St. Bonifatius

Katholisches Leben in der Mitte Berlins

Kaplan Ciglia, einer, der seinen Weg gehen wird

© Erzbistum Berlin

14.07.2015 / Redaktion

Ich kann mich noch recht genau erinnern, wie an ei­nem kalten Heiligabend vor eineinhalb Jahren ein schüchterner, freundlicher, geduldiger Mann mit der für Geistliche typischen „Kalkleiste“ bepackt mit ein paar Weihnachtsgeschenken im Boni-Hof stand und über das ganze Gesicht strahlte. Ein schöner Anblick. Da ich ein wenig zurückhaltend bin, fragte ich um mich herumstehende Leute, wer er denn sei. Schnell war klar, das war unser damalige Praktikant Herr Ciglia. Ich dachte mir: „Wenn nach der kurzen Zeit, in der er bei uns in der Gemeinde tätig ist, es schon so viele nette Geschenke gibt, dann macht er einen guten Job!“. Ich selbst hatte noch nicht viel mit ihm zu tun; das musste aber nichts heißen. Vielleicht auf Geheiß des Pfarrers schaute eben dieser schüchterne, freundliche, geduldige Mann auch bei einigen WM-Spielen der Deutschen Nationalmannschaft vorbei – auch als die Italiener nicht mehr dabei waren. Im Gottesdienst war mir aufgefallen, dass er immer mit den Ministranten am Altar stand. Das hat mir irgendwie auch gefallen. Da ich zu meinen Zeiten als Ministrantin im Messgewand dem Geschehen am Altar auch immer irgendwie intensiver folgen konnte, kann ich da mitfühlen. Als der Pfarrer Cornelius dann verkündete, dass dieser schüchterne, freundliche, geduldige Mann mit dem strahlende Lachen im Gesicht nach seiner Zeit als Praktikant und nach seiner Diakon-Weihe weiter in unserer Gemeinde bleiben wird, dachte ich: „Okey, dann muss der wirklich gute Arbeit leisten!“. Der Pfarrer und Herr Ciglia luden die ganze Gemeinde ein, bei dieser Weihe dabei zu sein. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Man erlebt schließlich nicht so oft, dass ein schüchterner, freundlicher, geduldiger Mann mit einem strahlenden Lachen im Gesicht sich in der heutigen Zeit zum Diakon weihen lässt.

Die Sankt-Johannes-Basilika war gerappelt voll und es wurde ein feierlicher und herzlicher Gottesdienst gefeiert, wie ich finde. Ich habe den Weihbischof so verstanden, dass er den beiden „Transit-Diakonen“ rät, mit viel Spaß den Dienst im Auftrag des Herrn zu erfüllen und dabei auf dem Boden zu bleiben. Das hat mir gefallen. Ein harter Auftrag. Wenn man das schafft, dann ist man glücklich. Und was wünscht man einem Geistlichen mehr... genau: Bodenhaftung und Spaß am Job. So haben alle etwas davon. Beim anschließenden Empfang beobachtete ich wieder einen schüchternen, freundlichen, geduldigen Mann, der über das ganze Gesicht strahlte. Einfach herrlich!

Näher kennen lernen durfte ich Diakon Ciglia bei der Gemeindefahrt nach Rom. Bereits nach wenigen Tagen merkte ich bei ihm den Spaß, uns Gemeindemitgliedern mit seinem blühenden Wissen, seine Begeisterung für den Glauben tatkräftig zu vermitteln. Ihm war seine Freude am christlichen Glauben förmlich ins Gesicht geschrieben. Der Funke ist zu mir übergesprungen. Und sein Wissensfundus kann sich, meiner Ansicht nach, ebenfalls sehen lassen. Er wählt seine Worte mit Bedacht und mit einer unglaublichen Präzision aus und bleibt dabei beim normalen Leben. Von dem kann man bestimmt noch eine ganze Menge lernen. Er macht wirklich gute Arbeit, wie ich finde. Dass Diakon Ciglia auch bei den Tücken einer jeden Romreise behilflich ist, hat er u.a. während des Bestellens von diversen römischen Leckereien gezeigt. Ich mag es, wenn Geistliche so nah am „Otto-Normal-Gläubigen“ sind. Ich werde auch nie vergessen, wie er mir erklärte, dass für ihn bereits bei der Diakonweihe „alles vorbei“ sei. Er meinte damit, dass er seine Entscheidung für das Priesteramt damit schon unumstößlich getroffen hätte und es ohnehin kein „Zurück“ mehr geben würde. Und wieder sah ich einen freundlichen, geduldigen Mann, der nun, meiner Ansicht nach, nicht mehr ganz so schüchtern war, aber noch immer über das ganze Gesicht strahlte. Er war begeistert und begeisternd. Einfach herrlich, äh ne... geistlich. Na, Sie wissen schon, was ich meine!

Wieder lud der Pfarrer Cornelius die ganze Gemeinde ein. Diesmal sollte es die Priesterweihe sein. Für mich war es wieder ein Grund einmal der Hedwigs-Kathedrale einen Besuch abzustatten. Wieder war das Gotteshaus gerappelt voll. Viele verschiedene Gläubige waren vor Ort. Von kleinen jungen Gläubigen, die wahrscheinlich den Grund dieser Versammlung noch nicht so ganz einordnen konnten und sich vom Papa durch die Gänge schieben ließen, bis zu einer 96-Jährigen, die sich dieses Ereignis auch nicht entgehen lassen wollte. Da waren coole Jeansträger und vornehme Schlipsträger. Und alle waren sie wegen desselben Grundes gekommen, frei nach dem Motto: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind...“. Einfach herrlich, äh ne, geistlich... Sie wissen schon! Nachdem die Weihe in der Kathedrale zu Ende war, ging der Dienst am Menschen für die beiden frischgebackenen, äh ne, frischgeweihten Priester erst los. Viele Hände wurden geschüttelt und viele Umarmungen geschenkt. Und wieder sah ich, man kann es sich denken, einen begeisterten und noch immer freundlichen, geduldigen Mann, der über das ganze Gesicht strahlte. Am nächsten Tag stand die Primiz an. Er war sichtlich aufgeregt, brachte das Hochamt aber gut über die Bühne, äh den Altar. Und als ich meinen Primiz-Segen von ihm bekam, sah ich wieder einen begeisterten, freundlichen, geduldigen Mann bzw. Priester, der über das ganze Gesicht strahlte. Wirklich schön! Ich wünsche ihm, sofern mir das überhaupt gestattet ist, dass er bis zu seinem Dienstende in der Kirche bzw. am Menschen, diese Begeisterung und ein vor Freude strahlendes Gesicht behält und, was man bzw. er sonst noch so alles braucht, um bei der seinen Leisten, also „Kalkleisten“ zu bleiben.

In Hochachtung
Steffi Scheinemann

Bilder von der Priesterweihe