St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Grazie und Arrivederci!

03.06.2016 / Redaktion

Meine lieben Brüder und Schwestern, Freunde, Nachbarn... Es ist leider die Zeit gekommen, dass wir uns verabschieden müssen.

So oft musste ich mich bereits von Ihnen verabschieden. Im Oktober 2013 als Praktikant angekommen, habe ich nach meinen ersten Erfahrungen in der Schule und in der Gemeinde schon im Februar 2014 zum ersten Mal „Ciao“ gesagt, als ich drei Monate nach Paderborn zum Pastoralkurs gefahren bin. Im Mai 2014 bin ich zurückgekommen und wir haben gemeinsam in der St.-Johannes-Basilika meine Diakonenweihe erlebt. Da fühlte ich mich schon von Ihnen begleitet und unterstützt. Ich habe nicht mehr die Gästewohnung belegt, sondern ich bin in die Wohnung eingezogen, in der ich nun zwei Jahre gewohnt habe. Ich war nicht mehr ein fremder Gast, sondern ein Kreuzberger, Diakon und Bruder in der Gemeinde. Kaum hatte ich begonnen, Fuß zu fassen und die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen in meinem diakonalen Dienst zu besuchen, musste ich im Oktober 2014 wieder „Tschüß“ sagen wegen einer sechswöchigen Ausbildung in Fulda. Im Dezember zurück, konnte ich noch einige Monate bis April 2015 als Diakon wirken, dann war ich wieder weg nach Erfurt zur letzten Phase der Ausbildung...
Und so kam der 23. Mai 2015, mein „Hochzeitstag“, an dem der Weihbischof Heinrich mich zum Priester geweiht hat! Sie waren zahlreich da in der Hedwigskathedrale und wir haben am folgenden Tag meine Primizmesse in St. Clemens gefeiert, anschließend mit Primizsegen und Wurst und Bier! Ich habe da sehr viel Nähe und Liebe von Ihnen erfahren dürfen, das werde ich nicht vergessen. Meine Familie und meine Gäste aus Italien haben es genauso erlebt und mir gesagt: „Hier lieben dich die Leute, hier bist du zuhause!“.
Und jetzt ist ein Jahr als Kaplan schon ganz schnell vergangen. Wieviele schöne und tiefe Gespräche, Begegnungen, Feierlichkeiten . . . Es wäre eine lange Liste . . . Ich bin Gott und Ihnen allen dankbar für diese knapp drei Jahre, die ich in St. Bonifatius verbringen durfte, und vor allem dass ich mich als Italiener hier in Kreuzberg zuhause fühlen konnte! Ich habe versucht, so gut wie ich konnte, Diener eurer Freude zu sein. Wenn ich jemanden betrübt oder nicht verstanden oder vernachlässigt habe, bitte ich um Vergebung und bin zum Gespräch bereit. Ganz besonders möchte ich unserem Pfarrer Oliver Cornelius danken, der mir als Mentor in diesen entscheidenden Jahren mit Eifer und Leidenschaft den pastoralen Dienst beigebracht hat. Was ich von dir, Oliver, besonders mitnehme, ist, „bei den Menschen zu sein“. Das hast du mir zu recht ständig wiederholt, und so habe ich versucht, bei Ihnen, liebe Brüder und Schwester, zu sein, sei es mit den Mini-stranten beim Kochen oder bei den Senioren beim Kaffee oder bei den kranken und einsamen Menschen in den Pflegeheimen oder beim Fasching oder einfach auf dem Boni-Hof oder vor der Kirche, wo manchmal spontane und auch mal wichtige Gespräche entstanden sind.
Was meine Zukunft betrifft, darüber kann ich heute (20.5.) noch nichts sagen, nur mein Nachfolger steht schon fest, das ist ab dem 1. September der neugeweihte Priester Edward Augusto Santiago Monroy, ein guter Freund von mir und Studienkollege vom Priesterseminar Redemptoris Mater. Ich bleibe noch bis Ende August und warte in dieser Zeit auf eine Mitteilung, wo meine nächste Kaplanstelle sein wird. Das ganze Erzbistum Berlin von Potsdam bis nach Rügen bietet ganz viele Ansatzorte an! Der Pfarrer phantasiert darüber, dass ich ganz weit weg nach Wittstock an der Dosse geschickt werde, aber das ist nur ein Scherz, und vielleicht genauso hat sich die Stimme verbreitet, dass ich in die Uckermark gehe, aber das ist bis jetzt nur eine Hof-Legende! Wir lassen uns noch überraschen...
Ich wünsche Ihnen alles Gute und dass Sie im Leben die Hoffnung nie verlieren! Gott liebt uns alle, gerade in unseren Schwächen, kämpft an unserer Seite und ist in seiner Barmherzigkeit immer bereit uns zu verzeihen!

Grazie und Arrivederci!
Andrea Ciglia, Kaplan