St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Syrisch-Orthodoxe Kirche von Antiochien

28.04.2013 / Redaktion

Diese Kirche ist nach der Urgemeinde von Jerusalem eine der ältesten Kirchen überhaupt. Sie ging aus den christlichen Gemeinden der alt-syrischen Bevölkerung (nicht zu verwechseln mit dem heutigen syrischen Staatsvolk) hervor, deren Sprache bis heute das Aramäische ist – die Sprache Jesu. Es gibt es verschiedene Kirchen, die das Aramäische als Gottesdienstsprache benutzen und die Bibel wurde schon sehr frühzeitig in diese Sprache übersetzt (Latein des Ostens).

Der Mönch Jakob Baradai wurde im Jahre 542 von der oströmischen Kaiserin Theodora zum nominellen Bischof von Edessa (dem heutigen Şanlıurfa in der Türkei) ernannt. Baradai bedeutet „der Zerlumpte“, da er seine Laufbahn als asketischer Mönch begann. Im arabischen Raum werden die Anhänger Jakobiten genannt, was diese aber ablehnen.

Die Einigung der verschiedenen aramäisch-christlichen Gruppierungen blieb ihm versagt – gleichzeitig wurde er und die von ihm gegründete Kirche wegen der unterschiedlichen Definition der Natur Christi von der byzantinischen Reichskirche verfolgt. Baradai starb 578.

Die Eroberung durch den Islam bedeutete eine herbe Einschränkung für alle christichen Gemeinden – sie wurden geduldet, aber im Sinne der Scharia als Untertanen minderen Rechts zu hohen Sondersteuern gezwungen. Todesstrafe erfolgte bei dem Versuch, andere zur Konversion zum Christentum zu bewegen.
Es ist aber interessant, dass verschiedene Leibärzte der Kalifen syrisch-orthodox waren und auch berühmte Gelehrte im 9. Jh., die wegen ihrer Kenntnisse der altgriechischen Philosophen die arabische Philosophie prägten und diese wiederum später mit diesem Wissen die westliche Philosphie bereicherte.

Oberhaupt der heutigen Syrisch-Orthodoxen Kirche ist Seine Heiligkeit Patriarch Ignatius Zakka I. Iwas mit Sitz in einem Kloster bei Damaskus. Er hatte als Beobachter beim 2. Vatikanischen Konzil in Rom teilgenommen. Er traf neben Papst Paul VI. auch Papst Johannes Paul II. und besuchte einige Male Deutschland zur Einweihung von Kirchen in Paderborn, Augsburg, Warburg und Delmenhorst.

Das Verhältnis der Syrisch-Orthodoxen Kirche zur Römisch-Katholischen Kirche war in der Vergangenheit recht spannungsreich. Im 17. Jh. spaltete sich die Syrisch-Katholische Kirche – als mit Rom unierte Kirche - ab. Diese hat z. Zt. etwa 150.000 Glieder und das Oberhaupt Seine Seligkeit Mar Ignatius Joseph III. Youman hat seinen Sitz in Beirut.

Beim Völkermord 1915 an den Armeniern kamen außerdem etwa eine halbe Million syrisch-orthodoxer Christen um. Die Überlebenden suchen bis heute ihr Heil in der Auswanderung. Die Gemeinden in den Ursprungsländern haben nur mehr wenige Glieder – etwa in Syrien, dem Irak oder im türkischen Tur Abdin oder Mardin. In Indien gibt es ca. 3 Millionen Malankara Syrisch-Orthodoxe Christen (Thomaschristen). Durch die Fluchtbewegung aus den islamischen Ländern leben alleine in Deutschland ca. 100.000 Syrisch-Orthodoxe Mitchristen. Deren amtierenden Bischof ist Philoxenos Mattias Mayis und er hat seinen Sitz im St.-Jakob-von-Sarog-Kloster in Warburg.

In Berlin leben ca. 2500 Gläubige und sie haben ihren religösen Mittelpunkt in der St. Ludgeruskirche Potsdamer Str. 94. Sie beteiligen sich regelmäßig an ökumenischen Veranstaltungen, pflegen ihr christliches und kulturelles Erbe und haben die aramäischen Schriften ins Deutsche übersetzt. Ich habe einmal einen (sehr langen!) Gottesdienst erlebt, als ein Priester der indischen Thomaschristen (auf der Durchreise) den Gottesdienst auf aramäisch hielt, aber englisch predigte und das wurde dann ins Deutsche übersetzt.

Gerhard Schmidt-Grillmeier