St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Acht Monate Jerusalem

St. Bonifatius / CC BY 2.0

02.06.2019 / Redaktion

Nach acht Monaten hat das Theologische Studienjahr Jerusalem in seiner 45. Auflage am Freitag vor Palmsonntag seinen Abschluss gefunden. Damit ist für mich die Zeit im Heiligen Land zu Ende gegangen. Es bleiben die Erinnerung und die Dankbarkeit für eine Zeit voller außergewöhnlicher Erlebnisse und Erfahrungen, die mein Leben in vielen Hinsichten geprägt haben. Auch in solchen, von denen ich jetzt noch nichts ahne.

Acht Monate habe ich in Jerusalem und dem Heiligen Land gelebt und gelernt. Zum Lernen gehörten Exkursionen an viele (fast möchte ich sagen alle) archäologische Stätten im Land, in denen es Strukturen zu entdecken gibt, die teils bis in die Steinzeit zurückdatiert werden. Zum Lernen gehörte auch die Begegnung mit jüdischen und muslimischen Gelehrten, mit Palästinensern, die in der Westbank leben und Israelis, die sich politisch engagieren. Dazu gehörte auch der Besuch der biblischen Orte, nicht zuletzt der Wüste Negev, durch die wir zehn Tage lang gewandert sind, um diesen Ursprungsort der Religionen (Stiftung des Sinaibundes; Jesu 40 Tage in der Wüste; Mohammeds Heimat in der Wüstenlandschaft der arabischen Halbinsel) zu erfahren. Letztlich gehörte zum Lernen auch das Theologiestudium, das eine besondere Betonung auf interreligiösen Themen und der Bibelwissenschaft hatte und das dadurch geprägt war, dass katholische und evangelische TheologInnen gemeinsam gelebt und (auch voneinander) gelernt haben.

Jerusalem ist eine Stadt, die noch quirliger und vielfältiger ist als Berlin. Neben der Altstadt mit ihren zahlreichen Heiligtümern vibriert das Leben in der Neustadt. Sonntagmorgens weckt das Glockengeläut der christlichen Kirche viel zu früh die Juden und Jüdinnen, die am Vorabend mit ihren Feiern zum Sabbatende den ChristInnen den Schlaf geraubt haben. Aber Austausch zwischen den beiden monotheistischen Weltreligionen gibt es auch - und besonders - im positiven Sinn. So waren wir zu jeder Zeit zu Gottesdiensten in der Synagoge. Andersrum war in der Vigil in der Weihnachtsnacht die Kirche der Dormitioabtei zum Bersten gefüllt mit Juden und Jüdinnen, die am christlichen Gottesdienst interessiert waren. Die Predigt wurde auf Hebräisch gehalten. Es war mir eine besondere Freude, dass eine kleine Gruppe von Freunden mich aus Jerusalem abgeholt hat und ich in fünf Tagen die Gelegenheit hatte, das Gelernte weiterzugeben. In kurzer Zeit haben wir Bethlehem, Yad Vashem (die Gedenkstätte für die Opfer des Holocaust) und Jerusalem besucht. Im Heiligen Land zu sein war für sie, denke ich, und für mich - auf jeden Fall – eine besondere Erfahrung.

Nun bin ich aber auch froh, wieder in Deutschland zu sein. Ich habe mein Theologiestudium in Frankfurt wieder aufgenommen und werde es inschallah (das ist Arabisch für „So Gott will“) in den nächsten zwei Jahren erfolgreich zum Abschluss bringen. Der Abschluss ist der letzte Meilenstein vor dem Eintritt in den Pastoralkurs. Der Pastoralkurs ist die praktische Ausbildung, in deren Rahmen ein Priesterkandidat als Praktikant in eine Pfarrei kommt. So wie die zahlreichen Praktikanten, deren Werdegang bis zum Priester Sie in den letzten Jahren erleben durften. Ich selbst werde gemäß den üblichen Gepflogenheiten nicht als Praktikant in Bonifatius eingesetzt werden. Die Frage, ob ich überhaupt in den Pastoralkurs eintrete, wird erst mit dem Ende des Studiums und der dann von beiden Seiten endgültig zu treffenden Entscheidung beantwortet werden. Bis dahin ist aber noch viel Zeit, in der sich sicher die Gelegenheit für ein persönliches Gespräch ergeben wird.

Herzliche Grüße aus Frankfurt und bis bald in Berlin.

Ihr und Euer Marius Retka