St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

JOM HASCHOAH – „Jeder Mensch hat einen Namen“

© Gerhard Schmidt-Grillmeier

13.06.2016 / Redaktion

Alljährlich finden zwei ergreifende Veranstaltungen statt, deren Zweck es ist, die Namen der ermordeten Berliner Juden der Vergessenheit zu entreißen.
Am 4.5. findet der Gedenktag des Holocaust, der Schoah, statt und wird weltweit begangen. Am „Marsch der Lebenden“ z.B. von Auschwitz nach Auschwitz-Birkenau nehmen Tausende junger Menschen aus aller Welt teil.
Am 9.11. wird der Tag der Befreiung von Auschwitz begangen. An beiden Tagen werden vor dem Jüdischen Gemeindehaus in der Fasanenstraße die Namen der fast 56.000 ermordeten Berliner jüdischer Abstammung – verlesen.
Dieses Jahr haben Frau Christine Schönfeld und Herr Diakon Winfried Schönfeld und ich an der Namenslesung teilgenommen. Jedes Jahr sind auch Schwestern des Karmel Regina Martyrum da. Wir haben mit den Schwestern gesprochen und sie meinten, dass sie die Opfer des nationalsozialistischen Terrorregimes in ihre Gebete aufnehmen.
Ich fand – wie all die Jahre vorher – das Gedenken sehr würdig und natürlich bewegend. Wenn man die Namen von Opfern im Kleinkindalter verliest und weiß, dass sie keine Chance zum Weiterleben hatten, wird jede Relativierung des schrecklichen Geschehens im Dritten Reich unverständlich.
Vielleicht können sich noch andere Gemeindeglieder an den genannten Tagen der Namenslesung anschließen. Jeder kann teilnehmen – man muss lediglich die Namen aus dem Opferbuch in ein Mikrofon sprechen, damit die Menschen nicht vergessen sind.

Gerhard Schmidt-Grillmeier