfließt. Da braucht es immer wieder die Rückbindung zu einer Basis. Wo kommen wir her, wo wollen wir hin? Dazu gab es einen Klausurtag des Pastoralausschusses, zu dem auch alle Mitglieder des PGR und KV aus den Gemeinden eingeladen wurden.
Aus meiner Sicht ein sehr gelungener Tag, weil mir persönlich wieder klar wurde, dass es einer „Draufsicht“, einer Sicht von außen, bedarf - einer Supervision. Modern können wir auch „Coaching“ sagen. So sind wir mit dem Team der Gemeindeinnovation in der Überlegung, ob wir sie mit in unseren Prozess holen. Ich bin gespannt auf das Ergebnis. Ungeachtet dessen möchte ich hiermit weiter motivieren, unseren Weg hin zu einer gemeinsamen Pfarrei zu begleiten. Mit Ihrem Gebet und Wohlwollen, aber auch mit Ihren Ideen. πάντα ῥεῖ - alles fließt! Leben ist Bewegung und Veränderung. Da es bedeutet Anstrengung. Ich bin überzeugt, dass sich diese Anstrengung lohnt. Hier geht es nicht um einen Kampf der Machtverteilung und des zukünftigen Einflusses, und wie viel jeder von sich und seinen Ideen durchsetzen kann, sondern um eine neue Gemeinsamkeit. Sicherlich in Unterschiedlichkeit und Vielfältigkeit, aber doch mit dem Wissen um den anderen und der neuen Verbundenheit.
Möge es weiter so sein.

Ihr Pfarrer Oliver Cornelius