St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Kirche

Kirchengebäude in Äthiopien

03.07.2013 / Redaktion

Das Wort Tewahedo bedeutet Einheit. Diese altorientalische Kirche ist nach der Überlieferung von zwei Brüdern in das heutige Äthiopien gebracht worden. Sie hatten im Roten Meer Schiffbruch erlitten und sind an den Hof des Königs von Aksum verkauft worden. Aksum war die Hauptstadt eines frühen Königsreiches im Norden von Äthiopien und gilt deshalb der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche als heilige Stadt.
Geschichtlich erwiesen ist durch Münzfunde, dass König Ezana im 4. Jh. Christ wurde. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die Länder um Äthiopien islamisch und die äthiopische Kirche verlor den Kontakt zu den anderen christlichen Ländern. Kirche und Herrscherhaus waren eng verbunden. Auffällig ist die Nähe zum Judentum, wahrscheinlich bedingt durch das Studium des Alten Testamentes. Dadurch entstand auch die Legende, dass das Kaiserhaus von König Salomon und der Königin von Saba abstamme. Die Gläubigen verstehen sich als Judenchristen und die Kirche hat durch Übernahme von Texten, die andere Christen nicht verwenden, die längste Bibel aller christlichen Kirchen. Liturgiesprache ist [Ge’ez](https://de.wikipedia.org/wiki/Ge%E2%80%99ez_(Sprache) – eine altäthiopische Sprache.

Lange war sie auch ein Teil der koptischen Kirche Ägyptens, wurde aber 1950 von deren Papst in die Autokephalie (Eigenkirchlichkeit) entlassen. Äthiopisch-orthodoxe Geistliche hatten großen Einfluss am kaiserlichen Hof – behinderten leider auch die Einführung eines modernen Schulsystems.

Heute zählt die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche ca. 35-40 Millionen Gläubige und ist somit die zahlenmäßig größte aller altorientalischen Kirchen. Im modernen Äthiopien gehören ihr etwa 43 % der Einwohner an. Sie hat aber als einzige vorkoloniale Kirche Schwarzafrikas große symbolische Bedeutung auf dem schwarzen Kontinent und auch bis in die Karibik hinein.

Während der kommunistischen Militärjunta wurde der Patriarch 1977 hingerichtet. Die Kirchenverfolgung dauerte bis zum Sturz des Regimes 1991 an. Die Verfolgung hat den inneren Zusammenhalt der Kirche aber sehr gestärkt. Als Erithrea 1993 unabhängig von Äthiopien wurde, erlangte auch die dortige Kirche die Autokephalie.

Seit 2013 leitet Patriarch Abune Mathias (Seine Heiligkeit Abune Mathias, Sechster Patriarch und Katholikos von Äthiopien, Echege des Stuhls St. Takla Haymanot und Erzbischof von Axum) in Addis Abeba die Geschicke der Kirche.

In Europa leben die meisten der Gläubigen in Deutschland, England und Italien. In London und in Rom amtieren zwei Bischöfe dieser Kirche und in Deutschland ist in Köln ein Bischofsvikar (Erzpriester Dr. Tebege) zuständig für Nordwest-Europa. In Deutschland gibt es die Kirche seit 30 Jahren und hat Gemeinden in acht Städten.

In Berlin existiert eie Gemeinde in der St. Amanuelskirche in der Hauptstr. 47/48, 10827 Berlin.

Gerhard Schmidt-Grillmeier