St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Durch die Renovierung unserer Kirche kraftvoll glauben

27.06.2014 / Redaktion

Wer das Apostolische Schreiben „Evangelii gaudium“ liest, wird feststellen, dass Papst Franziskus schon in den ersten Kapiteln von der Erneuerung des Glaubens spricht. Konkret für die Kirche gesprochen bedeutet das, die Dinge nicht so zu belassen, wie sie sind.
Sehr radikal fordert der Lateinamerikaner die wörtliche Bedeutung: „Die Gewohnheiten, die Stile, die Zeitpläne, der Sprachgebrauch und jede kirchliche Struktur zu überdenken. Wer eine solche Aufforderung hört, kann schon recht unsicher werden. Denn Veränderung bringt zunächst eine Unsicherheit mit sich. Ich muss liebgewonnenes und gewohntes lassen um neues zu erfahren. Nur wer den Mut aufbringt, dann auch wirklich das Alte zurückzulassen, kann dann auch wirklich neues Erleben. Das setzt nach Franziskus für jeden einzelnen eine „missionarische Entscheidung“ voraus. Eine Entscheidung wirklich als Christ zu leben und auch davon anderen zu erzählen, wenn sie einen fragen. Wir erleben seit Jahrzehnten einen Rückgang der kirchlichen Bindung. Immer mehr Menschen brauchen die Kirche nicht mehr für ihr konkretes Leben; bzw. für ihr „Seelenheil“ und Glück im Alltag.
Wie reagieren wir auf solche Veränderungen und Umbrüche? Ist es eine Erfahrung, die wir auch in unserem Leben kennen, oder diese sogar teilen können? Und wieder muss sich jeder einzelne fragen, wie steht es mit meinem Glauben im Alltag? Wie äußert er sich – wie lebe ich den meinen Glauben, meine Beziehung mit Gott? Spreche ich mit Gott, wie mit dem Partner/ Partnerin, wie mit einem guten Freund? Papst Franziskus fordert uns alle auf, jeden einzelnen von uns, sich zu erneuern. Und das anhand des Evangeliums.

Der ehemalige Erzbischof von Buenos Aires Jorge Mario Bergoglio gab sich als Papst den Namen des Heiligen Franz von Assisi, der zunächst sein persönliches Leben einer Revolution unterwarf, bevor er die Kirche wieder aufzubauen begann und eine Blütezeit des religiösen Lebens im ganzen Abendland einleitete. Papst Franziskus hat auch nicht vor, die Lehre der Kirche zu reformieren, wie ihm oft nachgesagt wird, sondern sie neu verständlich zu machen und zu beleben.
Und genau in diesem Anliegen ist er mit seinem persönlichen Leben uns allen ein Vorbild. Er scheut sich nicht, als erster in den Beichtstuhl zu gehen um zu beichten. Auch sonst setzt er sich über gängige Konventionen hinweg und betritt neue Wege. Und die Menschen nehmen ihm das ab, weil er authentisch ist. Diese Authentizität brauchen wir wieder in der ganzen Kirche und bei jedem einzelnen Christen. Es ist kein Zufall, der er in den ersten Kapiteln von Evangelii gaudium zur Erneuerung die Beispiele der Gewohnheiten, Stile und auch die Sprache nenne – also die Praxis. Erst dann folgt die Struktur. Immer wieder spricht er davon, dass man den Glauben nicht wie eine Ideologie bekennen muss, sondern ihn leben muss, im Sinne von Veränderung.
Ich gehe regelmäßig jeden Sonntag in die Kirche und ich gehe regelmäßig beichten! So lade ich alle gutwilligen Christen ein, mit mir zu überlegen, wie wir in Zukunft Gemeinde gestallten, damit wir eine Erneuerung von innen heraus erhalten. „Machen“ können wir das nicht.
Aber erbitten.
Deshalb freue ich mich über Initiativen, die aus der Gemeinde kommen und die zum Gebet einladen. Das ist der erste und wichtigste Schritt. Das Fundament einer neuen Evangelisierung, die bei uns anfangen muss. Dann würde ich mir wünschen, dass wir wieder neu den Wert eines regelmäßigen Gottesdienstbesuches erkennen und so unsere Feiern am Sonntag neu beleben, auch ohne große Aktionen, die bisweilen dazu gehören.
Mit dieser Perspektive habe ich den Mut, Kirche in Zukunft neu zu gestalten, weil es getragen sein wird vom Geist des Glaubens.

Ihr Pfr. Cornelius