St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Im Gespräch - die deutsche Botschafterin in Katar

31.05.2015 / Redaktion

Vortrag und Gespräch mit der deutschen Botschafterin in Katar, Frau Storz-Chakarji

Für die „Dienstagskultur“ im Gruppenraum des „Kreuzberger Himmels“ ist es gelungen, durch Vermittlung der Familie Schönfeld und von syrischen Bewohnern des Pfarrgrundstücks, eine hochrangige Gesprächspartnerin zu gewinnen. Ihre Exzellenz Frau Storz-Chakarji berichtete am 12.5.2015 abends von Ihrer Aufgabe in der Deutschen Botschaft in Katar und über das Land und die Situation in den Golfstaaten. Sie war, bevor sie Botschafterin in der katarischen Hauptstadt Doha wurde, mit der gleichen Aufgabe in Maskat, der Hauptstadt des Oman, tätig.

Katar ist ja durch den Sender Al Dschasira (Al Jazeera) bekannt und auch durch die geplante 22. Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Auch in Deutschland wurden die Arbeitsbedingungen der Kontraktarbeiter (zumeist aus Indien, Pakistan und Nepal) kritisiert. Diese stellen sogar die überwältigende Mehrheit der im Land lebenden Menschen dar, haben aber so gut wie keine Rechte. Die Botschafterin wies darauf hin, dass von den ca. 2 Millionen Bewohnern lediglich ca. 300.000 katarische Staatsbürger seien – was ein ungeklärtes Problem für die Zukunft darstelle.

Vor ca. 60 Jahren gab es in dem Wüstengebiet keine Straße – jetzt hat das Land wegen der Öl- und Gasvorkommen das höchste Pro-Kopf-Einkommen der Welt mit Steuerfreiheit und kostenlosem Sozialsystem für die Bürger – aber nicht für die Ausländer. Der Wasserbedarf wird ausschließlich durch Meerentsalzungs-Anlagen gedeckt.

Sie berichtete, dass in dem moslemischen Land, das den wahabitisch-sunnitischen Islam als Staatsreligion hat, Christen in einem Teil der Hauptstadt Kirchen der verschiedenen Konfessionen errichten durften. Es ist liberaler als das benachbarte Saudi-Arabien, aus dem diese Form des Islams stammt. Die Botschafterin hob hervor, dass es auffallend sei, dass viele Frauen das Recht zu studieren wahrnehmen – auch wenn sie in der Öffentlichkeit z. T. totalverschleiert auftreten.

Interessant war die Schilderung der vielfältigen Aufgaben der Botschaft. Auch fand sie Besuche von Parlamentariergruppen, oder wie unlängst die des Bundeswirtschaftsministers, für wichtig, da das dort als Würdigung des Staates angesehen werde. Das Land investiere in vielversprechende Industrien, z. B. im Volkswagen-Konzern. Der Emir war vor einiger Zeit zum Staatsbesuch in Deutschland – Bayern habe ihm besonders gut gefallen.

Ein spannender Vortrag in dem voll besetzten Raum mit interessiertem Publikum. Sie wich keinen Fragen aus und meine persönliche Meinung ist, dass ich hoffe, dass unser Land auch in anderen Staaten mit so qualifizierten Persönlichkeiten vertreten wird.

Gerhard Schmidt-Grillmeier